Einladung 16.09.

Fronleichnam gemeinsam

Die gemeinsame Fronleichnamsprozession der Pfarren Oberhofen und Pfaffenhofen beginnt heuer mit der heiligen Messe um 8.30 am Dorfplatz  in Pfaffenhofen.

 

Die Prozession führt dann über vier Altäre zur Kirche in Oberhofen.

 

 

Maria - Mutter

Predigt zum 5. Ostersonntag

 

„Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.“ Dieser Satz aus dem Johannesevangelium ist eine ganz große Zusage. Jesus gibt seine Macht, große Taten zu vollbringen, an die Menschen weiter, die an ihn glauben. Damit ist alles eingeschlossen, was Jesus in seinem Leben auf dieser Erde getan hat, einschließlich seiner Wundertaten.

 

Das ist das eine: Diese gewaltige Zusage. Jetzt kommt das andere: Die Zusage gilt auch uns! Wir können im Glauben Dinge tun, die wir eigentlich nur Jesus zutrauen. Gibt es unter uns Gläubigen genug Menschen, die das vollbringen was Jesus vollbracht hat? Wo sind sie?

 

Eine Person gibt es auf jeden Fall. Wir wollen sie heute deshalb nennen, weil Muttertag ist. Niemand hat so geglaubt wie Maria. Das erste, was uns nach dem Gehen Jesu zu seinem Vater über Maria berichtet wird, ist ihre Mitwirkung beim Pfingstfest. Maria unterstützte die Jünger beim Beten um den Heiligen Geist. Daraufhin bewirkte der Heilige Geist einen ganz großen Aufbruch. Mehr Menschen kamen damals zum Glauben an Jesus als zu seinen Lebzeiten. „Wer an mich glaubt… wird noch größere Werke vollbringen als ich…“

 

Was gibt es über das Wirken der Gottesmutter Maria noch zu sagen? Das Besondere ist, dass Maria die Aufgabe der mütterlichen Unterstützung nach ihrem Heimgang in den Himmel beibehalten hat. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass Maria sehr oft in Erscheinung trat, um die Gläubigen zusammenzuhalten und neue Aufbrüche im Glauben zu bewirken. Manchmal trat Maria auch wie eine starke Frau und Mutter auf, um an den Ernst des Evangeliums zu erinnern und die Menschheit wachzurütteln. Es gibt weltweit ganz viele Wallfahrtsorte, die mit einem wunderbaren Eintreten der Jungfrau Maria in die Menschheitsgeschichte zu tun haben.

 

Fatima in Portugal ist so ein besonderer Ort. Fatima ist deshalb auch besonders, weil Maria uns mit Hilfe von drei einfachen Hirtenkindern die weltgeschichtliche Bedeutung des Glaubens in Erinnerung rief: Krieg oder Frieden hängen nicht nur von den Politkern ab. Die einfachen Menschen können wirksam mithelfen, dass Unheil von den Völkern abgewendet wird. „Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen…“ Maria bat uns in Fatima, täglich den Rosenkranz zu beten. Der Rosenkranz ist ein ganz einfaches in der Kirche gewachsenes Gebet. Es sieht nach außen hin aus wie ein Gebet zu Maria. Es ist aber ein Gebet mit Maria zu Jesus. „Betet täglich den Rosenkranz“ – das haben vor 100 Jahren Jacinta, Francisco und Lucia, die Seherkinder von Fatima, gemacht und bis heute haben sich weltweit Millionen Menschen angeschlossen, um mit Maria den Frieden von Gott und die Bekehrung der Sünder zu erbitten.

 

Vor 65 Jahren gab es in Österreich eine groß angelegte Gebetsaktion um die Befreiung der Heimat von der russischen Besatzung. Sogar Politiker machten damals mit und beteten öffentlich den Rosenkranz im Sinne der Botschaft von Fatima. Das Gebet wurde offenbar erhört. 1955 war Österreich wieder frei.

 

In unserer Gesellschaft ist es schwieriger geworden, Menschen für eine tägliche Gebetszeit zu gewinnen. Der Medienkonsum hat dazu sehr viel beigetragen, dass sich wenige Gläubige echt Zeit nehmen. Deshalb kam in diesen Tagen zum 100 jährigen Fatimajubiläum der Vorschlag, täglich wenigstens ein Gesätzchen des Rosenkranzes zu beten. P. Karl Wallner, der Nationaldirektor der päpstlichen Missionswerke, startete dazu die Aktion: Bete täglich ein Gesätzchen des Rosenkranzes für einen Jugendlichen, den du kennst *). Wenn Jugendliche erneut zum Glauben finden, kann sich ganz vieles zum Guten wenden. Maria, unsere gute himmlische Mutter, wird uns helfen, die Werke, die Jesus vollbracht hat, auch zu vollbringen.

Pfarrer Christoph Haider 

 

*https://gott-kann.at/

Gedanken eines Erstkommunionkindes über Jesus

Dieser Eintrag fand sich im Religionsheft eines Erstkommunionkindes - ohne  Zutun eines Erwachsenen!

Was ist Sache?

Predigt zum 5. Fastensonntag - Auferweckung des Lazarus

 

 

Eine große Tiroler Zeitung widmete die Titelseite vom vergangenen Montag einem religiösen Thema. Wie zu erwarten war, schrieb der Journalist seinen Artikel nicht über das Thema Fastenzeit oder die Bedeutung des Osterfestes. Es ging – wie konnte es anders sein  -  um die Forderung, den Zölibat abzuschaffen und die Priesterweihe von Frauen zuzulassen. Ein schönes mediales Reizthema. Das Kopfnicken der meisten Tirolerinnen und Tiroler ist der Zeitung sicher. Seit ich mich erinnern kann, kommen in die Presse immer vor Ostern solche und ähnliche Vorstöße. Andere wichtige Themen den christlichen Glauben betreffend erhalten nur Randspalten ab Seite 20. Was mich diesmal nachdenklich gemacht hat, ist eine Aussage des Gesprächspartners der Zeitung, eines kirchlichen Mitarbeiters und Religionslehrers:  „Mit ihren Ritualen und ihrer Sprache sei die Kirche oft Jahrhunderte von den Jugendlichen  entfernt.“

 

Für diese Entfernung von Kirche und Jugend kann der Mann dann allerdings wieder nur die Themen Zölibat und Frauenpriestertum angeben. Das würden die Jugendlichen überhaupt nicht verstehen. Lassen wir einmal die Frage der kirchlichen Ämter beiseite. Das Schockierende an der ganzen Sache ist, dass es der Kirche in unserem Land offenbar nicht gelingt, zumindest in der medialen Wahrnehmung, der Öffentlichkeit von heute den Kern der Botschaft Jesu nahezubringen. Die Frage der Kirchenstrukturen und Ämter betrifft sowieso nur ganz wenige Menschen. Wer stellt sich denn heute – ob Mann oder Frau – ernsthaft die Frage, ein geistliches Amt in der Kirche zu übernehmen? Das sind keine zwei Prozent aller Katholiken. Die viel wichtigere Frage, die 100 Prozent aller Menschen, nicht nur der Katholiken, betrifft, heißt: Gibt es ein Leben nach dem Tod und kann uns die Kirche dazu etwas sagen? Die atemberaubende Botschaft, um die sich bei uns alles dreht, und die von der Kirche seit Jahrhunderten als kostbarster Schatz gehütet wird, heißt: Jesus hat die Macht, Tote zu erwecken. Er kann ewiges Leben schenken. Es stimmt: mit vielen Ritualen ist die Kirche Jahrhunderte von der heutigen Mentalität entfernt. Die gute Nachricht aber, dass einer mächtiger ist als der Tod, ist zeitlos und sie betrifft jeden Menschen, auch Jugendliche. Die Feuerwehr Oberhofen verlor vor kurzem eines ihrer Mitglieder im Alter von 21 Jahren durch einen tragischen Arbeitsunfall. Es ist gut, dass es in solchen Situationen Kriseninterventionsteams gibt, Notärzte, das Rote Kreuz, Blaulichtorganisationen. Der Platz der katholischen Kirche bei solchen Ereignissen ist nicht der, zusätzlich noch ein Angebot zu erstellen. Die Kirche trägt in sich die beglückendste Botschaft der Welt: Es gibt ein Leben nach dem Tod. Der Mittler dieses Lebens ist Jesus Christus. An ihn zu glauben und ihm nachzufolgen, ist immer top-aktuell.

Darf ich zum Schluss den Einstieg in die Predigt wieder aufgreifen: Zölibat bedeutet, die Lebensform Jesu gewählt zu haben. Mit dem Verzicht, auf etwas Schönes, nämlich sexuelle Hingabe, Ehe und Familie, will der Priester den anderen Menschen zeigen, dass es etwas noch Größeres und Schöneres gibt: Das ewige Leben durch Jesus Christus. Im Blick auf dieses Leben mit Gott lohnt es sich, ein in den Augen der Gesellschaft „exotisches“ Leben zu  führen.

 

 

Bald ist Ostern, der Gedanke daran, dass es Auferstehung wirklich gibt, stellt einiges in den Schatten, was es sonst noch an wichtigem gibt.   

 

 

Pfarrer Christoph Haider

Glücklich sein

Predigt zu Mt 5,1-12

 

Gibt es einen gemeinsamen Nenner, auf den alle Menschen zustreben? Das ist schwer festzustellen. Eines lässt sich sicher sagen: Alle Menschen wollen mehr oder weniger glücklich sein. Auch wenn jeder das, was für ihn Glück bedeutet, anders definiert. Wodurch versprechen sich Menschen Glück? Oberste Priorität hat für viele die Gesundheit. Zu Neujahr konnte man das oft hören: „Gesundheit ist das Wichtigste!“ Dann kommt ein gesichertes Einkommen. Für viele ist Glück verbunden mit materieller Unabhängigkeit, sich etwas leisten können, ein Eigenheim haben, Reisen machen, Urlaub haben. Auch Beauty spielt eine Rolle, nicht nur bei den Jüngeren. Sich selber etwas Gutes tun, ab und zu die Seele baumeln lassen, Wellness ... Familie, Freundeskreis sind wichtige Faktor im Glücksstreben.

 

Diese Aufzählungen sind natürlich unvollständig. Aber sie geben ein gewisses gesellschaftliches Empfinden in der Glücksfrage wieder. Würden wir eine Umfrage starten, inwiefern die Glaubensausübung ein Glücksfaktor ist, würde sich herausstellen: Den Glauben als Hilfestellung lassen viele Menschen gelten: „Wenn es dir gut tut, dann geh in die Kirche und bete oder kümmere dich um deine Mitmenschen.“ Aber den Glauben mit Glück in Verbindung bringen werden vermutlich nicht allzu viele Menschen.

 

Wie Jesus seine Bergpredigt, die wichtigste öffentliche Rede seines Lebens, aufbaut, kann nur in Richtung Hinführung zum Glücklichsein verstanden werden. Vielleicht ist „Glück“ ein etwas oberflächlicher Begriff. „Seligkeit“ ist besser. Acht Mal spricht Jesus uns die Seligkeit zu. Aber in keiner der Zusagen geht es vordergründig um das, was die Gesellschaft uns als Glück verheißt. Der Zugang ist ein anderer. Jesus beginnt mit der geistigen Hygiene: „Selig, die aus dem Geiste Armen (Mt 5,3 - Übersetzung Fridolin Stier)“.  Richte deinen Geist ganz auf Gott aus, ohne Wenn und Aber und ohne Hintergedanken – und du wirst selig sein. Lass dir doch einmal etwas von Gott schenken. Wie oft meinen wir – mehr als uns bewusst ist – alles selber und allein machen zu müssen. „Selig, die ein reines Herz haben … (Mt 5,8)“ Bemühe dich um eine aufrichtige, reine Gesinnung. Sie wird dich von innen her froh und selig machen. Vieles, was Psychologen ihren Klienten mit neuen therapeutischen Methoden vermitteln, hat mit Versöhnung zu tun. „Selig, die Frieden stiften … (Mt 5,9)“ Beende nicht nur alle Feindschaft nach außen hin, vergib in deinem Innern. Mach Schluss mit Feind! Schenke Versöhnung und du wirst selig sein.

 

 

Eigenartiger Weise gibt es in unserer Gesellschaft, die so auf Glücksmaximierung aus ist, viele unglückliche Menschen. Die Bergpredigt ist ein großartiger Ansatz, das wahre Glück neu zu entdecken. Wir können uns eine der acht Seligpreisungen für diese Woche vornehmen, sie abschreiben, Zuhause an einem gut sichtbaren Platz aufmachen und dann täglich darüber nachdenken.

 

Pfarrer Christoph Haider 

 

Fotonachweis Barmherzigkeit - Franziskusweg, Taufers 

(c) A. Ennemoser

 

Mariä Empfängnis

Eines der schönsten Marienlieder zum 8. Dezember heißt „Tota pulchra es Maria“. Es besingt die Schönheit Marias. Das ist nicht nur ein Anhimmeln, es ist Ausdruck unseres Glaubens. Maria ist die von Gott Hochbegnadete. Gnade, griechisch Charis, kann auch gottgeschenkte Schönheit bedeuten. Der Gruß des Engels „Sei gegrüßt, du Gnadenvolle“ kann auch heißen: „Freue dich, du Wunderschöne.“

 

Wechseln wir den Platz: Von Nazareth ins Jahr 2016. Es begegnen uns zwei Extreme. Auf der einen Seite der Schönheitskult. Auf der anderen Seite die Verherrlichung des Unschönen. Beides wollen wir kurz beleuchten. Fotografen sagen, die digitale Fotografie hat nicht nur Erleichterungen gebracht. Sie ist oft ein Mehraufwand. Die Leute wollen auf dem Foto makelloser aussehen als sie sind. Kleine Falten und Pickel sollten nach Möglichkeit auf dem Fotoausdruck nicht aufscheinen. Die diesbezüglichen Vorbilder aus der Prominentenwelt haben längst die breite Masse beeinflusst. Die Körperproportionen sollten keine Abweichungen aufweisen.  

 

Auf der anderen Seite steigert sich der gesellschaftliche Hang zum Hässlich-Unschönen. Kinder tragen T-Shirts mit Skelett oder Totenkopf. Aliens, Monster, Vampire, Zombies sind Unterhaltungsfiguren geworden. Eine kleine Recherche im Internet zeigt, dass die Begriffe brutal und Horror weitaus mehr Einträge haben als z.B. das Wörtchen schön. Parallel zum Schönheitskult gibt es einen Kult des Unschönen. Fast hat es den Anschein, dass es bereits einen Überdruss an künstlicher Schönheit gibt, der  in das Gegenteil umschlägt.

 

Das Besondere ist, dass sich kein Mensch diesem Phänomen entziehen kann. Wir müssten uns ständige die Decke über den Kopf ziehen, um den Bildern des Schönen und des Hässlichen zu entrinnen.  

 

Auf diesem Hintergrund  hebt sich das Fest der ganz schönen Maria noch einmal besser ab. Gott hatte vom ersten Augenblick ihres Lebens an ein gutes Stück seiner eigenen Schönheit in Maria hineingelegt. Wir wissen nicht, ob Maria rein äußerlich schöner anzusehen war als andere Frauen ihrer Zeit. Aber wir sind im Glauben überzeugt, dass bei ihr Innen und Außen, körperliches Aussehen und seelische Verfassung vollkommen übereinstimmten. Die Theologen sagen, Gnade und Tugend waren bei Maria eins. Bei Maria hatten das Unschöne, das Hässliche, die Sünde keinen Zutritt.

 

Wenn wir uns im Gebet Maria nähern, gibt es eine Art Spiegelreflex. Die Strahlen ihrer Schönheit spiegeln sich im betenden Menschen wieder. Wenn wir Maria ehren, nehmen wir teil an ihrem Charisma. Der heilige Bernhard empfahl den Gläubigen in allen Stürmen des Lebens zu Maria aufzuschauen. Er sah in ihr den sicheren Orientierungsstern am Himmel. Heute würde er uns vielleicht raten, auf die Schönheit der Gottesmutter zu schauen. Bist du ein Jugendlicher: Bete zu Maria. Sie wird dir helfen deine eigene Schönheit zu entdecken ohne dich mit anderen vergleichen zu müssen. Leidest du unter psychosomatischen Beschwerden. Bete zu Maria. Sie wird dir helfen, Innen und Außen, Seele und Leib ins Gleichgewicht zu bringen. Meinst du, die Menschen haben dich vergessen und du bist nur ein Mauerblümchen. Bete vertrauensvoll zu Maria und du wirst spüren, dass dir Maria hilft, neue schöne Seiten an dir selbst zu entdecken.

 

 

Eine Beobachtung im Sinn der Schönheit Maria möchte ich noch anfügen. Schauen wir uns Fotos von lieben Menschen an. Wann sind sie für uns am Schönsten? Wenn ein Mensch ganz einer Person hingegeben ist, z.B. eine Mutter mit Blickrichtung auf ihr neugeborenes Kind. Maria war deshalb schön, weil sie in ihrem Leben ganz Jesus hingegeben war. Ein Mensch, der liebt, ist schön.                      

Pfarrer Christoph Haider

Es wird euch kein Haar gekrümmt werden ...

Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis

 

Versuchen wir auf drei verschiedene Arten an das heutige Kapitel der Hl. Schrift (Lk 21, 5-19) heranzugehen. Wählen wir uns dazu drei Personen aus. Die erste Person ist ein Mensch, der gerne lebt und sich nicht gerne von negativen Nachrichten die Lust am Leben nehmen lässt. Er wird heute sagen: Lieber Lukas, da hast du aber ein dunkles Kapitel in deinem Evangelium geschrieben. Ich finde es zu düster, was du da aus dem Mund des Meisters zusammen getragen hast. Mir wäre lieber, du hättest über die Freude geschrieben. Evangelium heißt doch „Frohe Botschaft“ und nicht Negativnachrichten. Der Glaube soll doch etwas Freudiges sein und nicht ein ständiges Denken an die Not der Welt, an Unglücke, Katastrophen, Kriege und Verfolgungen. Wenn ich in deinem 21. Kapitel lese, dann fällt mir Leonard Cohens letztes Album ein, das er noch heuer kurz vor seinem Tod veröffentlicht hat „You want it darker“. Also, lieber Lukas, sei doch etwas optimistischer und lebensbejahender.

 

Jetzt kommt die zweite Person. Sie ist Professor für Bibeltheologie, neutestamentliche Exegese. Der Professor hält sich lange bei der Detailuntersuchung des Textes auf. Ihn interessieren die Hintergründe. Ob der Evangelist Lukas vor oder nach der Zerstörung Jerusalems seine Worte geschrieben hat. Ob hier jüdisch apokalyptische Anleihen zu finden sind. Welche Worte aus dem Mund Jesu stammen und wo vermutlich ein Redaktor seine Interpretationen eingefügt hat. Bei seinen Forschungen findet er viel Wissenswertes, mit dem er in einem wissenschaftlichen Verlag eine kleine Publikation veröffentlichen kann.

 

Die dritte Person lebt in Pakistan, sie heißt Asia Bibi. Sie ist Mutter von fünf Kindern. Wegen ihres christlichen Glaubens wurde sie angezeigt und ist seit sechs Jahren inhaftiert. Trotz internationaler Proteste ist es sehr ungewiss, ob sie noch einmal die Freiheit erlangt oder ob das Todesurteil über sie gesprochen wird. Nehmen wir an, wir hätten jetzt die Möglichkeit, unseren Lukastext in ihre Zelle zu bringen. Sie würde ihn in ihre Hand nehmen und aufmerksam Zeile für Zeile lesen:  „wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten …. übergeben, ins Gefängnis werfen... Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben… manche von euch wird man töten… Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.  Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“

 

Nachdem Asia Bibi diese Wort gehört hat, wird sie sie zu beten beginnen: Herr, gib mir bei meiner Verteidigung die rechten Worte ein und mach dein Wort wahr, dass mir kein Haar gekrümmt wird. Und  wenn es sein muss, dass ich unschuldig zum Tod verurteilt werde, dann lass mich auf direktem Weg zum ewigen Leben mit dir gelangen.

 

Wir sehen also, dass es beim Lesen der Heiligen Schrift sehr darauf ankommt, aus welcher Perspektive wir an die heiligen Worte herangehen. Was für den einen zu negativ klingt und für den anderen  ein Gegenstand theoretischer Überlegungen ist, ist für die dritte Person Ursache einer ganz großen Hoffnung: Mitten in großer Not darf sie darauf vertrauen, dass der Herr ganz nah bei ihr ist, so nahe, dass er ihr in gefährlichen Momenten die  richtigen Worte ins Ohr flüstert. Und dass er ihr  trotz der drohenden Gefahr Hoffnung macht: Es wird dir kein Haar gekrümmt werden und selbst wenn sie dir das Leben nehmen, ich verlasse dich nicht.

 

Ich lade ein, beim Lesen der Hl. Schrift mit großem Respekt und großem Vertrauen vorzugehen.  Dann wird auch für uns immer das Richtige dabei sein.  

 

Pfarrer Christoph Haider

Allerheiligen 2016

Zu meinen Worten, die am Allheiligentag Nachmittag gesprochen werden, bin ich immer lange innerlich unterwegs. Lange denke ich darüber nach: Was brauchen die Menschen, die an diesem Tag an den Gräbern stehen? Es sollten Worte des Trostes, der Ermutigung und der Hoffnung sein. Und es sollen einfache Worte sein, ohne große Verpackung, ohne Überredungskunst. Auf dieser Suche nach dem rechten Trost fällt mir für euch nichts anderes ein als ein Name, eine Person: Jesus Christus. Die Hoffnung, die mit seinem Namen verbunden ist, heißt „von den Toten auferstehen“. Was an Jesus Christus als einzigem in der Menschheitsgeschichte geschehen ist, soll auch uns geschenkt werden. Wenn einmal unsere letzte Stunde schlägt, soll uns nicht der Tod zu sich holen, sondern dann soll Christus an unserer Seite stehen und zu uns sagen: Lieber Bruder, liebe Schwester, komm mit mir und teile mit mir das ewige Leben.

 

Wenn ich heute zu euch von dieser Hoffnung spreche, wird mir leider auch bewusst, dass es in unseren Tagen viele Angebote gibt, die nicht unbedingt von Christus kommen oder zu ihm hinführen. Oft suchen Menschen geistige Energie, spirituelle Kraft und Heil in alternativen Methoden. Es lässt sich beobachten: In dem Maß als die kirchlichen Sakramente an Bedeutung verlieren, kommen neue Rituale zum Vorschein. Der Mensch ist von Natur aus religiös und wenn der Platz in unserem Herzen, der seit unserer Taufe mit Jesus Christus belegt ist, frei wird, bleibt er nicht leer, sondern füllt sich mit anderem Inhalt.  Damit uns Jesus und seine große Hoffnung nicht entschwinden, möchte ich euch bitten: Verschreibt ihm heute wieder neu eure Seele. Lasst ihn in eurem Haus, in eurem Alltag und in euren Gedanken bei euch wohnen. Sagt öfters am Tag – mit Respekt und großem Glauben: Jesus, ich vertraue auf dich.

 

Noch etwas in Bezug auf ihn möchte ich euch ans Herz legen. Nach ältester christlicher Überlieferung und Überzeugung ist die Hoffnung auf Jesus mit dem Sonntag verbunden, den Tag, an dem er auferstanden ist. Aus diesem Grund feiern wir an jedem Sonntag  in unseren Gotteshäusern die heilige Eucharistie, die auch Sakrament der Unsterblichkeit genannt wird. In aller Freundlichkeit lade ich euch wieder einmal ein: Kommt und nehmt an unserer sonntäglichen Gemeinschaft teil.

 

 

Abschließend darf ich euch noch einmal den Namen sagen, der uns alle miteinander verbindet: Jesus Christus. Er ist in unserer Mitte als die Hoffnung auf Unsterblichkeit (Vgl. Kol 1,27).        

 

Pfarrer Christoph Haider

Jesus schockt

Predigt zu Lk 14,25-33

 

Mit zwei Aussagen schockt uns Jesus heute: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.“ „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“ Als Christen wollen wir doch seine Jünger sein. Aber die Latte, die er legt, ist so hoch, dass vielleicht Mutter Theresa diesem Ziel entsprochen hat, aber sicher nicht wir. Wo liegt die Herausforderung? Zwei ganz heikle Bereiche unseres Lebens spricht Jesus an, die so persönlich sind, das wir uns normalerweise von niemandem dort hinein reden lassen: Die Familie und der Besitz. Und genau davon sollen wir uns lösen, wenn wir seine Jünger sein wollen. Die Apostel haben das gemacht, auch Franziskus und in unserer Zeit Mutter Theresa. Aber kann Jesus das von einem gewöhnlichen Christen auch verlangen? Jesus scheint zwar im Mittelteil des Evangelium- Textes seine Position abzuschwächen. Er sagt dort sinngemäß: Wir sich auf die Jüngerschaft mit ihm einlässt, soll es sich vorher genau überlegen. Es ist wie beim Hausbauen: Begeistert darauf los zu bauen, ohne im Vorfeld abzuschätzen, ob die Mittel reichen werden, sei keine gute Sache. So soll man auch gut abwägen, ob die Kräfte reichen, wenn jemand ein Jünger Jesu sein möchte. Also sieht es doch so aus, dass die Aufforderung, die Familie, ja sein eigenes Ich in die zweite und dritte Reihe zurückzustellen und auf den ganzen Besitz zu verzichten, nur auf wenige Auserwählte zutreffen.  

 

Aber machen wir es uns nicht zu einfach. Die Worte Jesus sind zu kostbar, um sie nicht auf uns zu beziehen. Durch unsere Taufe sind wir alle in  gewisser Weise Jünger Jesu geworden. Die innere Haltung, die Jesus fordert, betrifft uns alle. Wenden wir uns zuerst dem Thema Familie zu. Es ist schön, eine Familie zu haben. Eine Familie ist ein Geschenk Gottes. Aber sie ist nicht Gott. Kein Familienmitglied soll vergöttert werden. Deshalb gebührt Gott der erste Platz. Am schönsten ist es natürlich, wenn die eigene Familie in dieselbe Richtung denkt. Wenn eine Familie gemeinsam Jesus den Vorrang gibt, dann fällt dem einzelnen Familienmitglied  die Jüngerschaft leichter.  Jesus nimmt nichts weg von dem was kostbar ist, im Gegenteil er gibt ganz viel, wenn wir ihm nachfolgen.

 

Aber wie sieht es mit dem Besitz aus? „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“ Vielleicht klingt das jetzt etwas provokant, aber ich denke, dass dieser Satz ein ganz wichtiger Schlüssel für das Glück im Leben ist. Nicht nur in Bezug auf Glauben spielt das Freisein von Besitz eine Rolle, auch im Leben allgemein. Wenn wir richtig glücklich sein wollen, richtig frei, müssen wir unser Besitzergreifen ablegen. Das betrifft nicht nur und nicht in erster Linie materielle Dinge. Es betrifft alles. Wie viele Menschen sind im Umgang mit ihren Angehörigen besitzergreifend. Es gibt dadurch so viel Unfreiheit, Eifersucht, Abhängigkeit...

 

 

Es gibt so viele Dinge, die gut und schön sind, wenn wir sie recht gebrauchen. Wir dürfen uns an ihnen freuen, uns aber nicht an ihnen wie an einem  Besitz festklammern. In dieser Woche hatten wir bei einer Werktagsmesse eine schöne Lesung, die in folgenden Satz gipfelte, sinngemäß: Alles gehört euch, ihr aber gehört Gott (vgl. 1 Kor 3,21-23). Also, ihr dürft euch an allem Guten und Schönen freuen. Ihr selbst aber gehört Gott. Klammert euch an ihm fest und nicht an den Dingen, die vergehen.                  

 

Pfarrer Christoph Haider

 

 

Fotonachweis: Fotolia © Robert Kneschke

Marias Lobpreis

Predigt zu Lk 1,39-56 zum Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel

 

 

Von Maria sind uns im Neuen Testament nur wenige Worte überliefert.

Ihr Dialog mit dem Engel!

Zwei Sätze bei der Hochzeit in Kana!

Hier die Worte bei ihrem Besuch bei Elisabeth!

Maria fasst ihre Worte in ein Gebet.

Es ist ein Lob-Gebet.

Maria preist den Heilsplan Gottes in ihrem Leben, im Volk Gottes und in der Menschheit.

Maria sieht die Spuren Gottes und ist voll Freude.

Marias Gebet ist ein Ausdruck ihrer Demut.

Demut bedeutet, die Wirklichkeit sehen wie sie ist, sie nicht verändern durch Selbstüberhebung oder Selbstunterschätzung.

 

In unserer Zeit und Gesellschaft begegnen wir relativ oft freudlosen Menschen.

Zwei Dinge fallen auf: Es gibt Menschen, die sich alles selber zuschreiben, die das Leben genießen, aber selten oder nie darüber nachdenken, wer sonst noch mitgewirkt hat, dass sie das sind und haben, was sie sind und haben.

 

Es gibt aber auch ganz viele Menschen, die nörgeln, kritisieren, die Enttäuschungen nie verarbeiten, die das Negative suchen, die blind sind für das Gute, Schöne und Wahre.

 

Mariä Himmelfahrt möchte uns zum demütigen Staunen hinführen: Was es in unserem Leben und im Leben der anderen für Wunder Gottes gibt. Dieses Staunen geht besonders gut im Dank- und Lob-Gebet, wenn wir Gott danken für die kleinen und manchmal auch größeren Wunder, die er mit uns und für uns bewirkt.

 

Ich erinnere mich an Ralf, den Tonmeister der Grammy-Gewinnerin Rebecca St. James. Die Sängerin mit ihrer Crew und Band war für ihr Konzert mit einem Nacht-Bus von Frankfurt nach Oberhofen gekommen. Beim Aussteigen aus dem Tour-Bus zeigte sich das Morgenrot über der imposanten „Hohen Munde“. Ralf hatte seinen Fuß gerade erst auf Tiroler Erde gesetzt und rief bei diesem Anblick spontan aus:  How great is our God!

 

Ein solch dankbares Staunen und Loben Gottes kommt einem aber nur dann spontan über die Lippen, wenn ein Mensch diese Haltung im Leben eingeübt hat.

 

 

Ein Nebeneffekt des dankbaren Lobens ist: Wir machen dadurch auch anderen das Leben leichter.

 

 

Pfarrer Christoph Haider 

Schnappschüsse aus Religionsheften -  Thema von Volksschülern selbst erfunden

Erstkommunion

Kinder haben oft einen besonderen Zugang zum Glauben. Sie können so gut staunen. Bei manchen Kindern scheint der Schleier hauchdünn zu sein, der zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt liegt.

 

Ein Kind gab heuer das Thema der Erstkommunionpredigt vor: "Warum hat Jesus die Erstkommunion erfunden?" Die Antwort des Predigers lautete: "Damit ihr Kinder dieselbe Erfahrung machen könnt wie die Apostel. Jesus schenkte seinen Aposteln die Möglichkeit einer tiefen Frendschaft mit ihm. Diese Jesusfreundschaft wird heute euch Kindern geschenkt..."

 

 

Ein gesegnetes Osterfest

Osterpredigt

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten. Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat…“ „Da erinnerten sie sich an seine Worte.“

 

Warum brauchte es den Anblick des leeren Grabes und die Aussage der beiden Männer in leuchtenden Gewändern, offenbar waren es Engel, dass sich die Anhängerinnen Jesu an seine Worte erinnerten? Ein Erklärungsversuch: Zum einen war es sicher der Schock, der über die Jünger Jesu gekommen war. Die Kreuzigung war etwas so Brutales, dass alle guten Erinnerungen an Jesus ausgelöscht waren. Es war einfach weg.  Zum anderen erging es Jesus wie allen Pädagogen, Predigern und Eltern: Die Schüler hatten Jesus gern, aber sie  waren nicht immer aufmerksam im Zuhören. Wir kennen das: Jemand spricht zu uns, wir hören ihn reden, aber wir nehmen seine Worte nicht auf. Jesus hatte so oft von seinem nahen Tod und seiner Auferstehung gesprochen, aber das war offenbar an seinen engsten Freunden vorüber gegangen. Sie hatten es gehört, aber nicht aufgenommen.

 

Am Ostertag kam die Erinnerung langsam wieder. Die Frauen und die Jünger fingen an, sich an alles wieder zu erinnern, was Jesus gesagt und getan hatte. Es war ein richtiges Aha-Erlebnis, das ihr ganzes zukünftiges Leben verwandeln sollte.

 

Beziehen wir das heute auf unser Leben. Zwei Versuchungen und zwei Wünsche, die mit Erinnerung zu tun haben, möchte ich aufzeigen. Die erste Versuchung ist, dass wir ein paar Mal im Jahr ein Glaubensfest feiern, dazwischen aber wieder vergessen, was wir da getan haben. Die entsprechende Versuchung ist, ein Oster- oder ein Weihnachtschrist zu sein und dazwischen wieder unterzutauchen.

 

Die zweite Versuchung ist, dass wir uns von Tagesgeschäften vereinnahmen lassen und gar nicht mehr daran denken, welche große Hoffnung der Glaube an Jesus für uns bedeutet. Vor lauter Kleinkram vergessen wir die große Hoffnung, die uns die Auferstehung Jesu eröffnet hat.

 

Jetzt die Wünsche: Das Osterfest soll unser Glaubensgedächtnis stärken. Wie ist das gemeint? Machen wir einen Rückgriff auf die Erfahrungen der Frauen und Jünger am Grab Jesu. Ihre Erinnerung an die Worte und Taten Jesu kam nicht durch einen Denkvorgang. Sie haben nicht so lange darüber nachgedacht, bis ihnen alles eingefallen ist. Es war ein Gottesgeschenk. Eine unmittelbare Begegnung zuerst mit den Spuren Jesu und dann mit dem auferstandenen Jesus selber. Das wünsche ich uns: Dass wir zu diesem Osterfest ihm selber begegnen, dass er uns seine Spuren zeigt, dass wir die Erfahrung machen: Jesus lebt, er lebt mit mir, er steht an meiner Seite. Diese Erfahrung soll uns dann alles in Erinnerung rufen, was Gott in unserem Leben schon getan hat.

 

 

Der zweite Wunsch. Dass der heutige Tag unser Zukunftsgedächtnis stärkt. Dass Ostern nicht das gleiche Schicksal erfährt wie die Schokoladeosterhasen oder die Ostereier. Sie kommen einmal im Jahr in die Regale, dann verschwinden sie wieder. Dieser Tag soll unser ganzes Leben prägen. Dass wir am nächsten und übernächsten Sonntag wieder miteinander Ostern feiern, dass wir ab heute anderes miteinander umgehen - so wie Menschen, die an den Sieg des Guten glauben und sich nicht unterkriegen lassen von negativen Gedanken. Dass die Freude in unserem Leben die Oberhand behält.    

 

Pfarrer Christoph Haider

"Für euch"

Mit einer persönlichen Erfahrung möchte ich heute die Predigt eröffnen. Als Priester feiere ich jeden Tag die heilige Messe, an den Sonn- und Feiertagen in der Regel dreimal. Unzählige Male bin ich in meinem Leben am Altar gestanden und habe die Wandlungsworte gesprochen, wie sie uns heute in der Lesung aus dem ersten Korintherbrief verkünden wurden: "Das ist mein Leib für euch". Nach katholischem Glauben sprechen wir Priester diese Worte „an Christi statt“, das heißt, der Herr selbst tritt in diesem Augenblick in Aktion und vollzieht, was wir Priester sagen. Mit einem gewissen Zittern kommen einem diese Worte über die Lippen, im Bewusstsein, dass hier Christus seine Lebenshingabe an uns erneuert. Sein Tod am Kreuz mit der ganzen Macht seiner Liebe lebt unter uns auf. Die Wandlungsworte sind also nicht nur das Herz einer jeden Messe, sie sind die kürzeste und eindrucksvollste  Zusammenfassung  der Gesinnung Jesu. Die Gesinnung Jesu,  sein Lebensmotto war das Schenken. Er hat nicht nur Gaben an die Menschen verteilt. Er verschenkte sich selbst – ohne etwas für sich zu behalten, seine Freiheit, sein letztes Gewand, sein Leben: „Das ist mein Leib für euch!“

 

Zurück zur Einleitung. Immer, wenn ich als Priester die Worte „für euch“ wiederhole, erschrecke ich und fühle mich herausgefordert. Die Frage an mich lautet: Für was und wen lebe ich eigentlich? Klammere ich mich an mir selber fest oder bin ich bereits in die Haltung  Jesu eingestiegen, ganz für andere dazu sein. Ich weiß aber auch, dass diese Worte nicht spurlos an mir vorübergegangen sind. Die Kraft der Messfeier liegt gerade in ihrer Wiederholung. Immer, wenn wir uns zur Messe versammeln, nimmt uns Jesus in seine Gesinnung hinein.

 

Die heilige Eucharistie hat im Laufe der Jahrhunderte viele schöne Namen erhalten, um ihr Geheimnis auszudrücken. Einer der schönsten Namen ist Sakrament der Liebe Gottes. In der heiligen Messe offenbart uns Gott sein tiefstes Wesen. Gott ist nicht der „Ich für mich“, er ist der „Ich für euch“. Wenn jemand zur Messe kommt und bereit ist, die Wandlung nicht nur am Altar geschehen zu lassen, sondern  auch in seinem Herzen, dann wird er wie von selbst hineingezogen in diese Bewegung. Die heilige Eucharistie ist das Sakrament der Herzerweiterung. Wer sich von Jesus in  der Messe berühren lässt, wird Stück für Stück vom Ich-Mensch zum Du-Mensch verwandelt. In der theologischen Fachsprache nennt man die Gesinnung Jesu, sein wahres Wesen, „Proexistenz“, also er existiert und lebt in einer Haltung des Füreinanders, der Fürsorge, der Hingabe. Dieses sein Wesen soll immer mehr unser Wesen werden. Dazu hat er uns in der Nacht vor seinem Tod die heilige Eucharistie geschenkt.

 

 

Pfarrer Christoph Haider 

Ein besonderes Schriftwort

Eines der schönsten Worte der Heiligen Schrift hörten wir an diesem 4. Fastensonntag in der heiligen Messe: "Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein." Lk 15,31

 

Jeder getaufte Christ, der in der Gnade Gottes lebt, darf dieses Wort auf sich und auf sein Verhältnis zu Gott beziehen. Gott hat uns wirklich alles geschenkt, vor allem hat er uns Jesus geschenkt, in dem die Fülle Gottes wohnt. Ein Grund zur Freude!

 

 

Pfarrer Christoph Haider

 

 

 

Gratulation

Als Pfarrer des Seelsorgeraumes Westliche Salzstraße ist es mir ein Anliegen, den heute gewählten Bürgermeistern Gottes Segen für ihre verantwortungsvolle Arbeit zu wünschen: Andreas Schmid in Pfaffenhofen, Brigitte Praxmarer in Flaurling und Peter Daum in Oberhofen. Als Pfarrgemeinden werden wir gern und kooperativ mit den gewählten Volksvertretern zusammenarbeiten.

 

Immer wieder werden wir - wie bisher schon - bei unseren Gottesdiensten um den Beistand Gottes für alle politisch Verantwortlichen beten, wozu uns der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an Timotheus auffordert: "Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben ... (1 Tim 2,1)"

 

Pfarrer Christoph Haider 

 

 

Foto (c) tai111 - Fotolia

Wo ist Platz für eine derartige Fülle?

Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis/C

 

Wenn die Hochzeit statt in Kana bei uns gewesen wäre, hätten wir ein logistisches Problem gehabt. Das Problem wäre die Unterbringung einer derartigen Menge Wein. Ich darf euch nochmals die entsprechenden Mengenangaben des Evangelisten Johannes vorlesen: „Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge ... jeder fasste ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.“

 

Es handelte sich um ungefähr sechshundert Liter edlen Wein. Wenn das bei uns geschehen wäre, hätten wir das Problem gehabt: Wo geben wir den Wein hin? Welches Hochzeitslokal hätte ausreichend Fässer oder Flaschen zur Verfügung, um den Wein einzufüllen. Und dann braucht es auch noch ausreichend Gäste, die den edlen Wein schätzen und wirklich verkosten. Es handelt sich also um eine nicht geringe Herausforderung, mit so viel Gottesgabe richtig umzugehen.

               

Zwei Folgerungen wollen wir daraus ziehen: Im Leben und Wirken Jesu gab es ab und zu eine Fülle an Gaben. Der Wein bei der Hochzeit war sicher ein Zeichen für den Anbruch der messianischen Zeit,  ein einmaliger Vorgeschmack auf das ewige Hochzeitsmahl im Himmel. Nicht immer tat Jesu solche Wunderzeichen. Doch sehr oft wirkte Jesus reichhaltig Gutes, besonders gegenüber jenen Menschen, die hilfsbedürftig waren. Übertragen wir diese Erfahrung auf uns: Als gläubige Christen dürfen wir annehmen, dass uns Gott grundsätzlich mehr schenken möchte als wir gewöhnlich denken. Das ist also die erste Folgerung aus der Erfahrung mit Jesus in Kana. Gott ist ein Gott der Fülle und er möchte, dass wir an dieser Fülle seiner Gaben teilhaben.

 

Jetzt kommt die zweite Folgerung. Wo geben wir Gottes Gaben hin, wenn er sie uns eines Tages wirklich schenkt? Der Apostel Paulus sagt heute im Korintherbrief: „Der Geist Gottes teilt jedem seine besondere Gabe zu.“ Gott ist ein Gott des Schenkens. Doch wo findet er Raum in uns für seine Gaben? Dazu ein schönes Bild des heiligen Augustinus, aufgegriffen von Papst Benedikt XVI. (Enzyklika Spe Salvi). Es eignet sich auch deshalb gut, weil hier das Bild vom Wein durch das Bild vom Honig ersetzt wird, was für nicht Weintrinker die Sache verständlicher macht:  „Der Mensch ist zum Großen geschaffen – für Gott selbst, für das Erfülltwerden von ihm. Aber sein Herz ist zu eng für das Große, das ihm zugedacht ist. Es muss geweitet werden. "Stell dir vor, Gott will dich mit Honig [Bild für die Zärtlichkeit Gottes und seine Güte] anfüllen. Wenn du aber ganz mit Essig angefüllt bist, wohin willst du den Honig tun?" Das Gefäß, d.h. das Herz, muss zuerst ausgeweitet und dann gereinigt werden: vom Essig und vom Essiggeschmack befreit werden. Das kostet Arbeit, das kostet Schmerz, aber nur so entsteht die Eignung für das, wozu wir bestimmt sind.“

 

Fassen wir zusammen: Gott hat viele gute Gaben für uns bereit, vermutlich mehr als wir erbitten oder uns ausdenken. Aber er braucht offene Gefäße, in die er seine Gaben füllen kann. Das ist unsere schöne Aufgabe, von Gott groß denken und zugleich unser Herz weiten, damit Gott uns beschenken kann.

 

Dazu noch ein kleiner Geheimtipp: Wenn wir mit Maria, der Mutter Jesu zusammenarbeiten, sind wir gut begleitet. Sie war die heimliche Vermittlerin als Jesus in Kana sein erstes großes Zeichen tat. Mit Maria als Fürsprecherin legte Jesus sogar einen seiner Grundsätze beiseite und tat ein Wunder, wo eigentlich noch keines vorgesehen war.   

 

        

Pfarrer Christoph Haider

 

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Ein gesegnetes Neues Jahr

Nach allen Erfahrungen des Jahres 2015 stellen wir uns als vernünftig denkende Menschen die Frage: Gibt es in dieser Welt noch einen sicheren Ort, wo wir geschützt sind? Als gläubiger Christ fällt mir dazu nur ein "Ort" ein: Wer ganz im Willen Gottes zuhause ist, der kann sich darin sicher fühlen. Wenn wir uns an Gott festhalten, wird er uns auch durch stürmische und unsichere Tage des Jahres 2016 tragen. Selbst wenn uns Unglück träfe, können wir mit gläubiger Gewissheit sagen: "Weder Tod noch Leben ... können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist." (Röm 8,38-39)

 

 

Ein gesegnetes Jahr 2016 

wünscht

Pfarrer Christoph Haider

 

Gesegnete Weihnachtstage

In einem Kinderweihnachtsspiel hat die heilige Maria zu Josef über den Kaiser in Rom gesagt: Der Kaiser ist ja auch nicht schwanger – der hat sozusagen leicht befehlen. Mit diesem trefflichen Satz hat die kleine heilige Maria uns Erwachsenen gezeigt, dass es manchmal gut sein kann, die Seite zu wechseln. Die Kaiser unserer Tage sollten sich manchmal in die Lage einfacher Frauen und Männer versetzen. Das wäre heilsam.  

 

Was wünsche ich uns und euch zum Weihnachtsfest? Die Gabe der Einfühlung! Ich sage es in biblischer Sprache: Dem Kaiser Augustus wünsche ich: Einmal im Leben sich im neunten Monat schwanger zu fühlen und dann kurz vor der Geburt des Kindes auf eine beschwerliche Reise von mehreren Tagen geschickt zu werden.  

 

Liebes Christkind Jesus, wir stellen uns die Frage: Warum hast du dir das alles angetan? Du warst als Gottessohn der einzige Mensch auf dieser Welt, der sich sein Schicksal selbst aussuchen hat können. Warum hast du von Anfang an ein solches Leben gewählt?

 

 

Ich meine, die Antwort herausgefunden zu haben: Dass du als Gott nicht nur alles weißt und beurteilen kannst. Du wolltest  es mit einem eigenen Menschenleib fühlen, was es bedeutet arm zu sein, flüchten zu müssen, abgewiesen zu werden, ja sogar am Ende eines gewaltsamen Todes zu sterben. Auf diese Weise bist du der glaubwürdigste Erlöser der Welt geworden. Du bist nicht nur der beste Lehrer der Welt, der sagt, wo es entlang geht. Du bist ein Mitfühlender geworden. Du bist, weil du als Gott nicht leidensfähig bist, aus Liebe zu uns ein Leidender geworden, um mit uns fühlen zu können. (Bernhard von Clairvaux: "Impassibilis est deus, sed non incompassibilis")      

 

 

Aus der Weihnachtspredigt von Pfarrer Christoph Haider

Weihnachten in Sicht

Predigt über Lk 1,39-45  

 

Die Begegnung Maria & Elisabet ist nach außen nichts Besonderes. Zwei schwangere Frauen, unterschiedliches Alter, keine Seltenheit. Eine ähnliche Begegnung könnte heute Nachmittag in unserem Dorf geschehen. Das Besondere liegt bei dieser Begegnung darin, dass Gott mit im Spiel ist und dass die beiden die Zeichen Gottes wahrnehmen und darauf reagieren.

 

Beginnen wir bei Maria: Sie hatte im Vorfeld ihres Besuches genau hingehört. Als der Engel zu ihr geredet hatte, war sie ganz aufmerksam gewesen: „Deine Verwandte bekommt ein Kind. Eigentlich ist sie schon über das gebärfähige  Alter hinaus. Aber Gott hat ihr eben noch dieses Glück geschenkt, Mutter zu werden.“ Und der Engel hatte hinzugefügt: „Sie ist schon im sechsten Monat schwanger.“

 

Mit dieser Information hat sich Maria auseinandergesetzt. Sie sieht es als dringend an, Elisabet zu besuchen und bei ihr zu sein. Das Mutterglück zu teilen. Sich auszutauschen.  Auch um zu helfen, Maria ist noch ganz jung, Elisabet nicht mehr ganz jung. Da könnte Maria ihr zu Diensten sein – sie bleibt ja dann auch bis zur Geburt des Johannes bei ihr. Aber vor allem: Maria will die Freude teilen. Ein ganz wichtiger Aspekt: Freude will sich mitteilen. Und als Grund dieser Freude spielt Gott eine wesentliche Rolle. Ohne Gott wären beide Frauen zu diesem Zeitpunkt nicht Mutter geworden.  Maria will sich mit Elisabet in ihrer Beziehung zu Gott austauschen: Wie wirkt Gott  in deinem Leben und in meinem Leben.

 

Halten wir kurz ein. Wie ist das bei den Christen heute? In welche Richtung laufen die Begegnungen jetzt im Advent?  Maria hatte es eilig, aber sie hat sich gleichzeitig Zeit genommen für eine Reise von ein paar Tagen und für einen Aufenthalt von drei Monaten.  Der Stress der Menschen heute ist anders, sie haben es eilig, nehmen sich aber eigentlich keine Zeit.  

 

Fahren wir bei Elisabet fort. Sie hatte keinen Engel zu Besuch gehabt. Maria hat ihr auch nichts über ihre wunderbare Mutterschaft erzählt. Elisabeth erfährt es trotzdem. Sie versteht es, die Zeichen Gottes zu deuten. Sie hört das Signal – vermittelt durch ihr hüpfendes Kind – und deutet es richtig: Gott hat meine Verwandte Maria zu mir geschickt. Und plötzlich – nachdem sie die Zeichen richtig gedeutet hat, schenkt ihr Gott die ganz große Einsicht: Maria ist mit noch Größerem beschenkt worden als sie selbst, Maria ist Mutter des Herrn. Warum konnten Elisabeth und Maria so gut miteinander kommunizieren? Sie waren beide schon lange innerlich unterwegs zu diesem Tag!

 

Wie ist das mit Christen heute? Können wir lange auf ein Ereignis innerlich zugehen? Verfolgen wir die Spuren Gottes, die er bisher mit uns gegangen ist? Haben wir einen Vorrat an Glauben, wenn uns eines Tages Gott begegnet? Nehmen wir an, Maria mit dem Gotteskind steht heute Nachmittag vor unserer Tür, sie läutet und grüßt. Hätten wir da schon so viele Erfahrungen im Leben mit Gott gemacht, dass wir ihn erkennen würden?

 

 

Wir sehen: Nazaret und das Bergland von Judäa sind gewissermaßen einmalig. Aber sie können sich in abgeschwächter Version auch bei uns ereignen. Es geht um die gläubige Innerlichkeit, Gottes Zeichensprache zu entziffern. So wie es Gedankenketten gibt, gibt es auch Glaubensketten.

 

Pfarrer Christoph Haider

Patrozinium St. Nikolaus

Predigt zu den Lesungen des 2. Adventsonntags

 

Begeben wir uns auf eine Zeitreise. Wir beginnen bei Johannes dem Täufer im Neuen Testament, besuchen kurz Bischof Nikolaus von Myra im vierten Jahrhundert nach Christus und machen dann einen großen Zeitsprung herauf in unsere Zeit, wo wir Papst Franziskus begegnen und uns vorstellen, wie er in zwei Tagen das Jahr der Barmherzigkeit mit der Öffnung der heiligen Pforte im Petersdom beginnen wird. Ein großes weitreichendes Vorhaben also. Aber keine Angst, die Predigt wird nicht ausufern. Denn trotz der riesigen Zeitspanne verbindet alle diese von uns besuchten Gottesmänner ein gemeinsames Anliegen. Sie alle sprechen vom Heil, das Gott schenken möchte. Gott hat Großes mit uns Menschen vor. Als Christen wissen wir bereits, dass dieses Große nicht nur irgendwelche Gaben sind, die Gott vom Himmel auf die Erde schickt. Seine Gabe an uns ist Gott selbst. Seine Gabe hat einen Namen und ein Gesicht: Es ist das Kind in der Krippe, dessen Geburt wir bald feiern werden, es ist der, der sich aus Liebe ans Kreuz schlagen hat lassen und derselbe, der auferstanden ist. In Jesus sind alle Gaben Gottes für uns eingeschlossen,  "all inclusive". Die innerste Mitte des Heils ist also das gottmenschliche Herz; nicht nur von oben herab oder von weit weg denkt Gott an uns. Dieses Herz schlägt mit uns und für uns im Rhythmus eines menschlichen Herzens. Deshalb sagt Papst Franziskus sinngemäß: Die innerste Mitte des Evangeliums ist die Barmherzigkeit Gottes.

 

Gott sucht uns Menschen, er geht uns Menschen nach, er macht sich dabei verletzlich, ja er setzt sich der Todesgefahr aus. Er gibt alles für uns. An dieser Stelle machen wir kurz in Myra Halt. Was machte Bischof Nikolaus so besonders? Nikolaus war ein wunderbares Beispiel der schenkenden Liebe Gottes. Er ist der Mann mit dem schenkenden Herzen. Nikolaus hat uns gezeigt, wieviel Gutes in einem Menschen Platz hat, wenn er sich für Gott öffnet. Aus einem reich Beschenkten wurde ein reichlich Schenkender.

 

Kehren wir ins Neue Testament zurück und bei Johannes dem Täufer ein: Johannes ging davon aus, dass das Heil Gottes sehr nahe ist. Gott steht schon vor der Tür. Aber, um das Heil Gottes anzunehmen, muss das Herz des Menschen barrierefrei werden. Das ist der springende Punkt. Es ist wie beim Bau einer Straße. Da müssen Hügel abgetragen und Täler aufgefüllt werden. Das ist unsere Arbeit oder sagen wir besser unser Beitrag: Gott einen Weg bereiten, auf dem er zu uns kommen und uns beschenken kann. Das klingt recht einfach. Aber warum machen das dann so wenig Menschen? Warum lassen sich so wenig Menschen von Gott beschenken? Ein Grund dürfte sein, dass wir Christen in der westlichen Welt so sehr gewohnt sind, alles irgendwie selber zu machen oder uns selber zuzuschreiben. Wir verwechseln so leicht Barmherzigkeit mit Selbstgerechtigkeit. Anstatt Gott zu erlauben, komm und räume in mir auf, sagen wir schnell, bei mir gibt es gar nichts aufzuräumen. Die Männer Gottes, die wir heute besucht haben, getrauten sich – auch öffentlich – zu sagen: Herr, ich bin ein Sünder. Aber du bist ein zärtlicher und barmherziger Gott. Komm und räume in mir auf. Papst Franziskus gab vor ein paar Tagen zu, er fühle sich als Sünder. Aber er lasse sich alle zwei bis drei Wochen im Beichtsakrament Gottes Barmherzigkeit schenken.

 

Der Advent ist die Zeit, um Hügel abzutragen und Täler aufzufüllen, die zwischen Gott und uns sind. Die Zeit, Gott in unserem Herzen aufräumen zu lassen und uns vom ihm das Heil schenken zu lassen, das Jesus ist.   

 

 

Pfarrer Christoph Haider

Nachdenkliches zum 33. Sonntag im Jahreskreis

Diese Zeichnung stammt aus dem Religionsheft eines siebenjährigen Kindes. Die Aufgabe bestand darin, zu folgendem Thema eine Zeichnung zu machen: "So stelle ich mir den Himmel vor."

 

„Seine Wiederkunft hat er uns verheimlicht, damit wir wachsam

bleiben und jeder meint, dass es zu seiner Zeit geschieht.

 

Hl. Ephräm 


Papstaudienz

Pfarrer Christoph Haider wirkt seit einigen Jahren neben seiner Pfarrarbeit als Programmdirektor von Radio Maria Südtirol.

 

Anlässlich des sechsten Weltkongresses der Weltfamilie von Radio Maria in Collevalenza waren alle Programmdirektoren und Präsidenten aus über 70 Ländern in der Sala Clementina im Vatican zu einer Privataudienz mit Papst Franziskus geladen. Der Hl. Vater sprach ermutigende Worte an die Teilnehmer und bezeichnete die Aufgabe von Radio Maria als ein Hoffnungbringen in unsere Zeit.

Im Foto zu sehen: Pfarrer Christoph und Papst Franziskus am 29.10.2015 um 12.30 beim Händeschütteln. 

 

Foto (c)L'Osservatore Romano. 

 

Papst Franziskus während seiner Ansprache an die Kongressteilnehmer der Weltfamilie von Radio Maria.    Foto(c) Christoph Haider
Papst Franziskus während seiner Ansprache an die Kongressteilnehmer der Weltfamilie von Radio Maria. Foto(c) Christoph Haider

Die Bischofssynode im Gebet begleiten

"Jesus, Maria und Josef,

in euch betrachten wir den Glanz der wahren Liebe,

an euch wenden wir uns voll Vertrauen.

 

Heilige Familie von Nazareth,

mache auch unsere Familien zu Orten der Gemeinschaft und Räumen des Gebetes, zu echten Schulen des Evangeliums und kleinen Hauskirchen.

 

Heilige Familie von Nazareth,

nie mehr gebe es in unseren Familien Gewalt, Verschlossenheit und Spaltung:

Wer Verletzung erfahren oder Anstoß nehmen musste, finde bald Trost und Heilung.

 

Heilige Familie von Nazareth, möge die Bischofssynode

in allen wieder das Bewusstsein erwecken

für die Heiligkeit und Unantastbarkeit der Familie,

für ihre Schönheit im Plan Gottes.

 

Jesus, Maria und Josef, hört und erhört unser Flehen!"


Papst Franziskus  


Foto © Robert Kneschke_Fotolia

Dankbar für das Wasser

Predigt zum Erntedank in Oberhofen - Sonntag, 20. September 


Heute muss ich die Predigt mit einem Lob beginnen. Das Bezirkserntedankfest am letzten Sonntag war ein sehr schönes Ereignis. Was die Landjugend des Bezirkes auf die Beine gestellt hat war beeindruckend. Wir haben zwar gerade gehört, dass wir als Christen uns nicht die Frage stellen sollen, wer ist unter uns der Größte und Beste. Trotzdem möchte ich sagen, dass mir bei diesem Fest  die Beiträge und Wagen der Oberhofer Jugendlichen ganz besonders gefallen haben. Ihr habt euch wirklich sehr viel Gedanken gemacht, was ihr zu Ehren der Ernte darstellen sollt. Mein Eindruck ist, ihr wolltet unter den 50 Ortsgruppen des Bezirkes etwas Besonderes vorführen, aber nicht deshalb, dass ihr die Größten unter allen seid, sondern ihr habt einfach eine große Freude an der gemeinsamen Arbeit entwickelt. Es hat euch als Gemeinschaft gut getan, Ideen zu entwickeln und umzusetzen.  Bravo, es ist etwas Schönes und sehr Sinnvolles daraus geworden. Einen Wagen schauen wir uns heute noch einmal genauer an: Der Brunnen mit dem fließenden Wasser.


Zur Ernte gehört das Wasser ganz wesentlich dazu.  Stellen wir uns einmal vor, es hätte seit dem Frühling nie mehr geregnet. Es gibt solche Gegenden der Welt, wo es nur eine Woche im Jahr Regen gibt und wehe, wenn dieser einmal ausbleibt. Wie gesegnet ist unser Land mit Wasser. Die Bäche fließen ununterbrochen, die Wasserspeicher sind voll, in jedem Haus sind eine Reihe von Wasserhähnen, in der Küche, im Bad, im Garten. Das Tiroler Wasser können wir ohne Filter trinken, so wie es aus dem Hahn fließt. Es gibt in Tirol ca. 1,5 Milliarden Kubikmeter Wasser. Regenwassertropfen verbringen oft  bis zu 20 Jahre im Gestein, bis sie in Quellen wieder zutage dringen. Die niedrige Temperatur im Gestein und die wertvollen Mineralien bereichern die Qualität des Wassers. 10.000 Quellen sind in unserem Heimatland bekannt. 


Liebe Landjugend. Danken hat auch mit denken zu tun. Wer nachdenkt wird dankbar. Er sieht, dass im Leben nicht alles selbstverständlich, sondern vieles Geschenk ist. Euer Erntedankwagen mit dem Brunnen und dem fließenden Wasser regt noch in einer anderen Weise zum Nachdenken an. Ihr habt auf eurem Wagen mit technischer Hilfe aus einem relativ kleinen Behälter den Brunnen mit Wasser versorgt und zum andauernden Fließen gebracht. Das war sehr geschickt gemacht. Aber euch war natürlich klar, dass das nur ein Symbol sein kann für die Natur, die uns ununterbrochen neue Gaben schenkt. Wisst ihr, was ich mir dabei gedacht habe: Viele Menschen leben so, als wären sie ihr ganzes Leben lang auf einem voll beladenen Erntewagen. Sie genießen die guten Lebensmittel, sie drehen zuhause den Hahn auf, sie feiern Feste, sie gehen arbeiten und haben Freizeit, sie lassen es manchmal richtig krachen. Aber sie denken nicht darüber nach, woher das alles kommt. Warum mache ich das alles und wohin führt mich das alles? Es ist wie wenn sie sich einfach vom gesellschaftlichen Karren ziehen lassen. Es ist ja dauernd etwas los und der Wagen läuft, das Wasser fließt. Aber Moment Mal: Woher kommt das Essen auf dem Tisch und warum feiern wir heute eigentlich ein Fest  und wozu gehe ich am nächsten Freitag/Samstagabend aus? Warum lebe ich eigentlich und was ist der Sinn meines Lebens?  Liebe Jugendliche, ihr habt uns mit eurem Wagen zum Nachdenken gebracht. Der Mensch braucht nicht nur Essen und Trinken, Arbeit und Spaß. Er braucht auch eine Quelle, die sein Herz erfüllt. Nach einem leckeren Essen oder nach einem coolen Fest sind wir nicht automatisch glücklicher als zuvor. Am glücklichsten sind wir, wenn wir die Quelle von allem Guten und Schönen entdecken und daraus trinken dürfen: Diese Quelle heißt Gott und vom ihm stammen weitere gute Quellen ab: die Familie, gute Freunde, eine schöne Gemeinschaft. Heute denken wir einfach einmal darüber nach, woher das Gute kommt.       

Pfarrer Christoph Haider

Ein Highlight des Jahres - Bezirkserntedank

Predigt beim Bezirkserntedankfest in Flaurling

 

Heuer im Sommer löste eine unauffällige Zeitung ein Aha-Erlebnis aus. Die Raiffeisen-Zeitung kommt seit Jahren ins Haus, aber nicht immer erweckt sie mein großes Interesse. Diesmal bewirkte ein Artikel, besser gesagt eine Grafik ein besonderes Leseerlebnis. Die Grafik bezieht sich auf den großen Niederschlagsmangel in weiten Teilen Österreichs. Die Farben gelb/orange/rot/violett zeigen die Gebiete mit der größten Trockenheit. Tirol hebt sich in der Grafik ab, am meisten Grünanteil österreichweit ist in Tirol zu finden. Noch etwas, innerhalb Tirols sticht der Bezirk Innsbruck-Land noch einmal hervor, es ist die einzige durchgehend grüne Zone. Das bedeutet: Heuer war ein Hochsommer wie kaum zuvor und zugleich gab es ausreichend Niederschlag. Das hat sich mehr oder weniger bei der Ernte gezeigt. In welch schönem Land leben wir eigentlich! Sicher es gab Katastrophen, Sellrain steht uns noch lebendig vor Augen. Aber im Großen und Ganzen werden die Gemeinden unseres Bezirkes alle sagen: Wir leben in einem der schönsten Länder der Welt. Leute in meinem Alter, aus meiner Generation, haben noch nie im Leben ein Jahr ohne Ernte erlebt. Ja, es hat sich eingebürgert, dass wir Jahr für Jahr in den örtlichen Vereinen lange im Voraus den Termin für das Erntedankfest festgelegen; da fügt keiner vorsichtig hinzu, wenn es heuer eine Ernte gibt, so selbstverständlich rechnet jeder damit, dass es so sein wird. Wir drehen täglich den Wasserhahn auf, wir können ihn versehentlich einmal rinnen lassen, das Wasser geht nie aus. Wir atmen die Tiroler Landluft ein, sie erneuert sich durch das viele Grün in den Wäldern, wir schauen auf zu den Bergen, sie zeigen sich gerade von ihrer schönsten Seite,… wir leben in einem bevorzugten Winkel der Welt. Tirol ist kein Paradies, es gibt kein sorgenfreies Dasein, aber da ist so vieles, was in dieser Dichte woanders kaum zu finden ist!

 

Wie sollen wir mit diesem Schatz umgehen? Üben wir uns ein in die andauernde Haltung der Dankbarkeit! Wie schön wäre es, wenn wir in unserem Bezirk zu den dankbarsten Menschen der Weltgemeinschaft gehören. Als Beispiel von Dankbarkeit fallen mir jetzt ein paar Menschen ein, denen ich begegnen durfte: Ein schwerkranker Dauerpatient in der Klinik, der sich immer für alles bedankt und betont wie es ihm im Vergleich zu anderen gut geht. Er sagt: allein die Tatsache leben zu dürfen ist etwas Schönes. Oder die Aussage eurer Bezirksleiterin Marilena, mit der sie sich auf der Facebook-Seite der Landjugend Flaurling eingetragen hat: Sie ist dankbar, in einer liebevollen Familie aufgewachsen zu sein, einen Beruf auszuüben, der einem Freude macht, gute Freunde zu haben und in einem Land ohne Krieg leben zu dürfen.

 

Die Dankbarkeit als Lebenshaltung wird uns auch kreativ machen. Keiner, der heute Erntedank feiert, wird sagen, das alles ist nur für mich allein. Miteinander werden wir Wege finden, die Schätze der Natur und die Erträge unserer Arbeit mit anderen zu teilen. Das beziehe ich bewusst auch auf die Flüchtlingsfrage. Das Schlimmste wäre, wenn sich jetzt Menschen politisch profilieren wollen, um aus dem Flüchtlingsdrama persönliche Aufmerksamkeit zu erheischen. Der Einsatz für Notleidende in unserer Heimat muss unter dem Zeichen der Dankbarkeit stehen.       

 

Die Tugend der Dankbarkeit kommt nicht von selbst. Wir begegnen auch Menschen, die alles sich selbst zuschreiben, die denken und sagen, ich hab mir das alles selber erarbeitet, das ist ausschließlich meine Leistung. Um demütig und dankbar zu sein, braucht es Spiritualität. Dankbarkeit ohne Gottesbezug ist schwer denkbar. Erst wenn wir hinter allem die Schöpferhand Gottes sehen, wird unsere Dankbarkeit umfassend. Wer sich selber als Geschöpf Gottes sieht, betrachtet sich nie als Herr des Lebens, immer weiß er, alles ist Gabe, wie der heilige Paulus einmal sagt: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest“ (1Kor 4,7). 

 

Um diesen Bezug zum Schöpfer nie abreißen zu lassen, möchte ich euch heute zum Erntedank eine Empfehlung geben. Es ist die Einladung, das Tischgebet wieder neu zu entdecken. Papst Franziskus widmet diesem einen eigenen Absatz in seinem Schreiben Laudato Si: „Ein Ausdruck dieser Haltung ist, vor und nach den Mahlzeiten innezuhalten, um Gott Dank zu sagen. Ich schlage den Gläubigen vor, diese wertvolle Gewohnheit wieder aufzunehmen und sie mit Innigkeit zu leben. Dieser Moment des Segensspruchs erinnert uns, selbst wenn er ganz kurz ist, an unsere Abhängigkeit von Gott für unser Leben, unterstützt unser Empfinden der Dankbarkeit für die Gaben der Schöpfung, erkennt jene an, die mit ihrer Arbeit diese Güter besorgen, und stärkt die Solidarität mit denen, die am meisten bedürftig sind“ (LS 227).


Dazu darf ich abschließend von einem Erlebnis berichten: Am Ende des Sommers war ich mit Jugendlichen abends einen Burger essen. Bewusst wollte ich den Jugendlichen nicht vorgeben, ihr müsst jetzt beten – nur weil ein Pfarrer dabei ist. Einmal sehen, was sie selber tun. Als der eine zu essen anfing, sagte der andere, etwas ältere Jugendliche: „Und was ist mit beten?“ Ohne mich als Pfarrer anzusprechen, dass ich mich darum kümmern soll, fing der junge Mann selber an zu beten, mit freien Worten. Er bezog alles ein, die Dankbarkeit für die Gaben, die Gemeinschaft untereinander und auch die Tischnachbarn im Lokal. Danach meinte einer der Jüngeren: Du hast immer die coolsten Tischgebete. Als Priester war ich an diesem Abend stolz auf solche Jugendliche: Ein junger Mensch hatte sich aus Eigeninitiative an den Schöpfer gewandt. Auf diese Art und Weise ist Erntedank keine Eintagsfliege, sondern Dauerzustand.

 

Pfarrer Christoph Haider 

Aufnahme Mariens in den Himmel

Mariä Himmelfahrt ist der volkstümliche Name des heutigen Festes. Aufnahme Mariens in den Himmel ist der kirchlich-liturgische Name. Die offizielle Bezeichnung ist sprachlich präziser. Maria ist nicht in einer Art Raumfahrt an einen weit entfernten kosmischen Platz übersiedelt. Aufnahme in den Himmel bedeutet: Maria wurde nach Ablauf ihres Erdenlebens mit allem was sie ausmacht in die göttliche Wirklichkeit aufgenommen. Marias himmlische Wohnung ist die  vollendete Lebensgemeinschaft mit Gott. Gott aber ist der, der das All im Innersten zusammenhält. Deshalb nimmt Maria durch ihre Aufnahme in Gott auch am Machtbereich Gottes teil. Das biblische Buch der Offenbarung des Johannes spricht zu uns von einer Frau, die im Glanz der Sonne strahlt. Ein schönes Bild für Maria: Sie ist jetzt ganz vom Lichtglanz Gottes umgeben. Maria, in den Himmel aufgenommen, hat teil an dem Licht, das sich von  Gott her über alle Lebewesen ausbreitet, die unter der Sonne sind.    

 

Als Maria auf dieser Welt lebte, war ihr Radius sehr begrenzt. Nur wenige Menschen lernten sie insgesamt kennen. An nur wenigen Orten hielt sie sich auf, im kleinen Land Israel, später vielleicht in Ephesus. Jetzt aber ist Maria durch Gottes mächtiges Wirken eine Frau von Welt geworden. Weil sie ganz bei Gott ist, kann sie auch seinen Geschöpfen ganz nahe sein.

 

Damit vermittelt uns dieser Festtag, wie nahe Maria uns allen ist. In den vergangenen Tagen haben wir spürbar erlebt, wie die Sonne mit ihren kraftvollen Strahlen überall hinreicht. Bis in die hintersten Zimmer hinein hat die Sonne uns aufgesucht. Ähnlich ist es mit Maria, der Frau mit der Sonne umkleidet. Sie teilt die Freuden und Sorgen der Menschen bis in die äußersten Bereiche hinein. Durch Gottes Macht kann sie den Kranken Trost spenden, Menschen zum Frieden motivieren, den Flüchtlingen Hoffnung geben und den Sterbenden Begleiterin sein. Maria, himmlische Mutter, du bist uns ganz nahe, deshalb vertrauen wir uns gerne dir an.       


Pfarrer Christoph Haider

Sommergedanken

Die Ferienzeit ist wie keine andere Zeit im Jahr geeignet, den Menschen aus dem Zwang und der Notwendigkeit heraus zu nehmen, und ihn zu sich selbst zu führen. Voraussetzung ist, dass der Mensch nicht auch noch im Urlaub sich einem selbstgemachten Leistungs- und Erlebnisstress aussetzt. Urlaub und Ferien können besonders dann zur Wohltat werden, wenn sie auch der seelischen Erneuerung dienen. Solche Gedanken hege ich derzeit im Herzen, wenn ich an die vielen aus unserer Mitte denke, die zur Zeit  im Urlaub sind.  Ich wünsche ihnen, dass sie nicht nur viel Geld verbrauchen, ferne Länder erkunden, ihre Haut bräunen, mit ihrer Digitalkamera schöne Aufnahmen machen, sondern jenen Schatz entdecken, den uns  Jesus in einem der schönsten Gleichnisse der Bibel vorstellt:


"Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß und kaufte sie." (Mt 13,44-46)


Pfarrer Christoph Haider

Kommt mit ... und ruht ein wenig aus

Predigt zu Mk 6,30-34


Kurz vor dem Burn-out  schickt Jesus seine Jünger auf Tauchstation. Er gönnt ihnen eine Auszeit zur Erholung. Wichtig ist die Distanz zum stressigen Alltag. Psychotherapeuten bestätigen die Therapie Jesu: Wer vor dem Burnout steht, darf lernen, sich nicht unabkömmlich zu fühlen. Es muss auch ohne mich gehen – wenigstens für eine gewisse Zeit.

 

Kaum sind Jesus und die Jünger mit dem Boot in Kurzurlaub gefahren, laufen ihnen die Leute nach. Obwohl es damals noch keine modernen Kommunikationsmittel gab, waren die Leute schnell informiert und ließen Jesus keine Zeit zum Entspannen. Die Arbeit ging mit Jesus und den Jüngern mit. Auch am Urlaubsort holten sie die Menschen ein. Doch was tut Jesus jetzt – Handy ausschalten und sich verleugnen lassen? Nein! Er  steigt kurzfristig aus dem Familienurlaub mit den Jüngern aus und nimmt sich Zeit für die Sorgen der Menschen. Er sieht, dass so viele Leute ohne Hirten sind. Deshalb speist er sie nicht rasch ab. Er nimmt sich lange Zeit für sie durch seine guten Worte.

 

Wenden wir diese Jesus- und Jüngererfahrungen auf uns an. Stress in Richtung Burnout am Arbeitsplatz, auch am kirchlichen, ist nicht gut. Jesus will uns Ruhezeiten und Ruheräume schenken. Das ist ein Grund, warum wir uns heute hier treffen. Es geht darum,  bei Gott und mit Gott zur Ruhe zu kommen. Das ist auch der segensreiche Hintergrund des Sonntagsgebotes: „Kommt mit … ruht euch ein wenig aus.“

 

Noch mehr Mitleid als mit gestressten Menschen hat Jesus mit Leuten, die keine Orientierung mehr haben. Orientierungslosigkeit ist noch gefährlich als Stress. Deshalb gibt  Jesus Abhilfe durch seine Lehre. Das ist der zweite Grund, warum wir uns im Gotteshaus versammeln. Wir lassen uns von der Botschaft des Evangeliums leiten. Sie will uns Sinn geben.

 

Papst Franziskus schreibt in seiner Umweltenzyklika Laudato si´ mit sehr schönen Worten darüber, wie gerade die christliche Feier des Sonntags heilende Ruhe und Sinn für unser Tun schenkt: „Am Sonntag hat die Teilnahme an der Eucharistie eine besondere Bedeutung. Dieser Tag wird wie der jüdische Sabbat als ein Tag der Heilung der Beziehungen des Menschen zu Gott, zu sich selbst, zu den anderen und zur Welt gewährt … Wir sind berufen, in unser Handeln eine Dimension der Empfänglichkeit und der Unentgeltlichkeit einzubeziehen, die etwas anderes ist als ein bloßes Nichtstun … So strahlt der Tag der Ruhe, dessen Mittelpunkt die Eucharistie ist, sein Licht über die ganze Woche aus und motiviert uns, uns die Sorge für die Natur und die Armen zu Eigen zu machen.“    



Pfarrer Christoph Haider

Herz Jesu

Jedes dritte Jahr hören wir am Herz-Jesu-Fest eine Hinrichtungsgeschichte. Sie klingt brutal und abstoßend. Nachdem den beiden Straftätern die Knochen zerbrochen worden sind, wird dem toten Jesus das Herz mit einer Lanze aufgerissen. Es strömen Blut und Wasser hervor. Der Evangelist Johannes betont am Ende seines Augenzeugenberichts, dass gerade ein großer Augenblick für die Menschheit stattgefunden hat. Was nach außen schrecklich und sinnlos anmutet, ist in Wirklichkeit die Erfüllung einer alten Prophetie: „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.“

 

Nach christlicher Überzeugung war die Liebe Gottes der treibende Motor hinter dem Geschehen. Versuchen wir es mit ganz einfachen Worten verständlich zu machen. Der Egoist sagt: Es ist mir egal, was mit euch geschieht, Hauptsache ich komme gut davon.  Jesus, der Mann mit der höchsten Liebe sagt: Es ist mir egal, was mit mir geschieht, Hauptsache ihr kommt gut davon. Jesus schonte sein Leben nicht, um uns den Zugang zum Leben zu öffnen. Jesus nahm den Tod auf sich, damit wir im Tod nicht untergehen. Das geöffnet Herz, aus dem Blut und Wasser auf die Erde fließt, ist die größte Segensquelle dieser Erde.

 

Das ist aber kein automatisches Geschehen. Der Segen aus dem Herz-Jesu kann nur von Herz zu Herz empfangen werden. Wir dürfen den Segen erbitten und mit Vertrauen erwarten, aber es kommt auch ganz auf unsere Bereitschaft an. Unsere Treue zu Gott wird der gute Boden sein, auf dem alle Segnungen von ihm gedeihen können.


Pfarrer Christoph Haider 

Fronleichnam

Es ist vielleicht 15 Jahre her. Wir feierten mit der Mädchenschule im Pfaffenhofer Kloster eine Schülermesse. Wie es ihnen gefallen habe, wollte jemand nachher wissen. Ganz gut, meinten Schülerinnen. Außer das lange Gebet des Pfarrers zwischendrin – das hätte er sich sparen können. Eine interessante Bemerkung, gemeint waren nicht irgendwelche langen Spezialgebete, sondern das sog. Hochgebet mit der heiligen Wandlung als Mitte. Ich war froh über die ehrliche Meinungsäußerung der Schülerinnen.

Das sog. Hochgebet mit der heiligen Wandlung wirkt in der Tat etwas abgehoben und klingt formelhaft. Deshalb heute eine kleine Hinführung. Schon rein äußerlich handelt es sich bei diesem Herzstück der Messe um eine beachtliche Sache. Über 400 000 Priester gibt es weltweit. Sie alle vollziehen mit ihren jeweiligen Gemeinden dasselbe spirituelle Geheimnis mit denselben Gebetsworten.  Während wir hier feiern sprechen auch an vielen anderen Orten Priester dieselben Gebete. Unzählige Gläubige nehmen daran teil und lassen sich in die Gebetsgemeinschaft hineinziehen. Nicht nur synchron, auch diachron, also quer durch die Jahrhunderte, stehen diese Gebetsworte mächtig im Raum. Petrus und Paulus haben nicht viel anders gebetet als Papst Franziskus oder Bischof Scheuer heute. Die spirituelle Kraft der Messgebete geht über jedes anlassbezogene private Beten eines Priesters hinaus, im Hochgebet lebt der Geist einer weltweiten Gemeinschaft und der Atem der Jahrhunderte.

 

Der Kern des Hochgebets setzt noch tiefer an. Jeder Priester weiß, dass er beim wichtigsten Vollzug seines Priesterberufes, der Messe, nur Assistent, nicht der Handelnde selber ist. Die Wandlungsworte, das ist mein Leib für euch, mein Blut für euch … schaffen eine Realität, die wir uns nicht selber machen. Wenn ein Priester ein zweiter Johann Wolfgang von Goethe wäre oder singen könnte wie Andrea Bocelli, würden seine Arrangements die Kraft der Wandlungsworte doch niemals überbieten. Durch die schlichten Worte der Wandlung spricht der zu uns, der durch sein Wort Kranke geheilt und Tote auferweckt hat. In der Gabe der heiligen Eucharistie begegnet uns der, der sein Leben aus freien Stücken hingegeben hat – zum Heil der Welt. In der heiligen Hostie wirkt die spirituelle Kraft, mit der Jesus seinen toten Leib aus dem Grab auferweckt hat.

 

In einer Gesellschaft, die das Äußerliche überbetont, ist dieser Glaube an eine unsichtbare Macht eine Herausforderung. Unterhaltsamer sind sicher andere Feiern als die Feier der Messe und einer Prozession. Aber wir glauben, dass es nirgends eine so dichte Art der Gegenwart Gottes gibt wie hier. Jesus Christus lebt mit uns, er geht mit uns. Und auf alle, die sich ihm öffnen, verströmt er seinen Segen.     


Pfarrer Christoph Haider

Dreifaltigkeitssonntag

Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag 2015

 

Wer ist Gott? Wie ist Gott? Diese Frage kann niemand beantworten – außer Gott selber. Wenn es nur einen Gott gibt, kann niemand anderer als er selber sagen, wer und wie er ist. Wenn wir Menschen über das Wesen Mensch reden ist unsere Rede von eigenen Erfahrungen geprägt. Jeder von uns ist selber Mensch und kann daher Richtiges über das Menschsein im Allgemeinen und im Speziellen sagen. Aufgrund unserer menschlichen Vernunft können wir auch relativ genaue Aussagen über die uns umgebende Welt im Großen und im Kleinen machen, soweit wir sie mit unseren Mitteln wahrnehmen. Wenn wir Menschen aber über Gott reden wollen, fehlt uns der Vergleichswert. Niemand kann sagen, dass er ein ebenbürtiges Wissen oder auch nur eine Ahnung hat, wer und wie Gott ist. Wer mit menschlichen Versuchen Gott beschreiben will, scheitert am Geheimnis Gottes.

 

Dass wir Christen trotzdem über Gott reden und sogar Gott ganz bestimmte Eigenschaften zuschreiben, hat nicht mit unserer eigenen Erkenntnis zu tun. Es war vielmehr Gott selber, der über sich zu sprechen anfing. Das ganze Alte Testament war eine erste Selbstmitteilung Gottes für die Menschen. Es blieb aber immer noch sehr unbestimmt. Weil Gott Gott ist, konnten die Menschen ihn nur indirekt erfahren, manchmal durch Feuer und Donner, wie bei Mose am Berg Sinai, dann wieder in aller Stille, wie beim Propheten Elija.

 

Die Möglichkeit, etwas Ebenbürtiges über Gott zu erfahren, veränderte sich total, als Jesus auf dieser Erde lebte. Jesus hatte nicht nur einen heißen Draht zu Gott. Jesus ist der eine und einzige Mensch, der von sich sagen kann: Wer mich sieht, sieht (Gott) den Vater, ich und der (Gott)-Vater sind eins. Darf ich noch einmal an den Anfang der Predigt zurückkehren: Niemand kann sagen wer Gott ist außer Gott selber. Genau dieses „außer“ trifft auf Jesus zu. Wenn er über Gott spricht, spricht er aus eigener Kenntnis und Erfahrung. Das Einmalige an Jesus aber ist, dass er als Gottmensch nicht nur Gott von Innen kennt, er kennt auch uns Menschen von Innen. Deshalb teilte er uns in unserer menschlichen Art und Sprache Gültiges über Gott mit.   

 

Alles, was wir Christen über Gott sagen, setzt also Jesus voraus. Ohne Jesus wüssten wir wenig von Gott. Oder Gott bliebe eine weit entfernte, einsame Realität. Durch Jesus aber wissen wir z.B. dass Gott nur Einer und doch Gemeinschaft ist. Durch Jesus haben wir erfahren, dass diese Gemeinschaft in Gott so überfließend ist, dass auch wir Geschöpfe daran teilhaben dürfen. Der Auftrag Jesu „geht zu allen Völkern… tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, den uns der Evangelist Matthäus überliefert hat, bestätigt, dass Gott uns Menschen aufnehmen möchte in seine Gemeinschaft: In der Taufe dürfen wir eintauchen in Gottes eigenes Leben. Durch Jesus  haben wir Menschen teil an seiner göttlichen Natur. Ich erinnere an den Moment der Messe, wo bei der Gabenbereitung der kleine Tropfen Wasser sich mit dem Schluck Wein im Kelch verbindet. Dort betet der Priester: „… solasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere menschliche Natur angenommen hat.“

 

Der Dreifaltigkeitssonntag ist für uns kein theoretisches Fest. Es geht um Gott, der die Gemeinschaft schlechthin ist und es geht um die Kontaktanfrage Gottes an uns Menschen: Wollt ihr teilhaben am Leben Gottes?             

         

Pfarrer Christoph Haider


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Pfingsten- der Geist der Unterscheidung

Vor einer Woche wurde die Araberin Mirjam von Abellin heiliggesprochen, die aus Nazareth, der Heimatstadt Jesu, stammt. Die Mystikerin Mirjam fühlte sich in ihrem Glaubensleben sehr vom Heiligen Geist angezogen. Für Mirjam war deshalb Pfingsten ein besonderer Tag: „Die Jünger“, so schrieb sie einmal, „waren sehr unwissend, sie waren mit Jesus zusammen und verstanden ihn nicht ... Als ihnen der Lichtstrahl gegeben wurde, waren die Jünger nicht mehr das, was sie zuvor waren; ihre Kraft wurde erneuert.“

 

Erst der Heilige Geist machte die Jünger richtig gläubig. Ohne den Heiligen Geist waren sie noch ziemlich orientierungslos. Obwohl sie mit Jesus drei Jahre lange gelebt hatten, fehlte ihnen die innere Kraft, die ihnen erst zu Pfingsten geschenkt wurde.

 

Zum heurigen Pfingstfest wünsche ich euch allen den Lichtstrahl des Heiligen Geistes. Bei uns ist es nicht anders als bei den Jüngern Jesu. Erst der Heilige Geist macht uns zu echten Christen. Erst der Heilige Geist befähigt uns, in unserer oft verworrenen Gesellschaft den Glauben  zu leben. Ohne den Heiligen Geist sind wir vielleicht politisch korrekte Mehrheitsbürger, aber noch lange keine Überzeugungschristen. Meine besondere Bitte an den Heiligen Geist ist heuer die Gabe der Unterscheidung.  Der Heilige Geist soll uns in allen gesellschaftlichen und persönlichen Fragen den kleinen Unterscheid zeigen, der das Besonderes von uns Christen ausmacht.  Das ist oft schwer, weil wir ja alle mitten in einer Welt leben, die uns laufend visuell und akustisch ihre Lebensmodelle aufdrängt. Zum Beispiel: Die westliche Welt wirbt derzeit massiv für geschlechtliche Vielfalt. Jeder Mensch soll selbst bestimmen und ausleben dürfen, was er für sein „gender“- Geschlecht  hält. Zwei aktuelle Ereignisse zeigen ziemlich eindeutig, wohin die westliche Welt steuern möchte: Der Song Contest vom Vorjahr mit seinem instrumentalisierten Sieger und der mediale Jubel über das Referendum zur Homo-Ehe in Irland vorgestern und gestern. Wird dürfen uns fragen: Müssen wir Christen durch diese gesellschaftlichen Vorgaben Teile der Heiligen Schrift und unser natürliches Empfinden ausblenden, die uns sagen, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschuf und dass Familie aus Mutter, Vater und Kindern besteht? Als Christ sage ich nein und ich bitte den Heiligen Geist, dass er uns den kleinen, aber wichtigen Unterscheid zwischen Toleranz und Akzeptanz lehrt. Natürlich wollen wir Christen tolerante Menschen sein, aber wir werden deshalb nicht alles für gleich gültig erachten oder einfach gutheißen, was nach den Vorgaben Gottes in sich nicht gut ist. Der Heilige Geist schenke uns die Gabe der Unterscheidung, damit wir den kleinen Unterschied merken, der unsere christliche Berufung ausmacht, Salz der Erde zu sein.

 

Für noch etwas bitte ich den Heiligen Geist um seine Gabe der Unterscheidung. Nicht nur im gesellschaftlichen Leben, auch im persönlichen Bereich wissen wir manchmal nicht, wohin wir steuern sollen. Wir leben zwar in einem Land mit vielen Vorteilen und Möglichkeiten, aber wir sind auch vielen Zwängen ausgeliefert. Eine Hilfe beim Auswählen kann uns der Blick in die Weite sein. Dazu wieder einmal etwas Persönliches: Ich denke in den letzten Monaten sehr oft an unsere Brüder und Schwestern in Syrien oder im Irak und anderen Ländern. Ihre Treue zum Glauben hat viele von ihnen den Verlust von Haus, Heimat und Familie gekostet. Viele leben ständig in Todesangst. Der Gedanke an diese Christen hilft mir immer wieder, wenn ich entscheiden muss. Vom selben Heiligen Geist, der ihnen Mut in ihrer Bedrängnis gibt, erbitte ich für uns: Heiliger Geist, gib uns den Mut, unser egoistisches Ich von dir öffnen zu lassen. Statt nur meinen eigenen Wünschen zu folgen, den bequemeren Weg zu gehen, mich schlau aus der Verantwortung zu ziehen …, bitte ich: Schenke uns die Gabe, den kleinen Unterschied zu machen: vom Ich zum Du.

 

Die heilige Mirjam von Abellin mit ihrer besonderen Liebe zum Heiligen Geist war überzeugt: ‚Wenn der Heilige Geist den Platz unseres egoistischen Ichs einnimmt, verwandelt er alles und erschafft Neues.‘    


Pfarrer Christoph Haider

Den Berufungsweg gehen

Bei der Bingeshofkapelle in Oberhofen gibt es den "Berufungsweg".

 

Dieser Weg führt vom Dorf über eine Strecke von ca. 20 Minuten Gehzeit hinauf zur idyllisch gelegenen Kapelle. Fünf biblische Stationen mit Bildern der Künstlerin Chris Nittel laden ein, über den eigenen Platz im Leben nachzudenken. Der Monat Mai eignet sich besonders für eine Begehung. Hier der Text zur dritten Station aus dem Begleitbüchlein. Die Broschüre liegt in der Pfarrkirche auf.


In Maria erreicht das Werben Gottes um den Menschen seinen Höhepunkt. Genau genommen benötigt Er uns nicht. Doch Gott tut nichts ohne uns. Er will das freie „Jawort“ einer Jungfrau, die Maria heißt, um der Welt seinen ewigen Sohn zu schenken. Maria ist das offene Gefäß für den Erlöser. Durch Maria wird die Menschheit mit Christus beschenkt.

 

Maria ist da – sie ist nicht außer sich oder nebenan. Maria ist bereit, als sie ein helles Licht von oben überstrahlt. Der lichte Saum des Engelkleides formt über Maria einen zarten Schein. Gottes Glanz stürzt über sie herein  – „du bist voll der Gnade“.

 

An Marias Seite liegt ein Brautstrauß aus Gottes Hand, übermittelt durch den Himmelsboten Gabriel. Gott wirbt um Maria. Er hat Erfolg. Sie sagt „Ja“.

 

Marias Hände formen sich zur Schale. Sie ist ganz hingegeben. 

 

Maria wird von Gottes Kraft erfüllt. Das Feuer des Hl. Geistes brennt förmlich in ihr und spiegelt sich wieder in ihrem Kleid.

 

Heilige Maria, ich möchte so gerne hinhören können wie du. Jasagen können wie du. Bereit sein wie du. Die Stille dieses Weges regt mich an, in mir still zu werden; diese Welt zum Schweigen zu bringen, um die Welt Gottes wahrzunehmen,  seinem sanften Ruf zu folgen. 

Mut zur Wahrheit

Predigt zum 3. Sonntag der Osterzeit


Vor einer Woche hatte Papst Franziskus die Wahl, sich diplomatisch zu verhalten und damit Ärger zu vermeiden oder undiplomatisch die Wahrheit zu sagen und damit politische Schläge einzustecken. Auf dem Spiel standen die Beziehungen des Vatikans zur Türkei. Papst Franziskus entschied sich für die offene Rede, obwohl er um die für ihn unangenehmen Folgen wusste. Es ging um das Wort „Völkermord“ in Bezug auf die 1,5 Millionen Armenier, die beginnend mit April 1915 von den Führern des osmanischen Reiches systematisch vertrieben und vernichtet worden waren. Noch am selben Tag erfolgte der wütende Protest des türkischen Präsidenten. Der Mut von Papst Franziskus, die Verbrechen nicht durch kluge Taktik zu beschönigen, macht ihm als Führungspersönlichkeit der christlichen Gemeinschaft alle Ehre. Vielleicht war seine Courage indirekt motivierend für die große Mehrheit im EU-Parlament, die sich diese Woche ebenfalls dazu entschloss, eine entsprechende Resolution zugunsten der historischen Wahrheit zu verabschieden. Schweigen oder reden, das ist oft die Herausforderung, nicht nur im Großen, auch im Kleinen unseres Lebens.

 

Die christliche Religion zeichnete sich von Anfang an durch diese Vorgabe aus: Die Wahrheit darf nicht verschwiegen werden, im Zweifelsfall ist Mut wichtiger als geschicktes Taktieren. Das Fest des Drei kleine Grundsätze:

 

Der Mut zur Wahrheit wird durch Beispiel erworben nicht durch Befehle. Bevor Jesus zu seinen Jüngern sagte „ihr seid Zeugen“, hatten sie sein eigenes Beispiel erlebt. Als Jesus als Angeklagter vor dem Hohen Rat stand, als er sich bei Pilatus mit geschickter Selbstverteidigung das Leben retten hätte können, immer hatte sich Jesus für die Bezeugung der Wahrheit entschieden. Sein Verhalten prägte die Jünger vermutlich noch mehr als seine Worte. Auch in einer Familie oder einer Gruppe ist das so. Kinder lernen Wahrhaftigkeit von ihren Eltern, wenn diese sie vorleben. Wo das eigene Wohlbefinden der erwachsenen Vorbilder wichtiger ist als Ehrlichkeit, wird es für Jugendliche schwierig sein, Wahrhaftigkeit zu erlernen.

 

Mut zur Wahrheit ist nicht eine Einzelfallfrage, sondern hat mit der Tugend der Tapferkeit zu tun. Tugenden lernt man schrittweise. Zuerst üben wir uns in kleinen Dingen, mit der Zeit gelingen uns größere Schritte. Wer sich im kleinen Alltag bemüht,  anderen gegenüber ehrlich zu sein, auch wenn es manchmal schwerfällt, wird das auch leichter bei größeren Herausforderungen schaffen.    

 

Für uns Christen gehören Wahrheit und Liebe zusammen. Als Jesus seine Jünger als seine Zeugen aussandte, war dies ihr Auftrag, den Menschen die Wahrheit in Liebe zu verkünden. Nehmen wir noch einmal das Beispiel von Papst Franziskus. Dem armenischen Volk öffentlich zu helfen, die Wunde des Völkermords zu heilen, ist eine  Tat der Liebe. Besonders deshalb, weil es sich um eines jener Völker handelt, die selber international über sehr wenig Macht verfügen. Dem kleinen Bruder durch ein mutiges Wort beizustehen, auch dann, wenn mir daraus Kritik von Mächtigeren entgegenschlägt, ist eine Tat der Liebe. Es ist wie in der Schule oder am Arbeitsplatz, wenn ich sehe, dass ein Schwächerer von Stärkeren benachteiligt wird, verlangt die christliche Liebe von mir, ihm mutig  beizustehen.

 

Mut ist auch eine Gnade, ein Geschenk Gottes, das er uns in der Taufe und Firmung gemacht hat. Wir können uns auf dieses Potential in unserem Herzen berufen: Herr, gib mir Mut, wenn es darauf ankommt.        


Pfarrer Christoph Haider

Ein gesegnetes Osterfest!

Osterpredigt



Im Winter ist die Erde tot, im Frühjahr fängt sie wieder an zu leben. Die Osterhasen springen herum, aus den Eiern schlüpfen die Küken. Die Erde erwacht. Fast könnte man meinen, dieser Vorgang des Erwachens sei für das christliche Osterfest Pate gestanden. So meinen auch manche Menschen, Ostern sei ein schöner Mythos für das neue Erwachen des Lebens aus dem Tod. Aber das ist es nicht.

Ganz und gar nicht! Wenn wir uns mit den Zeugenberichten der Auferstehung Jesu befassen, merken wir, dass da kein schönes Erwachen nach dem Tiefpunkt stattfand. Ostern war nicht der automatische Sonnenaufgang nach dem vorhergehenden Untergang.

 

Die Auferstehung Jesu verlief vielmehr ganz außerhalb aller bisherigen Erfahrungsmuster. Der Evangelist Markus gibt uns mindestens zwei Informationen, die das bestätigen. 1. Die Frauen kamen nicht deshalb zum Grab, um Jesus wieder lebendig anzutreffen. Sie kamen, um sich endgültig von ihm zu verabschieden. Es war also nicht so, dass sie die Zutaten für ein Wiederbegegnungsfest bei sich hatten, es waren Salben und Öle, mit denen man einem Leichnam den letzten Dienst erwies. 2. Als die Frauen das leere Grab sahen und dann dem Engel begegneten, waren sie nicht gleich glücklich und getröstet. Keine von ihnen sagte, „wir haben es doch gewusst“. Im Gegenteil: Ihre Reaktion war ein großer Erschrecken.

 

Die Auferstehung Jesu ist also kein Frühlingserwachen oder wie ein von Menschen herbeigeführter Umschwung. Es ist ein völlig neuer Durchbruch des Lebens in der Welt des Todes. Es ist das Neue, das uns nur Jesus gebracht hat.

 

Denken wir kurz an Menschen in großem Leid, in Flüchtlingslagern, im Krieg, in Hungernot: Viele Erklärungen, die bei uns noch greifen, greifen dort nicht mehr. Diese Menschen brauchen die ganz große Verheißung. Nicht: nach jedem Tiefpunktpunkt geht es wieder aufwärts. Nicht: Alle Jahre kommt der Frühling … Nein: Gott kann das Unerwartete, das Unmögliche bewirken. „Die Auferstehung Jesu ist nicht das glückliche Ende eines schönen Märchens, sie ist nicht das ’happy end‘ eines Films, sondern sie ist das Eingreifen Gottes, des Vaters – dort, wo die menschliche Hoffnung zerbricht.“ Papst Franziskus

 

Als solches nehmen wir das Ostereignis heute wieder an, nicht als selbstverständlich, sondern als Gnade. Heute Nacht sind alle, die glauben, die Beschenkten.    


Pfarrer Christoph Haider

Einblick in das Wesen der Eucharistie

Die Feier der Eucharistie ist nicht bloß  ein"soziales Event", in ihr verbirgt sich tiefe "Mystik". So sieht es ein Erstkommunionkind, das bei der Aufgabenstellung, zur Überschrift "Tut dies zu meinem Gedächtnis" eine Zeichnung zu malen, dieses eucharistische Bild herstellte: Jesus tritt an die Stelle des Priesters. Der Priester nimmt die Ministrantenstelle ein. Die Theologen würden sagen "in persona Christi agere".


Aus der Grünonnerstagspredigt von Ch. H.

 

 

Der neue Bund

Predigt zum 5. Fastensonntag


In den vergangenen Jahren habe ich meistens an einem Sonntag der Fastenzeit zum Thema Beichte gepredigt. Heuer wollen wir einen Schritt zurück ins Vorfeld gehen. Um das Beichtsakrament oder überhaupt Schuld und Vergebung zu verstehen, muss uns klar werden, wie das Verhältnis Gottes zu uns Menschen ist. Versuchen wir das mit wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen. Wir haben heute zur Lesung einen der wichtigsten Texte des Alten Testaments gehört (Jer 31,31-34). Der Prophet Jeremia verkündet dem Volk Israel: Gott wird mit den Menschen einen neuen Bund schließen. Dieser neue Bund wird nicht von außen an den Menschen herangetragen. Es wird ein Herzensbund sein. Gott legt seinen Geist und sein Gesetz in das Innere des Menschen. Die Grundlage dieses Bundes wird die Vergebungsbereitschaft Gotts sein. 

 

Wir blättern die Heilige Schrift weiter und kommen zu Jesus: Was die Propheten im Voraus angekündigt haben, verwirklicht Jesus:  Dazu gibt es heute ein etwas rätselhaftes Wort, das aber sehr viel hergibt: „wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen“ (Joh12, 32).  In seinem Tod am Kreuz wird Jesus über die Erde erhöht sein. Das wird der Augenblick sein, wo er den neuen Bund Gottes mit den Menschen vollzieht. Von dieser Stunde an möchte Jesus alle Menschen an sich ziehen.

 

Was hat das mit uns zu tun? Wir alle, die Getauften, sind in diesen Bund schon aufgenommen. Wir haben durch Jesus „ungehinderten Zutritt“ ( Eph 3,12) zu Gott geschenkt bekommen. Die Tür, besser gesagt, das Herz Gottes steht uns offen. Wir sind „ von Gott geliebt“ (Kol 3,12), wir sind „Gottes Familienmitglieder und Mitbürger der Heiligen“ (Eph2, 19) im Himmel. Gott will mit uns Christen eine neue Menschheitsfamilie bauen. Gott hat Großes für uns bereitet und er hat Großes mit uns vor.

 

Obwohl wir zu Gottes Familie gehören und Gott uns ganz neu gemacht hat, entsprechen wir oft nicht seinem Herzensbund. Und das ist unsere Sünde! Deshalb ist für uns Christen Sünde nicht bloß modern und stehlen. Ein Vergleich: Wenn ein Außenstehender uns beleidigt, ist das unangenehm und ärgerlich, aber wenn Familienmitglieder wenig Zeit füreinander haben, wenn für ein Familienmitglied die Zeitung, das Internet, der Fernseher, Sport oder Hobbies  wichtiger sind als die Beziehung untereinander, stirbt das Familienleben allmählich. So ist es auch mit uns und Gott.  Der heilige Augustinus sagt, Sünde ist nicht nur das Tun von Bösem, Sünde ist „aversio a deo et conversio ad creaturam“, Abwendung von Gott und Zuwendung zum Geschöpflichen. Gott hat uns zu einem himmlischen Leben berufen und wir sagen: Danke, lieber Gott, aber essen, trinken, schlafen, arbeiten, ausgehen, einkaufen … genügt uns. Danke, Gott, für dein Angebot, aber die Erde ist uns momentan lieber wie dein Himmel … Vielleicht reden wir nicht so, aber in unserem Herzen schlummert oft diese Einstellung: Statt uns für Gott zu entscheiden, der uns so sehr liebt, entscheiden wir uns für irgendetwas Geschaffenes, statt den Unvergänglichen wählen wir das Vergängliche.  In den seltensten Fällen tun wir das absichtlich, es ist eher wie ein Sog, der uns mitreißt.

 

Das war also heute das Thema vor dem Thema: Statt  „was heißt  beichten?“ hieß es heute „was heißt Sünde?“. Wenn Sünde das Abtriften von Gott und das Hinschwenken zu den Dingen der Erde bedeutet, bedeutet Vergebung: Sich von Jesus wieder neu anziehen zu lassen. Gott zu erlauben, den Bund mit uns zu erneuern und zu vertiefen: Ja, Gott,  ich bitte dich, schreibe dein Gesetz wieder neu auf mein Herz (vgl. Jer 31,34).                 


Pfarrer Christoph Haider

Impuls zum 3. Fastensonntag

Heute war in der alttestamentlichen Sonntagslesung der Originalton der Zehn Gebote zu hören: Ex 20,1-17


Es fällt auf, dass von den siebzehn Versen elf Verse für die ersten drei Gebote verwendet werden. Das sind fast zwei Drittel des Gesamten.  Es sind die drei Gebote, die unmittelbar das Verhältnis Mensch/Gott betreffen.

Darauf folgen in knapper Wortwahl die sieben weiteren Gebote, die das Verhältnis Mensch/Mensch betreffen. 

 

Warum dieser Überhang der ersten drei Gebote?

Sie zeigen uns die Notwendigkeit der Bindung des Menschen an Gott, aus der heraus das rechte Menschsein erwächst.

    

Gib Gott den Vorrang, dann werden auch die menschlichen Beziehungen recht werden.

 

Also: Gott zuerst! 

 

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Impuls zum 2. Fastensonntag

Der 2. Fastensonntag erzählt uns vom Ereignis der Verklärung Jesu. Drei Jünger sind Zeugen, wie das  verborgene göttliche Licht aus Jesus hervorbricht. In Jesus ist der Himmel auf die Erde gekommen. Es ist, wie wenn die Sonne, statt am Himmel zu stehen, aus Jesus hervorleuchtet. 


Die Fastenzeit möchte vor allem eine Zeit der intensiven Jesus-Begegnung sein. Durch Fasten versuchen wir, unsere irdischen Bedürfnisse zu reduzieren, damit sein göttliches Licht mehr Raum in uns findet.


Auf der Ebene des Glaubens soll in uns geschehen, was sich in der Natur  gerade jetzt vollzieht: Die Tage werden länger, die Nächte kürzer. Das Licht nimmt zu!  

 

Ein Gedanke zum Beginn der Fastenzeit

Eine spirituelle Frage: Warum ging Jesus vierzig Tage in die Wüste, ansttat gleich darauflos zu ziehen und zu predigen?

 

Vielleicht  tat er es, um uns den Wert der Stille, des Schweigens und der inneren Einkehr zu lehren! 

 

Über die Kunst des Schweigens:

"Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen und fünfzig, um schweigen zu lernen." Ernest Hemingway


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Zum Jahr des gottgeweihten Lebens

Predigt zum

3. Sonntag im Jahreskreis/Lesejahr B


Stellen wir uns vor, wir wären ein Regisseur für einen alternativen Jesusfilm. Lassen wir die Ereignisse einmal anders laufen. Wie wäre die Geschichte mit Simon, Andreas, Jakobus und Johannes verlaufen, wenn diese Jünger ihre Berufung durch Jesus nicht angenommen hätten. Wenn diese vier Fischer vielleicht nur einen Tag bei Jesus geblieben wären. Oder sie wären ab und zu mit Jesus mitgegangen, aber dann zu ihrem Fischereibetrieb zurückgekehrt. Wenn sie gesagt hätten, lieber Rabbi Jesus, es ist gut und schön, dass du uns rufst dir zu folgen, aber aufs Ganze gesehen ist das uns zu unsicher. Man braucht doch auch einen ordentlichen Beruf, eine abgesicherte Existenz. Was wird aus unseren Familien, wenn wir mit dir gehen. Simon Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes hätten viele gute Argumente gehabt, ihre Berufung hinauszuzögern oder fallenzulassen. Sie wären sicher ordentliche Leute geblieben mit einem ordentlichen Beruf und einem ziemlich sicheren Einkommen. Vielleicht wäre Petrus der Gründer eines größeren Fischereibetriebes geworden, Johannes hätte vielleicht noch einen anderen Beruf gelernt, sie hätten nette Kinder und Enkel großgezogen und wären dann im Kreise ihrer Familien eines Tages in den Ruhestand gegangen.

 

Der rückwärts gedrehte Film über diese kleine Gruppe von Fischern hätte gewiss ein paar  Abenteuer am See zu bieten, doch außer einem Happy End wäre nicht viel daraus geworden. So aber sind diese vier Männer zu Aposteln Jesu geworden, sie durften die atemberaubenden Stationen von Jesu Tod und seiner Auferstehung miterleben und wurden von ihm beauftragt, sein großes Werk fortzusetzen. Das Grab des einfachen Fischers Simon ist heute der herrliche Petersdom in Rom. Papst Franziskus ist sein aktueller Nachfolger. Weltweit glauben über zwei Milliarden Menschen an Jesus Christus. Andreas und Jakobus waren Säulen der ersten christlichen Generation und von Johannes (bzw. aus seiner Jünger-Schule) stammen die gewaltigsten Worte der Heiligen Schrift. Aus der winzigen Gruppe Fischer wurde eine weltweite Jesusgemeinschaft. Wie fruchtbar war also das Leben der ersten Jünger nicht nur für sie selbst, sondern für die ganze Menschheit! Eine Berufung durch Gott ist immer mit großem Segen verbunden. Natürlich wären Simon, Andreas, Jakobus und Johannes auch gute Familienväter geblieben und hätten einen gut funktionierenden Fischereibetreib gemanagt, durch ihr Jawort zum Ruf Gottes sind sie aber zu einem ganz großen Segen für so viele geworden.    

 

Dasselbe gilt für alle, die seitdem Jesus als Priester, Brüder oder Schwestern in einer gottgeweihten Berufung nachgefolgt sind. Stellen wir uns vor, was uns Christen fehlen würde, wenn es keinen Augustinus gäbe, keinen Franz von Assisi, keine Teresa von Avila oder Mutter Teresa von Kalkutta, keinen Don Bosco… Eine Berufung bleibt zwar ein Geheimnis Gottes. Aber Gott setzt immer die freie Zustimmung eines Menschen voraus.

 

Heute wollen wir uns das Anliegen von Berufungen zu unserem eigenen Anliegen machen. Drei Schritte möchte ich aufzeigen, wie das gehen kann. Zunächst dürfen wir nie ausschließen, dass Gott einen oder eine aus unserer Mitte für eine besondere Aufgabe erwählt. Mich betrifft das nicht, sollten wir nie sagen. Richtiger ist zu sagen: Herr zeig uns, mit wem du was vorhast.

 

Der zweite Schritt: Bemühen wir uns in unserer Pfarre und in unseren Familien um eine berufungsfreundliche Atmosphäre. Junge Menschen müssen spüren, bei uns herrscht Freude, wenn einer oder eine sich für die Nachfolge Jesu entscheidet. Ein solcher Mensch darf sich nie als Exot fühlen, sondern als große Bereicherung für alle.

 

Ein dritter Schritt: Halten wir uns vor Augen, wenn wir in dieser Hinsicht auf andere Zeiten warten oder das Anliegen auf die Generation nach uns abwälzen, wird die kirchliche Gemeinschaft innerhalb kürzester Zeit verarmen. Jesus hat uns aufgetragen, Berufungen als Gabe Gottes zu erbitten: „Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter in seine Ernte auszusenden“ (Lk 10,2) Bitten wir also: Rufe heute Menschen in deinen Dienst, damit unsere Gemeinden morgen noch Priester haben und die Klöster nicht schließen müssen. Ich habe dem Regens des Innsbrucker Priesterseminars versprochen, dass wir heuer sehr oft  bei unseren Gottesdiensten um geistliche Berufungen beten werden.    


Pfarrer Christoph Haider



Bildnachweis: "Der Gute Hirte" von Nittel Chris - Berufungsweg  der Pfarre Oberhofen (c)Pfarre Oberhofen

Dem Lamm begegnen

Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis/Lesejahr B


Zwei Impulse wollen wir heute dem Johannesevangelium entnehmen. Das eine ist ein Bildwort, das andere eine Tätigkeit. Das Bildwort ist uns sehr vertraut: Jesus, das Lamm Gottes. Johannes ist der einzige der Evangelisten, bei dem Jesus so genannt wird. Und das schon im ersten Kapitel und dort gleich zweimal (Joh 1,29 und Joh 1,36). Auch bei der Kreuzigung betont Johannes, dass man mit Jesus verfahren ist wie mit den Paschalämmern bei den Israeliten (Joh 19,36). Wenn Jesus das Lamm Gottes genannt wird, schwingt der Gedanke an das fehlerfreie, junge und weiße Lamm mit, wie es bei den Juden zum Osterfest geschlachtet wurde. Jesus ist also der Fehlerfrei, der Reine und Heilige. Aber auch der Sanfte, der nicht wie ein Löwe auftritt und brüllt. Als Lamm Gottes ist Jesus der Friedliche, der sogar sein Leben hingibt ohne Widerstand zu leisten (vgl. Jes 53,7).

 

Die Christen haben dieses schöne Bildwort vom Lamm Gottes in ihren Gottesdienst aufgenommen. In der Messe reden wir Jesus mehrfach als das Lamm an. Damit drücken wir sehr anschaulich aus, worum es bei der Messfeier geht. Es geht um die sanfte Berührung mit Jesus Christus. In der unaufdringlichen Art des Gotteslammes will er uns gegenübertreten. Er, der Heilige und Fehlerlose, möchte uns hineinnehmen in seine Gegenwart und sein Leben.

 

Im Lamm Gottes schwingt aber auch etwas Majestätisches mit. Im letzten Buch der Bibel wird der himmlische Triumph des Lammes geschildert. Er ist der einzige, dem es zusteht, die Schicksalsbücher der Menschheit zu öffnen. Er ist der Höchste, dem alle Ehre gebührt. Vor dem Lamm fallen alle Geschöpfe im Himmel, auf der Erde und unter der Erde nieder (vgl. Offb 5,13). Ehrfurcht und Vertrauen prägen also unsere Einstellung, wenn wir zu Jesus, dem Lamm Gottes, beten.

 

Ich möchte noch etwas hervorheben. Heute wird uns in vielfacher Weise Gesundheit bzw. Heil angeboten. Man braucht nur einen Veranstaltungsprospekt oder Zeitungsinserate anschauen. Das Heil und die Heilung, die uns das Lamm Gottes anbietet, geschehen ganz still und gerade durch die ständige Berührung mit ihm, Sonntag für Sonntag...

 

Jetzt kommen wir noch kurz auf die Tätigkeit zu sprechen, die uns heute im Johannesevangelium gezeigt wird. Die ersten Jünger, die zu Jesus kamen, machten drei Schritte: Kommen, sehen und bleiben (Joh 1,37-39). Sie suchten Jesus auf und kamen auch wirklich zu ihm, sie sahen sich sein Zuhause an und blieben bei ihm. Das sind ganz wichtige Schritte für unser Glaubensleben. Wenn wir die sanfte Berührung mit dem Lamm Gottes erfahren wollen, müssen wir zu ihm kommen, ihn anschauen und bei ihm bleiben. Die Segnungen des Glaubens empfängt man nicht im Vorübergehen. Die guten Veränderungen, die uns Jesus schenken möchte, geschehen auch nicht auf einmal, immer wieder geht es darum: Zu ihm kommen, auf ihn schauen und bei ihm bleiben.

 

Übrigens: die Lamm Gottes-Gebete in der Messe dürfen wir heute und in Zukunft ganz bewusst als Heilungs-Momente verstehen. Jesus, der ganze Heilige, weil uns heil machen, wenn wir kommen, ihn anschauen und bei ihm bleiben.              


Pfarrer Christoph Haider


Bildnachweis: (c) Stephen Finn - Fotolia

Die Heiligen Drei Könige als Gottsucher

Bei den Heiligen Drei Königen faszinieren uns vor allem ihr Wagemut und ihre Entschlossenheit. Diese Eigenschaften kennzeichnen ihren Weg nach Betlehem und retour. So richtig fällt uns ihre Einstellung erst auf, wenn wir die Schriftgelehrten und Hohenpriester mit ihnen vergleichen. Diese lebten nur  ca. eine Stunde Fußweg von Betlehem entfernt, fanden es aber nicht der Mühe wert dorthin zu gehen.  Sie waren doch die Gottes- und Bibelexperten. Tag und Nacht taten sie nichts anderes, als in den Heiligen Schriften zu forschen. Sie kannten die Bibel in und auswendig und konnten den Sterndeutern exakte Auskunft geben.  Aber dann packten sie ihre Schriftrollen wieder ein und gingen zur Tagesordnung über. Es schockiert uns, dass sie zwar den Geburtsort des Messias angeben konnten, aber keinerlei Interesse zeigten, den Messias zu suchen.

 

Die Drei Könige hingegen nahmen viele Strapazen in Kauf, um das Kind zu finden. Sie sind große Vorbilder für alle Menschen, die Gott suchen. In dreifacher Weise beeindruckt uns der Glaube der Weisen aus dem Morgenland.

 

Die Heiligen Drei Könige investierten Zeit und nahmen weite Wege in Kauf, um Gottes Sohn zu finden. Sie kamen aus einem fernen Land, sprachen eine andere Sprache, mussten unwegsame Wege gehen und waren sicher viele Tage unterwegs, bis sie ihr Ziel erreichten. Für uns sind sie ein Ansporn, dass wir es nicht an Zeit fehlen lassen, um Gott zu suchen. Auch weitere Wege sollen uns nicht abschrecken, um auf Jesus zuzugehen. Heilige Drei Könige, helft uns Zeit und Raum zu finden für Gott.

 

Die Heiligen Drei Könige ließen sich von Hindernissen nicht entmutigen. Ihr Reiseziel war nicht immer ganz eindeutig. Einmal waren sie ratlos. Ihre Entschlossenheit half ihnen, weiterzugehen und weiterzusuchen. Für uns sind sie ein Ansporn, dass wir uns im Glauben nicht durch Durststrecken zurückwerfen lassen. Gehen wir einfach weiter, auch wenn manchmal der Stern weit weg oder gar verdeckt zu sein scheint. Heilige Drei Könige, steckt uns an mit eurer Entschlossenheit!

 

Die Heiligen Drei Könige waren Meister im Erforschen und Deuten der kleinen Zeichen. Der Stern, den sie sahen, war sicher nicht nur für sie am Himmel sichtbar. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Menschen waren sie bereit, den Stern zu deuten und die Spuren Gottes zu suchen. Auch darin sind sie uns ein Vorbild. Gott gibt uns  viele kleine Anhaltspunkte. Heilige Drei Könige, helft uns die Zeichen Gottes zu sehen und ein Stück nach dem anderen zusammenzufügen, bis sich Gott uns offenbart.  Danke für euren Wagemut und eure gläubige Entschlossenheit. 


Pfarrer Christoph Haider 


Foto - Geburtskirche Betlehem (c)Kirche in Not



Ein gesegnetes neues Jahr! 

Silvesterpredigt


Der Jahreswechsel ist eine gewisse magische Grenze. Nüchtern betrachtet ist weder heute noch morgen ein wesentlicher Ein-schnitt. Der Kalender ist ja nur eine gesellschaft-liche Konvention. Das Leben als solches ist heute Abend nicht anders als morgen Früh. Aber eben für die Gesellschaft und auch für den einzelnen Menschen sind solche Markierungen und Zeiteinschnitte eine gewisse Hilfe. Es lässt sich leichter in kleinen überschaubaren Einheiten leben als in einer endlosen Folge. Deshalb wollen wir heute Abend ein Wort finden, dass uns das vergangene Jahr überblicken lässt und ein Wort, das  uns ins neue Jahr hineinbegleitet.

 

Lassen wir uns dieses Wort schenken und wählen den Vers 19 aus dem zweiten Kapitel  des Lukasevangeliums. Es ist eine Eigenschaft der Gottesmutter Maria, die ihren besonderen Zugang zu den Ereignissen ihres Lebens beschreibt: „Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Maria verstand also die Kunst, wichtige Geschehnisse im Herzen zu bewahren und sie einem größeren Ganzen zuzuordnen. Was hat das alles zu bedeuten? Steckt da vielleicht ein tieferer Sinn dahinter? Gibt es in meinem Leben einen größeren Plan? Will Gott mir mit diesen Ereignissen etwas zeigen? Das könnten Fragen gewesen sein, die Maria in ihrem Herzen erwogen hat. Gewiss hat dieses liebevolle  Nachdenken in Maria Dankbarkeit bewirkt. Ihr Denken führte zum Danken.

 

Heutzutage scheint dieses dankbare sich Erinnern, wie Maria es getan hat, schwieriger geworden zu sein. Mir fällt auf, dass jüngere Leute oft ganz von der Gegenwart beschlagnahmt sind. Die Fülle an täglichen Eindrücken, die vor allem durch die neuen Medien Handy und Smartphone auf uns eindringen, verhindert es oft, das Vergangene noch einmal zu bedenken und es einzuordnen. Ich habe z.B. beobachtet, dass junge Erwachsene Namen und Ereignisse aus ihrer Schulzeit, die nur wenige Jahre zurückliegt, nicht mehr im Gedächtnis haben. Auf der anderen Seite gibt es genügend Menschen, die noch nicht Aufgearbeitetes aus ihrem Leben schwer mit sich herumtragen. Ihre Gedanken über Vergangenes gehen im Kreis. Davon betroffen sind auch immer mehr ältere Leute. Die heilige Maria möchte uns da aus dem einen und dem anderen mit ihrem dankbaren Denken heraushelfen: Dass uns die Vergangenheit weder entschwindet noch zur unerträglichen Last wird.

 

Auch für das kommende Jahr kann uns die dankbare Erinnerung ein Anhaltspunkt sein. Große Meister des christlichen Lebens wie der heilige Ordensgründer Ignatius haben dafür den täglichen Tagesrückblick empfohlen. Die letzten Minuten eines Tages eignen sich dafür besonders. Wo gab es heute Gutes und Wertvolles in meinem Leben, wo war Gottes verborgene Spur zu sehen. Ich möchte sagen, unser Gott ist so bescheiden und verborgen, dass erst durch das dankbare Erinnern seine Spur sichtbar wird.

 

Ich höre jetzt auf zu predigen und lade ein, die damit gewonnene Zeit in das dankbare Erinnern zu investieren. Mit Maria wollen wir alles, was geschehen ist, in unserem Herzen bewahren und darüber nachdenken. Und alles, was geschehen wird, legen wir zuversichtlich in Gottes und Marias Hände. 


Pfarrer Christoph Haider

Das Licht kam in die Welt

Predigt in der Weihnachtsmette


Was wäre Weihnachten ohne Lichter? Das ist unvorstellbar! Rund um das Weihnachtsfest lieben es die Menschen, ihre Straßen, Häuser und Wohnungen mit Lichtern zu erhellen. Es scheint, dass die Zahl der Lichterketten und Kerzen von Jahr zu Jahr zunimmt. Unabhängig von allem Kommerz und Kitsch sprechen diese Lichter eine Sehnsucht aus: Sie verweisen auf den, der mit seiner Geburt die dunkle Nacht der Menschheit aufgehellt hat. Wie der Prophet Jesaja vorhergesagt hat, erfüllt sich in der Geburt Jesu die Verheißung:  „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“

 

Es ist auch interessant, dass das Datum des Weihnachtsfestes unmittelbar in die Zeit nach der Wintersonnenwende fällt. Ab jetzt werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Auch das ist ein passendes Symbol für den Geburtstag Jesu. Die große Nacht der Menschheit ist mit ihm zu Ende gegangen. Es gibt in dieser Welt wieder mehr Licht – durch ihn. Heuer im Advent, genau am 13. Dezember, dem Fest der heiligen Luzia, gab es in der Pfarrkirche Flaurling eine wunderbare Lichtfeier. Ohne eine einzige elektrische Lampe war die Kirche taghell erleuchtet. Von einem einzigen Zündholz oder einem kleinen Feuerzeug kann man unzählige Lichter anzünden. Das Licht ist ohne Grenzen vermehrbar. Das ist ein schönes Bild für unseren Glauben an Jesus und die Liebe, die von ihm zu den Menschen kommt.    

Durch  Menschen, die an Jesus glauben, kann in dieser Welt so viel Licht verbreitet werden! Die schönste Aufgabe unseres christlichen Lebens besteht darin, nicht nur über Jesus zu reden oder an ihn zu denken, sondern ihn als Licht in unserem Herzen zu tragen. Und je mehr der Glaube in uns wächst, desto mehr nimmt auch das Licht zu. Stellen wir uns vor, wir gehen heute Nacht nach Hause und verbreiten mit unseren guten Gedanken, mit unseren guten Worten und mit unseren guten Taten die Freude des Glaubens an Jesus. Stellen wir uns bei jedem guten Gedanken, bei jedem guten Wort und bei jeder guten Tat vor, dass ein Licht angeht. Das gibt nicht nur eine Lichterkette ab, sondern ein ganzes Lichtermeer.  Kein Haus, keine Straße und kein Mensch soll ausgeschlossen sein von dem Licht, das Jesus in uns angezündet hat. 


Pfarrer Christoph Haider

Christkönig & Fest der heiligen Cäcilia

Predigt zu Mt 25,31-46

 

Eine Predigt soll etwas ganz einfaches sein: Die Weiterführung des Gesprächs Gottes mit seinem Volk.  Musikalisch ausgedrückt könnte man sagen: Der Prediger braucht nichts anderes zu tun, als die Melodie Gottes, die in der Messe gespielt wird, aufzugreifen und in derselben Tonart fortzuführen. Heute ist die Tonart der Messe feierlich und ernst, wie ein Schlusssatz in den Werken großer Komponisten. Jesus hat das Thema regelrecht durchkomponiert und gut gegliedert. Die Grundmelodie ist eingängig, die Wiederholungen kommen bei uns an.

 

Wie es Musiker manchmal machen, möchte ich eine kleine Zeile des Evangeliums nehmen und über diese Zeile kurz improvisieren. „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.“ Die Ankunft des ewigen Reiches Gottes wird mit der Inthronisation eines Königs  verglichen. Der König ist nicht allein, er ist von einem großen Gefolge umgeben. Auch das ganze Volk ist versammelt, ein Staatsempfang für den ewigen Herrscher! Der Evangelist Matthäus betont 2 Mal: die Ankunft Jesu wird „in Herrlichkeit“  geschehen. Über 100 Mal in einem Jahr wird in unserer Pfarrkirche auf diese endgültige Offenbarung hingewiesen und zwar von euch: Nach der heiligen Wandlung sagt ihr, wir werden solange den Tod Jesu verkünden und seine Auferstehung preisen bis er kommt „in Herrlichkeit“. Die Feier der Messe ist eine Vorschau auf die Herrlichkeit Gottes. Sie soll ein Vorgeschmack der Ewigkeit sein. Es gibt in der Kirchengeschichte eine Reihe von Heiligen, die in der Messe starke mystische Erfahrung mit dieser Herrlichkeit gemacht haben.  Sie sahen während der Wandlung am Altar  den offenen Himmel und den Sohn Gottes mit seinen Engeln. Ich habe manchmal den Eindruck, dass heutzutage einzelne Kinder diese Gabe haben. Es gibt Ministranten, die dort Jesus sehen, wo wir Erwachsene nur den Altar und den Priester wahrnehmen und die hinter Weihrauch und Kerzenschein die vielen Engel spüren, die in der Messe mit uns feiern. 

 

Die Kirchenmusik hat die schöne Aufgabe, musikalisch auf den offenen Himmel  hinzuwirken. Wenn Sanctus gesungen und gespielt wird, soll es sein, dass wir im Glauben  den „Himmel offen sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen über dem Menschensohn“ (Joh 1,51)  Dass diese Aufgabe der Kirchenmusik manchmal gelingt, bestätigen immer wieder Menschen, die sagen, heute hat die Messe mein Herz berührt.

 

In der alten Krypta des Klosters Marienberg finden sich Fresken, die zu den schönsten europäischen Werken der Romanik gehören. Die Krypta ist so niedrig, dass die Fresken den Altar unmittelbar umgeben. Die Gläubigen stehen bei der Messe unmittelbar vor dem herrlichen Christusbild. Von allen Seiten sind sie umgeben mit wunderschönen mächtigen Engeln. Das wollte ich euch heute sagen: Musiker, Volk, Priester, Ministranten – wir alle nehmen jetzt teil an der himmlischen Feier. Der Himmel steht offen. Christus ist bei uns, seine Engel mit ihm. Es ist Sache unseres Glaubens aber auch unserer künstlerischen Bemühungen, dass diese himmlische Atmosphäre herüberkommt.  Wer in der Kirche betet, musiziert und singt, ist ein Interpret der Melodie Gottes.     

 

Pfarrer Christoph Haider

 

Weihbischof Turnovsky feiert Messe in Oberhofen

Nach der besonderen Feier der Jugendvigil am Samstag, 8. November 2014, bei den Franziskanern in Telfs bleibt Weihbischof Turnovsky, Österreichs Jugendbischof, über Nacht noch in Tirol. Am Sonntag feiert er mit der Pfarrgemeinde in Oberhofen die Hl. Messe. Es ist gerade "Seelsonsonntag" mit Kriegsgefallenengedenken, der sich diesmal mit dem Weihefest der Lateranbasilika verbindet. "Wozu sind Kirchen gut? Wozu braucht Gott die Kirche", fragt Bischof Turnovsky in seiner Predigt. Die Antwort: Nicht weil es Tradition ist oder aus s0nst einem zweckmäßigen Grund. Es geht um Jesus Christus! Er ist der Grund, dass es Kirche gibt.   

Nachdenkliches am Friedhof

Ansprache beim Totengedenken am Allerheiligentag 

 

Im Religionsunterricht der Volksschule unterhielten wir uns vergangene Woche über das Thema Tod und ewiges Leben. Eine Frage an die Kinder lautete: Warum stellen wir Kerzenlichter an die Gräber der Verstorbenen. Ich hatte bei der Frage etwas Sorge, die Kinder könnten antworten: Die Kerzen sollen Licht in die Dunkelheit des Grabes bringen. Meine Sorge war unberechtigt. Kein Kind argumentierte mit der dunklen Erde. Im Gegenteil, sie waren überzeugt, dass nur der tote Leib im Grab ist, nicht aber der Mensch an sich. Die Seele, so sagte ein Kind, das bin ich ohne den Leib. Was bedeuten also in den Augen der Kinder die Kerzen an den Gräbern. Ein Kind sagte richtig: Sie sind ein Zeichen unserer Liebe, ein kleines Geschenk für die Menschen, die wir lieb hatten. Damit war ich als Religionslehrer schon einverstanden, fragte aber nach, warum dann gerade eine Kerze und nicht ein anderes kleines Geschenk. Daraufhin sagte Sophie: Die Kerze ist dazu da, dass sie den Jesus finden. Das war eine kompakte, kluge und gläubige Antwort.

 

Der Tod ist für uns das dunkelste Rätsel dieser Erde. Beim Sterben bleiben so viele Fragen offen, niemand erhellt uns den eigentlichen Sinn des Todes. Aber es gibt einen, der uns gerade in den dunkelsten Augenblicken Hoffnung gibt: Es ist Jesus, der gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln bleiben, er wird das Licht des Lebens haben.“ Jesus ist für uns der eigentliche  Sterbebegleiter. Deshalb war die kindliche Aussage in der Volksschule so treffend. Warum zünden wir Lichter für die Verstorbenen an? „Dass sie den Jesus finden!“

 

Jesus kann dann unser Sterbebegleiter sein, wenn wir ihn schon jetzt zum Lebensbegleiter erwählen. Pflegen wir unsere Beziehung zu Jesus Christus! Nehmen wir teil am Leben der Kirche! Ein Vergleich: Die meisten Leute haben immer ihr Handy dabei. Noch wichtiger wäre, dass wir immer an der Seite Jesu stehen, sozusagen immer in seiner Reichweite als unserem göttlichen Lebensbegleiter.

 

Wie ich mit einer Schülergeschichte begonnen habe, möchte ich mit einem Erlebnis mit einem Kind enden. Es war bei einem Taufgespräch in dieser Woche. Wir redeten über die Namenspatrone. Da  fiel der Ausdruck Märtyrer. Manche unserer Namenspatrone waren Märtyrer.  Die ältere Schwester des Taufkindes fragte nach, was heißt das Wort Märtyrer. Ein Märtyrer, so meine Antwort, ist einer, zu dem gesagt wurde, entweder du verleugnest Jesus oder du wirst getötet. Wieder die Frage des Kindes an mich: Was heißt verleugnen? Meine Antwort: Verleugnen heißt, zu sagen, ich glaube gar nicht an Jesus oder ich hab eh nichts mit ihm zu tun. Damit hätten die Märtyrer ihr Leben retten können, aber sie sagten: Jesus ist mir wichtig als mein Leben. Nach diesem Erklärungsversuch kam sehr direkt und unmittelbar die Ansicht des neunjährigen Kindes: Also ich würd mich auch für Jesus entscheiden.

 

 

Kinder sind manchmal sehr nahe am Kern der Sache. In unserem Fall heißt dieser: Jesus ist der entscheidende Faktor unserer Hoffnung. Deshalb zünden wir Lichter an den Gräbern an, dass die Verstorbenen Jesus finden.        

 

Pfarrer Christoph Haider

Ein Beitrag in "Die Tagespost"

Die Ehevorbereitung als pastorale Chance, die Schönheit der christlichen Familie aufleuchten zu lassen
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Barriere-freie Kirche

Um Menschen mit Behinderung im Rollstuhl, aber auch Müttern und Vätern mit Kinderwagen den Zugang zu unserem Gotteshaus zu erleichtern, bauen wir derzeit den Platz vor der Kirche total um. Ein großer Aufwand, den uns die Sache aber wert ist: Ausbaggern des Untergrunds, Frostkoffer einbauen, Randsteine verlegen, Einkornbetondecke erstellen, neue Porphyrplatten verlegen.

 

Im Zuge der Arbeiten kamen auch Mängel an der Kirchtüre und im Windfang zum Vorschein: Durchgerosteter Türschließer, kaputter Schmutzfänger, gesprungene Marmorplatten... 

 

Hier sind ein paar Kostproben von den Arbeiten auf der Baustelle zu sehen:

Worte

Denken wir über etwas Einfaches nach, über die „Worte“. Eines ist so gut wie sicher: An diesem Tag werden Worte in großen Mengen fallen, wie immer. Der Mensch ist jenes Wesen der Erde, dass sich zur Kommunikation der Sprache bedienen kann. Sprechen können ist unsere Stärke, zugleich ein möglicher Schwachpunkt. Ein einzelnes Wort kann im einen Fall Brücken bauen, im anderen Fall Brücken zum Einsturz bringen. Ein rechtes Wort zur rechten Zeit baut auf, stärkt, orientiert, verbindet, versöhnt, bringt Menschen einander näher.

 

Als Christen haben wir einen zusätzlichen Bonus, einen Wort-Bonus. Die christliche Religion ist die Religion des Wortes. Gott hüllt sich nicht in Schweigen, er hat ein Wort für uns. Dieses Wort Gottes ist kein bloß Gesprochenes, kein nur Gedrucktes. Gottes Wort hat einen Namen, ein Gesicht, es ist eine Person. Christus ist Gottes ewiges Wort, in ihm spricht Gott sich selber aus, in ihm spricht er uns Menschen an. Dadurch, dass Gott uns sein persönliches Wort schenkt, hat auch das menschliche Wort eine neue Qualität bekommen, es ist veredelt worden. Worte haben die Anlage in sich, zu Gottesbegegnungen zu werden.

 

Ich möchte also meinen Worten heute besondere Aufmerksamkeit schenken. Von Mathis Claudius lasse ich mir den Rat geben: „Sage nicht alles, was du weißt. Wisse aber immer, was du sagst.“ Bevor ich zu sprechen beginne, möchte ich ein Hörender sein. Für heute nehme ich mir vor, meine Worte mit Bedacht zu wählen. Für heute nehme ich mir vor, nicht alles hören zu müssen, was so gesprochen wird.

 

Für heute nehme ich mir aber auch vor, zu sagen, was gesagt sein muss. Für heute nehme ich mir vor, nicht zu allem zu schweigen. Für heute nehme ich mir vor, mit guten Worten nicht zu sparen, wenn sie nützen und andere aufbauen. Für heute nehme ich mir vor, den Worten jenen Sinn beizumessen, den sie wirklich haben.

 

Herr, bewahre mich vor leeren Worten, vor bloßem Gerede und unnötigem Geschwätz. Löse meine Zunge, wenn sie schweigt, wo ich reden soll. Der Herr, das ewige Wort des Vaters, segne diesen Tag.

 

Aus "Kurz vor Halb", Gedanken für den Tag von Pf. Christoph Haider

 

60 Stunden PLus

(C) mycola-fotolia
(C) mycola-fotolia

Bei einem Klausurtag der Pfarrgemeinderäte unseres Seelsorgeraumes in Maria Waldrast am 06. 09. 2014 kam es zu einem wertvollen Austausch. Als Impuls für unsere Jahresplanung 20014/2015 wurde die Aktion "60 Stunden Plus" vorgestellt:

 

Wenn wir uns alle miteinander bemühen, in diesem Arbeitsjahr an den Sonntagen und kirchlich gebotenen Feiertagen die Feier der heiligen Eucharistie in den Mittelpunkt zu stellen, kommen 60 Plusstunden heraus.  60 Stunden sind im  Verhältnis zu den 8760 Stunden eines Jahres weniger als ein Prozent, also nicht viel. Aber vom "Mehrwert" her gesehen, der durch die treue Anbindung an den Herrn geschieht, sind diese 60 Stunden ein großes Plus: Ein Segen für uns selbst und viele andere.

 

Aufgrund der vorhandenen Infrastruktur gibt es im Seelsorgeraum den Schwerpunkt "Kinderkirche" in Flaurling: einmal im Monat am Sonntag um 9.00,

 

sowie den Schwerpunkt "Jugendkirche" In Oberhofen, jeweils am Sonntag abend um 19.00.  

 

Predigt zum Tiroler Landesfeiertag - mit aktuellem Bezug

Predigen, so denke ich, muss im Grunde genommen etwas ganz Einfaches sein: Wir brauchen nur den Dialog, den Gott im biblischen Wort mit uns aufgenommen hat, aufgreifen und fortsetzen. Dazu brauchen wir nicht viel mehr als ein offenes Herz. Das wollen wir jetzt versuchen.

 

Heute sagt uns das Wort Gottes, dass Maria in den Augen Gottes einen ganz wichtigen Platz einnimmt. Sie ist nicht nur das einfache Mädchen aus Nazareth. Maria ist die  „Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond  liegt unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen ist  auf ihrem Haupt.“ Mit anderen Worten: Von Maria geht ein so großes Licht aus, dass es eines großen Vergleiches bedarf, um ihre Leuchtkraft zu beschreiben. Was die Sonne im Universum ist, das ist Maria im Leben der gläubigen Menschen. Maria hat eine gewaltige Ausstrahlung. Deshalb war damals ihre Verwandte Elisabeth innerlich so berührt, als Maria an ihre Haustüre klopfte: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Und nicht nur Elisabeth wurde innerlich von Gott berührt, als Maria vor ihr stand. Auch ihr noch nicht geborenes Baby fing vor Freude zu hüpfen an.

 

Diese Ausstrahlung der heiligen Maria hat inzwischen zugenommen. Durch ihre Aufnahme in den Himmel hat Maria heute einen weit größeren Aktionsradius als sie es damals hatte. Jetzt ist sie die Sonnenfrau, deren Licht in alle dunklen Ecken dieser Welt reicht.  Was machen wir mit diesem Licht, das von Maria ausgeht? Ganz einfach: Zunächst stellen wir uns selber in den Lichtkegel von Maria. Heute am Namenstag unserer Pfarrkirche tun wir das ganz bewusst für alle Menschen in unserer Gemeinde. Dann möchte ich heute drei kleine Brennpunkte der Welt nennen, für die wir uns einen liebevollen und erhellenden Lichtstrahl der Gottesmutter Maria erbitten. Hl. Maria, leuchte mit deinem gnadenvollen Licht dem Papst Franziskus, der sich in Südkorea aufhält. Lass von dieser Reise eine Welle der Sympathie für den christlichen Glauben in ganz Asien ausgehen. Einen zweiten großen Lichtstrahl erbitten wir für die Krisenherde der Menschheit, im Irak, in Syrien, in Israel und im Gazastreifen, in der Ukraine, in vielen afrikanischen Ländern.

 

Schließlich erbitte ich von der heiligen Gottesmutter einen besonderen Lichtstrahl für unseren Gesundheitsminister in Österreich. Er setzt sich seit Sommerbeginn so vehement und fast verbissen dafür ein, dass in Tirol und Vorarlberg in den öffentlichen Spitälern Abtreibungen vorgenommen werden. Denken wir zur Orientierung in dieser Frage noch einmal an das Evangelium heute: Der ungeborene Sohn der schwangeren Elisabeth hüpfte vor Freude im Schoß seiner Mutter. Bei uns in einem Wohlstandsland wie Österreich sollen Ungeborene im Mutterleib zittern und um ihr Leben bangen müssen? Und das im Auftrag des Gesundheitsministers? Ich flehe die heilige Maria um ihre Hilfe an, dass sie die Politiker und Ärzte in unserem Land mit ihrem Lichtstrahl aufrüttelt und zu Anwälten des Lebens macht.   

 

 

Heilige Maria, du Frau mit der Sonne umkleidet, bitte für uns!          

 

Pfarrer Christoph Haider

Lernen aus der Natur

Wenden wir unsere Aufmerksamkeit einem Bibelwort zu. Es handelt sich um eine Beschreibung des Reiches Gottes aus dem Mund Jesu. Wie viele andere seiner Worte zeigt es seine Vorliebe für die unscheinbaren, kleinen Dinge des Lebens, die man leicht übersieht, die aber in den Augen Gottes letztlich das Wesentliche ausmachen. Hören wir den Vergleich: "Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hoch gewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten" (Mt 13, 31-32).

        

Vor ein paar Jahren schickte mir jemand so ein Senfkorn. Ich habe es sorgsam aufbewahrt. Auf einer Postkarte ist es mit einem Klebestreifen festgemacht, damit es nicht verloren geht. Das Samenkorn ist so winzig, dass man es mit freiem Auge kaum sehen kann. Wenn man nicht wüsste, was es ist, würde man es mit einem Staubteilchen verwechseln und unbeachtet beiseite schieben.

 

Nun zum Inhalt des Vergleiches. Kleine Dinge sind nur anscheinend klein. Von den Menschen oft als unwichtig diagnostiziert, übersieht man ihre Wichtigkeit und meint, sich dem Großen zuwenden zu müssen. Doch was ist schon groß?! Das Reich Gottes steht nicht im Guinness-Buch der Rekorde. Es lässt sich auch nicht mit Statistiken beschreiben. Es beginnt und entfaltet sich unter dem Vorzeichen des „Kleinen“. Das aber ist für uns ein Hoffnungsschimmer. Betrachten wir den heutigen Tag als einen Garten Gottes und uns als Gärtner, so lässt sich manches Senfkorn in die Erde stecken mit der Verheißung Gottes, dass er es zu seiner Stunde wachsen lässt.

 

Das regt an, uns heute in vielen kleinen Dingen als Senfkornsetzer zu versuchen:

Ein kleines Wort zur rechten Zeit,

ein freundlicher Blick für einen unliebsamen Mitmenschen, ein aufrichtiges Bitte und Danke im Umgang miteinander, Familienmitgliedern kleine Aufmerksamkeiten bereiten,

ein kleiner Verzicht aus Liebe,

kleine Zeiten des Gebetes,

kurze Momente der Vereinigung mit Gott,

kleine Aufgaben von heute nicht auf morgen verschieben...

 

und dies alles in Gottes Hände legen, damit er es für das Reich Gottes einsetzen und wachsen lassen kann.

 

Herr, lass mein Tagewerk ein Senfkorn sein, lass mich selbst in deiner Hand ein Samen sein, den du in die gute Erde stecken kannst, damit allmählich ein schönes Gewächs daraus wird.

 

Aus "Kurz vor Halb"- Gedanken für den Tag von Pfarrer Christoph Haider

 

Seelsorgeraum-Wallfahrt Maria Trens

Die Wallfahrer aus Pfaffenhofen-Oberhofen-Flaurling am Pfingstmontag vor der Maria Trenser Kirche
Die Wallfahrer aus Pfaffenhofen-Oberhofen-Flaurling am Pfingstmontag vor der Maria Trenser Kirche

Pfingstpredigt

„Jesus hauchte die Jünger an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist.“ Die christlichen Theologen haben sich intensiv mit diesem Vorgang beschäftigt: Der Heilige Geist wird durch Jesus geschenkt. Er gibt ihn, indem er die Jünger anhaucht. Der Heilige Geist selber wird deshalb auch Atem oder Odem Gottes genannt. Zu Pfingsten in Jerusalem war der Atem Gottes ein richtiger Sturm, im Alltag ist es oft ein sanfter Hauch, durch den der Heilige Geist sich zeigt. Viele von uns würden sich einmal einen kräftigen Sturm wünschen, damit der Heilige Geist uns Christen aufweckt. Wir sind aber auch dankbar, wenn er ganz still und treu uns seine Gaben einhaucht. Zum Pfingstfest wünschen wir uns den frischen Atem Gottes. Die drei Wünsche lesen wir aus dem Festtagsevangelium heraus:

 

Die Jünger Jesu hatten aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen. Jesus trat bei ihnen ein und gab ihnen den Heiligen Geist, damit sie diese Furcht vor den Menschen überwinden. Die Menschenfurcht ist ein ständiger Begleiter im Leben. In unseren Tagen entsteht diese Furcht vor allem durch gesellschaftliche Vorgaben. Die medial gesteuerte Gesellschaft mischt sich in alles ein. Es bleibt kaum ein Platz für eigenständiges, unabhängiges und vor allem gläubiges Handeln. Die Furcht davor, ein gesellschaftlicher Außenseiter zu sein, blockiert uns oft – unbewusst – in unserem christlichen Handeln. Deshalb möchte ich bitten: Jesus schenke uns deinen frischen Atem, den Heiligen Geist, dass er uns von dieser Furcht befreit. Heiliger Geist, mach aus uns furchtlose Christen.

 

Ein zweiter Wunsch, den wir dem Evangelium des Pfingstfestes entnehmen. Nachdem Jesus die Jünger angehaucht und den Heiligen Geist gegeben hatte, nannte er als erste Frucht des Geistes die Vergebung der Sünden. Das ist kein Zufall. Die Erneuerung des Menschen und der Welt vollzieht sich nur über die Erkenntnis und Vergebung von Schuld. Das Wort Schuld wird heute gar nicht so wenig gebraucht, aber hauptsächlich in Bezug auf die anderen. Die anderen sind schuld – auch dann, wenn jemand selber Fehler macht. Deshalb sind Worte wie „Entschuldigung“, „es tut mir leid“,  „bitte um Verzeihung“, „da ist mir ein Fehler unterlaufen“ oder gar „ich habe gesündigt“ selten zu hören. Zum Pfingstfest wünsche ich uns den frischen Atem Gottes, der uns vom Unschuldswahn befreit. Heiliger Geist, lass uns zugeben und bekennen, dass wir selber Sünder sind und Schuld haben. Dann kannst du uns vergeben!

 

Ein dritter Wunsch aus dem Evangelium des Pfingstfestes. Aus der Begegnung zwischen Jesus und den Jüngern stechen die Worte Friede und Freude hervor.  Die Jünger gewinnen die Freude zurück, die sie vorher verloren hatten. Und der Friede ist wieder da, den sie im Umgang mit Jesus so oft schon erfahren hatten. Friede und Freude sind Markenzeichen des Heiligen Geistes. Wo der Geist Gottes Menschen anhaucht, kehren solche Gaben ein. Der heutige Mensch sucht Frieden und Freude in vielen Ablenkungen und Genüssen von außen. Sobald die Reize vergehen, kehrt sehr oft Leere ein. Das ist eine Erfahrung unserer Zeit: Immer mehr Menschen sind innerlich ausgebrannt, leer, freudlos, ohne innere Ruhe, obwohl es noch nie so viel Möglichkeiten gab, zu relaxen und sich zu vergnügen. Zum Pfingstfest wünsche ich uns den frischen Atem Gottes, der uns von Innen her mit seiner Gegenwart erfüllt. Heiliger Geist, schenk uns dauerhaften Frieden und von „himmlischer Herrlichkeit verklärte Freude“ (1 Petr 1,8).

 

        

Pfarrer Christoph Haider

Erstkommunion

Einzug zur Kirche mit Musikkapelle, Ministranten und Kindern
Einzug zur Kirche mit Musikkapelle, Ministranten und Kindern

Die Oberhofer Erstkommunionkinder auf dem Weg zum Kreuzwegbeten in Flaurling. 

Der Eintrag im Bild kommt von Herzen
Der Eintrag im Bild kommt von Herzen

Solche und ähnliche Zeichnungen finden sich in den Religionsheften der Erstkommunionkinder aus Oberhofen, die am Muttertag, 11. Mai 2014, die erste heilige Kommunion empfangen. 

Gespräch zwischen Maria Magdalena und dem Engel am Grab Jesu
Gespräch zwischen Maria Magdalena und dem Engel am Grab Jesu

Ein gesegnetes Osterfest

Allen Besuchern

der Homepage

wünschen wir

ein gesegnetes

und frohes

Osterfest!

 

Pfarrer Christoph Haider und Mitarbeiter des Seelsorgeraumes

 

Osterpredigt zu Matthäus 28,1-10

 

Es ist die schönste Frage, die mir in letzter Zeit gestellt wurde. Ein Bub, der nicht getauft ist und nicht am Religionsunterricht teilnimmt, kam in der großen Pause zu mir und fragte mich: Hast du Gott schon einmal gesehen? Eine wirklich großartige Frage! Ist das  vielleicht die Frage vieler Menschen, auch mancher Katholiken? Können wir Gott heute sehen? Wo finden wir ihn? Ist Jesus wirklich auferstanden? Ist es möglich, ihm zu begegnen?

 

 

Auf diese Kernfragen des Glaubens bekommen wir heute eine kleine, aber wichtige Antwort. Matthäus erzählt uns von den Frauen am Grab Jesu. Zuerst hören sie einen Engel reden und dann sagt ihnen Jesus selber noch einmal dasselbe - doppelt hält besser. Es geht um die ungläubigen, ängstlichen und unsicheren Jünger. Jesus ist ihnen abhanden gekommen. Sie sehen ihn nicht mehr. Sie haben den Anschluss verloren. Jetzt sollen ihnen die Frauen in seinem Namen ausrichten: Wenn ihr Jünger Jesus sehen wollt, dann müsst ihr nach Galiläa gehen. Dort werdet ihr ihm begegnen. Er geht euch voraus.

 

Also erstens finden sie Jesus in Galiläa und zweitens geht er ihnen voraus. Das sind zwei wichtige Anhaltspunkte für jeden Menschen, der an Jesus glauben will. Galiläa war die Heimat der Jünger. Dort hatten sie ihre ersten Jesuserfahrungen gemacht. Mit anderen Worten, wenn sie ihn wieder finden wollen, müssen sie dort anknüpfen, wo sie schon einmal mit ihm zusammen waren. Sie brauchen dazu nicht in die Ferne schweifen. Das gilt auch für uns: Knüpfen wir dort wieder an, wo wir einmal sehr gläubig waren. Vielleicht ist es bei manchen schon länger her. Aber es gibt die Anknüpfungspunkte, ganz gewiss.

 

Das zweite, die Jünger sollten Jesus nachgehen, der ihnen nach Galiläa vorausgehen würde. Jesus begegnet man nur ihm Gehen, nicht im Stehen. Die große Gefahr vieler Katholiken heute ist, dass sie einen Schritt voraus machen und dann wieder einen zurück. Viele feiern Weihnachten und dann fahren sie den Glauben wieder auf ein Minimum zurück. Es  kommt Ostern, danach ist wieder alles Alltag. Um dem auferstandenen Jesus im Glauben wieder näher zu kommen, dürfen wir nicht stehen bleiben, sondern immer einen Schritt weiter gehen.  

 

Zurück zur Frage: Hast du Jesus schon einmal gesehen?  Ich sehe seine Spuren in Galiläa, also in meiner Heimat, in meinem Leben. Und ich begegne ihm, indem ich ihm nachfolge. Er geht mir voraus.    

 

Pfarrer Christoph Haider

 

 

Gründonnerstag in Oberhofen

Predigt zu Ex 12, 1-8.11-14

 

Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus … Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. Gegen Abend soll die ganze versammelte Gemeinde Israel die Lämmer schlachten … Man nehme etwas von dem Blut und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz an den Häusern, in denen man das Lamm essen will … Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll ein Zeichen zu eurem Schutz sein.

 

Mit diesen Sätzen aus dem Buch Exodus werden wir in den Ablauf und die Bedeutung des jüdischen Paschafestes eingeführt. Die Aussagen über das jüdische Paschalamm bilden auch die Grundlage, um das Tun Jesu beim letzten Abendmahl besser zu verstehen. Die Opferung der Lämmer und deren Blut an den Haustüren hatte kultische Bedeutung. Für ein Hirten- und Beduinenvolk, wie es die Israeliten waren, bedeutete ein einjähriges, fehlerloses Lamm mehr als nur ein Stück Fleisch. Es war ein Teil der Lebensgrundlage und eine familiäre Kostbarkeit, fast wie die eigene Identität. Das Opfern des Lammes sollte Gott gegenüber Dank ausdrücken und der eigenen Familie Schutz vermitteln. Darüber hinaus war das Paschalamm die Wegzehrung in der Nacht vor dem großen Aufbruch aus Ägypten.

 

Als Jesus beim letzten Abendmahl über Brot und Wein sagte, „das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird und das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“, hatten die Jünger vermutlich das Paschalamm gerade aufgetischt. Bei diesem Anblick musste sich den Jüngern ein direkter Zusammenhang zwischen dem geopferten Lamm und den Worten Jesu über Brot und Wein aufdrängen. Später, nach der Auferstehung, erkannten sie: Was Jesus in der Nacht vor seinem Tod beim Abendmahl vorweggenommen hatte, ist am Tag darauf mit ihm wirklich geschehen: Er starb am Kreuz als das neue Lamm Gottes. Seine Hingabe war das endgültige und ewige Opfer vor Gott. Jesus ist das neue Osterlamm, dessen Leib uns als Wegzehrung gegeben wird und dessen Blut uns schützt und heiligt.

 

Machen wir einen Sprung vom Paschalamm über das Gotteslamm zu uns. Mit dem Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ hat uns Jesus die Möglichkeit geschenkt, dass wir in der Feier der Messe ihm, dem Lamm Gottes, begegnen können. Auf seine besondere Art erneuert er unter uns sein Opfer. Er zieht uns Teilnehmer hinein in seine selbstlose Liebe bis in den Tod. Wenn wir sagen hören „Seht das Lamm Gottes“ gibt er uns die Möglichkeit, ihn in seiner reinen Liebe anzuschauen. Natürlich können wir ihn nicht mit leiblichen Augen sehen. Aber unser gläubiges Herz erblickt in der heiligen Hostie das geopferte Lamm und im Kelch das Blut des Lammes. Dann kann es zu einer Begegnung und zu einem Austausch kommen. Wer sich in dieses Geschehen hineinnehmen lässt, kommt am Ende der Messe nicht gleich heraus wie vorher. Machen wir heute am Gründonnerstag einmal das Experiment: Lassen wir uns vom Blut des Lammes reinigen, heiligen, schützen und verändern. Im Zentrum der Messe steht die Wandlung. Sie besitzt die Kraft aus Brot den Leib, aus Wein das Blut Christi und aus uns gewöhnlichen Menschen echte, gläubige und liebevolle Christen zu machen. Lassen wir das Lamm Gottes an uns wirken.    

 

 Pfarrer Christoph Haider         

 

Vom Tod zu Leben

Predigt zum 5. Fastensonntag/ Joh11,1-45

 

Entweder hat Johannes eine gut ausgedachte unglaubliche Geschichte zusammengestellt oder er erzählt uns von einem gut bezeugten umwerfenden Ereignis. Als Christen haben wir schon die Entscheidung für die zweite Variante getroffen: Wir sind zum Glauben gekommen, dass Jesus nicht nur symbolische Zeichen gewirkt hat, die dann später ausgeschmückt wurden, sondern echte Macht über den Tod ausgeübt hat. Was Jesus an Lazarus gezeigt hat, hat sich in seiner eigenen Auferstehung verstärkt. Jesus kann die Toten zum Leben erwecken. Nicht nur für eine kurze Verlängerung des Lebens um ein paar Jahre. Seine Macht über den Tod ist eine endgültige.

 

Dazu erfahren wir in Zusammenhang mit Lazarus etwas Wichtiges: Fromme Juden – wie die Familie von Lazarus – glaubten schon vor der Begegnung mit Jesus an die Auferstehung. Gott wird das irgendwann in der Zukunft möglich machen, am Jüngsten Tag. Martha, die Schwester des Lazarus, sprach diese Überzeugung Jesus gegenüber aus. Daraufhin korrigierte Jesus Martha und teilte ihr mit: Die Auferstehung ist nicht bloß eine Sache der Zukunft. Auferstehung fängt jetzt an. Sie kommt dadurch zustande, dass ein Mensch sein ganzes Vertrauen auf Jesus setzt. Jesus ist nicht nur einer, der das ewige Leben verkündet. Er ist nicht nur Auferstehungshelfer. Jesus ist das Leben und die Auferstehung in Person. An unserer lebendigen Verbindung zu Jesus entscheidet sich also, ob wir tot sind oder leben.

 

Wir können uns das so vorstellen: Wer sich im Glauben für Jesus öffnet, empfängt von ihm die Arznei der Unsterblichkeit. Diese Medizin schenkt er uns das erste Mal in der heiligen Taufe.  Die weiteren Sakramente sind für uns wichtige Auffrischungen dieser göttlichen Behandlung gegen den Tod. Wenn das göttliche Leben in uns schwächer wird oder stirbt, heilt uns das Beichtsakrament und gibt uns das Leben wieder. Die Firmung stärkt uns auf unserem Weg, damit wir das Leben Gottes nicht verlieren. Besonders wichtig ist für uns die sonntägliche Eucharistiefeier. Der Grund, warum wir an jedem Sonntag zur heiligen Messe kommen, ist kein Zwang von außen. Es ist eine innere Notwendigkeit, die uns in das Haus Gottes zieht. Der Sonntag ist der wöchentliche Therapietag: In der Messe injiziert Jesus die Hoffnung auf Unsterblichkeit in unser Herz.

 

Keine ärztliche Heilmethode, keine menschliche Institution, keine Lebensversicherung haben uns je solche Zusagen gemacht, wie wir sie von Jesus empfangen haben. Die gläubige Verbundenheit mit ihm vermittelt uns unsterbliches Leben.  

 

Anfangs hat es geheißen, entweder ist alles eine gut erdachte Geschichte oder es ist echt wahr. Jesus war entweder ein guter Mann, von dem später so manches Geschichtchen erzählt wurde, oder er ist wirklich, was er sagt: „die Auferstehung und das Leben“. In diesem - zweiten -  Fall dürfen wir  dankbar sein, dass wir ihn kennen und Anteil an seinem Leben empfangen haben. Vergessen wir nicht die Auffrischungen. Das Leben Jesu in uns darf nicht sterben. Es bedarf der ständigen Erneuerung.      

 

Pfarrer Christoph Haider

   

 

Das lebendige Wasser im Blick auf das Beichtsakrament

Predigt 3. Fastensonntag/A 2014 – Das Beichtsakrament  als lebendiges Wasser

 

Vor 2 Wochen habe ich angekündigt, es wird in der Fastenzeit noch einmal um das Thema Beichtsakrament gehen. Heute ist eine günstige Gelegenheit. Die Anregung kommt aus dem Johannesevangelium. Jesus führt mit einer Frau aus Samaria eine Art Beichtgespräch. Als Einstieg  bittet Jesus die Frau um einen Schluck Wasser. Als sie verwundert nachfragt, warum er sie um diesen Gefallen bittet, dreht Jesus die Situation um: Würde die Frau um die große Gabe Gottes wissen, würde sie ihn darum bitten. Diese Szene am sogenannten Jakobsbrunnen ist ein gutes Bild für die Situation bei einer Beichte. Zuerst ist es beim Beichtsakrament so, dass wir um etwas gebeten werden, um ein Sündenbekenntnis: So und so sieht es bei mir aus. Damit  geben wir Gott ein Stück unseres Lebens. Dann aber schenkt uns Jesus im Gegenzug die viel größere Gabe Gottes, das lebendige Wasser, das uns reinwäscht und unseren Durst stillt.

 

Ich kann mir vorstellen, dass für viele von euch dieses Bild mit dem Schluck Wasser und dem lebendigen Brunnen nicht verständlich ist. Deshalb noch ein anderer Vergleich: Wir gehen zum Arzt. Niemand von uns würde auf den Gedanken kommen, dass beim Arztgespräch die Darstellung unserer persönlichen Situation schon alles ist. Zu sagen, wo es fehlt oder wehtut, ist wichtig, aber viel wichtiger noch sind die Diagnose und die Therapie. So ist es auch beim Beichtsakrament. Das Aussprechen der Sünden ist nur der Schluck Wasser von uns. Aber die heilende Quelle, die Vergebung und Stärkung, um die es geht, kommen von Jesus. Ich sage das deshalb, weil ich aus Erfahrung weiß, dass viele Menschen umgekehrt denken. Sie konzentrieren sich voll und ganz auf das Bekennen der Sünden und vergessen, dass beim Beichtsakrament wie bei allen Sakramenten die Hilfe Gottes das Wesentliche ausmacht. Wir offenbaren vor Gott die eine oder andere schmutzige Stelle in unserem Leben, und er gibt uns einen ganzen Brunnen voll lebendigem Reinigungswasser. So ähnlich ist das Verhältnis von Sündenbekenntnis und Lossprechung.

 

Eine Schwierigkeit bleibt bestehen: In dem Gespräch am Brunnen schaute Jesus der Frau direkt ins Herz und deckte von sich aus ihren wunden Punkt auf. Bei uns ist das anders. Jesus nimmt die Vergebung der Sünden nicht direkt vom Himmel aus vor. Er hat sie an den Dienst der Kirche gebunden. Die Priester sind sozusagen die Arzthelfer. Sie dürfen das heilende Medikament verwalten. Ein Priester ist aber kein Hellseher  - wie ein Arzt auch nicht immer auf Anhieb weiß, wo der Patient Beschwerden hat. Das bedeutet, der Priester muss eingeweiht werden in den seelischen Zustand eines Beichtenden. Es geht um kein Ausforschen oder unangenehmes Ausfragen. Eher um ein behutsames Aufzeigen der wichtigsten Mängel. Ein Beispiel: Es kommt jemand nach langer Zeit wieder zur Beichte. Er öffnet den Beichtstuhl, macht das Kreuzzeichen und sagt: „Ich habe schon Jahre nicht mehr gebeichtet und möchte das heute tun. Es fällt mir etwas schwer, meine Sünden zu benennen.“ Nach dieser Einleitung wird der Priester sich bereit erklären, mitzuhelfen. Gemeinsam werden sie die Gebote Gottes durchnehmen und das Gewissen erforschen. Natürlich ist es gut, wenn jemand das schon im Vorfeld getan hat. Aber selbst dann darf er um Mithilfe bitten. Am Schluss sagt man ein kurzes Reuegebet, etwa „Mein Jesus Barmherzigkeit“ und wartet auf den therapeutischen Rat des Seelsorgers sowie auf die Lossprechung. Während der Lossprechungsworte macht der Beichtende das Kreuzzeichen in dem Bewusstsein, dass ihn Jesus durch seinen Tod am Kreuz von seinen Sünden erlöst hat.

 

 

Eine Bemerkung: Die Kirche hat ihre Gläubigen immer aufgefordert, wenigstens einmal im Jahr oder besser noch öfter das Beichtsakrament zu empfangen. Aber es war nie vorgeschrieben, bei welchem Priester das zu geschehen hat. Aus Gründen des Vertrauens und der Diskretion kann sich jeder Katholik seinen Beichtvater selber suchen. Mundpropaganda ist die beste Werbung für Priester, die auf diesem Gebiet besonders begabt sind. Aber abhängig von der Begabung ist die Lossprechung nicht, weil der Spender des Beichtsakramentes nur der Helfer ist. Der eigentliche Arzt ist Jesus. Seine Heilsgabe ist das lebendige Wasser, das reinigt und stärkt.   

 

Pfarrer Christoph Haider

 

Foto (c) ©RazvanPhotography 2004-2005

Hoch lebe Papst Franziskus

Zum ersten Jahrestag seiner Wahl grüßen wir Papst Franziskus und danken ihm für seinen hingebungsvollen Einsatz im Amt des Petrusnachfolgers.

 

Wir wissen uns mit ihm im Gebet verbunden!

 

Wiederentdeckung

Predigt zum 1. Fastensonntag

 

Versuchung und deren Überwindung, Sünde, Umkehr, Vergebung und Barmherzigkeit sind Leitttehmen der Fastenzeit. Letzteres ist ein Lieblingsthema von Papst Franziskus, das er oft mit dem Sakrament der Beichte in Verbindung bringt.  Am 30. Jänner gab er den Bischöfen Österreichs bei ihrem Ad-lima Aufenthalt in Rom folgenden Auftrag mit nach Hause: „Die Beichte ist der Ort, wo wir Gottes barmherzige Liebe erfahren und Christus begegnen, der uns die Kraft zur Umkehr und zum neuen Leben gibt. Und wir wollen als die Hirten der Kirche den Gläubigen beim Wiederfinden dieses wunderbaren Sakraments einfühlsam und verständnisvoll zur Seite stehen und sie gerade in dieser Gabe die Liebe des Guten Hirten spüren lassen. So bitte ich Euch, werdet nicht müde, die Menschen zur Begegnung mit Christus im Sakrament der Buße und der Versöhnung einzuladen.“

 

Drei Wochen (Generalaudienz 19. 02. 2014) später griff Papst Franziskus das Thema noch einmal öffentlich auf dem Petersplatz auf: „Ich möchte euch fragen – sagt es aber nicht mit lauter Stimme, jeder möge in seinem Herzen antworten –: Wann hast du zum letzten Mal gebeichtet? Jeder denke darüber nach… War es vor zwei Tagen, vor zwei Wochen, vor zwei Jahren, vor 20 Jahren, vor 40 Jahren? … Und wenn viel Zeit vergangen ist, dann verliere keinen Tag mehr, geh hin… Jesus nimmt dich an, er nimmt dich sehr liebevoll an. Sei mutig und geh zur Beichte!“

 

In der heurigen Fastenzeit möchte ich der Bitte des Papstes entsprechen und beim Wiederfinden dieses wunderbares Sakramentes behilflich sein. Dazu fürs Erste zwei Überlegungen. Erstens, Papst Franziskus getraut sich völlig ungeschützt und offen über dieses Sakrament zu sprechen. Warum ist das bei uns so schwierig? Warum muss ein Papst aus Argentinien den Bischöfen , Priestern und Gläubigen in unseren Landen darin Nachhilfe geben? Franziskus hat keine Angst zu sagen: „Auch die Priester müssen beichten, auch die Bischöfe: wir alle sind Sünder. Auch der Papst beichtet alle 14 Tage, denn auch der Papst ist ein Sünder! Und der Beichtvater hört die Dinge, die ich ihm sage, er rät mir und er vergibt mir, denn wir alle brauchen diese Vergebung.“ (Generalaudienz 20.11.2013)

 

Warum bei uns Beichte so schwer zu thematisieren ist, hat wohl mit unserem komplexen Denken zu tun. In den deutschsprachigen Ländern gibt es eine Stärke, die zugleich eine Schwäche ist. Wir sind Menschen, die viel denken und noch mehr analysieren. Während in südlichen Ländern Gläubige in offenem Beichtstuhl ihre Sünden bekennen oder auf der Straße Priester für die Beichte ansprechen, gehen wir in Gedanken mehrmals um den verschlossenen Beichtstuhl herum und überlegen alle Gründe, die dafür und alle Gründe, die dagegen sprechen: „Der Pfarrer kennt mich, also zu dem kann ich nicht gehen – was würde der über mich denken! Der Beichtstuhl sieht so eng aus, da bekomme ich Platzangst, aber in ein Beichtzimmer getraue ich mich noch weniger, da bin ich wieder zu scheu. Ich beichte ja eh meine Sünden direkt vor Gott, da brauche ich eigentlich keinen anderen Menschen dazu. Außerdem haben Priester auch Fehler. Ich hab schon einmal gehört, dass ….“

 

So ähnlich laufen die Gedanken ab und bis sich jemand durch all diese Analysen durchgedacht hat, vergehen oft viele Jahre ohne Beichte. Um aus diesen komplizierten Denkmustern herauszukommen, muss der Impuls mehr aus dem Herzen kommen und dann einfach umgesetzt werden. Wenn jemand sagt, ich habe lange nicht mehr gebeichtet, ich weiß nicht wie anfangen, aber ich habe den Mut dazu, dann ist er schon auf dem richtigen Weg. Sprecht einfach einmal einen Priester eures Vertrauens an! Letzten Sommer z.B. habe ich mit anderen Priestern Beichten von Jugendlichen nachts auf einem Sportplatz gehört. Es war bei einer Weltjugendtagsveranstaltung im Allgäu. Manche der Jugendlichen sprachen uns Priester direkt an und schon waren wir mitten im Sakrament der Beichte.

 

 

Eine zweite Überlegung zur Beichte. Wir leben in einer Generation, in der alles mehr oder weniger psychologisch angegangen und gedeutet wird. Irgendwie sind wir alle geistige Nachfahren von Sigmund Freud! Deshalb ist es für uns echt schwer geworden, Sünde als solche anzuerkennen und zuzugeben. Wir haben so rasch Erklärungen parat. Aus Sünden werden Fehler, die man sich verzeiht. Diese psychologische Selbstrechtfertigung macht es uns fast unmöglich, Gottes Barmherzigkeit zu empfangen. Wir müssen wieder dahin zurückkehren, ehrlich mit uns selbst zu sein und wie Papst Franziskus zu sagen: Auch ich bin ein Sünder. Denken wir daran, Gott hat eine besondere Liebe zu den Sündern. Aber er tut sich sehr schwer mit den Selbstgerechten. An einem der Fastensonntage gibt es eine Fortsetzung zu diesem Thema. Mutige müssen aber nicht bis dahin warten.

 

Pfarrer Christoph Haider

Zerreißt eure Herzen

Predigt am Aschermittwoch, Pfarrer Christoph Haider

 

Wir sind zu einer kleinen Begegnung mit der Heiligen Schrift eingeladen, mit einem Wort aus dem Alten Testament und einem aus dem Neuen. Der Prophet Joel fordert mit einer Bildrede die Menschen zur Fastenzeit auf: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um, zum Herrn, eurem Gott!“ Wenn jemand sich öffentlich die Kleider zerriss, war das im jüdischen Altertum ein äußeres Zeichen für Trauer, Fasten und Klage. Das Einreißen des Kleides war ein Buß- und Trauerritus ähnlich wie das Bestreuen mit Asche. Joel mahnt das Volk, nicht bei einer äußeren Bußfeier stehen zu bleiben, sondern innerlich zu Gott umzukehren. Die Herzen sollen aufgemacht werden, nicht die Kleider. Wir Christen können diese Aufforderung sehr gut mit den Worten in Einklang bringen, durch die Jesus uns in der Bergpredigt anspricht. Dreimal betont er, dass unsere guten Taten nicht im Äußerlichen stehen bleiben dürfen. Wer Gutes tut, soll es nicht tun, damit es einen guten Eindruck erweckt. Auch das Beten, Fasten und Almosengeben darf nicht in eine äußere Beschäftigung abgleiten. Es geht Jesus um das Innere des Menschen. Deshalb betont er: „Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

 

Aufbauend auf diesen beiden Worten der Heiligen Schrift wollen wir uns einen Impuls für die Fastenzeit geben. Bevor wir uns auf ein paar Fastenübungen festlegen, gehen wir an das Verborgene in unserem Leben heran. Wir machen sozusagen unser Herz auf und schauen auf die inneren Absichten. Die Motive sind vor Gott wichtiger als die Taten. Mit welcher Intention ein Mensch etwas tut oder nicht tut, macht die Qualität aus.

 

Eine besondere Aufgabe für uns ist die regelmäßige Erforschung des inneren Menschen. Welchen Dingen neigt sich mein Herz zu? Wo bleibt das Herz verschlossen? Asche auf dem Kopf muss zu Asche auf dem Herzen werden. Jede äußere Form der Veränderung gehört innerlich vorbereitet und begleitet.

 

Diese verborgene Arbeit an unserem Herzen ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Es geht in der Fastenzeit nicht um Ernährungsfragen, sondern zuerst um die Gottesfrage: Gott wieder neu in unser Herz hinein lassen! Oder wie Joel, der Prophet sagt: „Zerreißt eure Herzen, kehrt um zum Herrn, eurem Gott.“  Eine ganz wichtige praktische Übung – ähnlich dem Waschen des Gesichts oder dem Zähneputzen – ist die tägliche Gewissenerforschung: Den Tag vorüberziehen lassen und ihn mit Gott besprechen. Gutes anerkennen, Schlechtes zugeben und bereinigen.

 

 

 

 

 

 

                                                                                    

Nachdenkliches über die Zeit

Die Zeit

 

Vierundzwanzig Stunden hat ein Tag, in einer Woche sind das 168, in einem Jahr 8760 Stunden. Das ist eigentlich viel. Und doch klagen die meisten Menschen, dass die Stunden wie im Flug vergehen, dass die Zeit nicht ausgibt. Um dieses rasante Zeitgefühl richtig einzuschätzen, müssen wir bedenken, dass unsere Generation sich ja zum Ziel gesetzt hat, große Entfernungen immer rascher zu überbrücken, viele Dinge in möglichst kurzer Zeit zu erledigen, Informationen in höchst komprimierter Weise zusammen zu fassen, im Terminkalender die Eintragungen zu vermehren..., das hat natürlich Folgen.

 

Wer möglichst viele Dinge in eine begrenzte Form zu stopfen versucht, wird sehen, dass die Form zu eng wird und zu zerplatzen droht. So geht es uns auch mit der Zeit. Die zur Verfügung stehende Form eines Tages hat eben nur 24 Stunden Platz. Weil wir in den 24-Stunden-Behälter so viel hineinpacken möchten, platzt schlussendlich der Zeitrahmen und die Zeit rinnt aus.

 

Dass die Zeit verrinnt, ist natürlich eine Frage des Empfindens: Wir erleben es so. In anderen Winkeln der Erde ist das Empfinden anders. Dort wären die Menschen froh, wenn die Zeit rascher verginge und ihre Sorgen schneller schwinden würden. Aber das steht auf einer anderen Weltuhr geschrieben. Bei uns gehen die Uhren eben anders.

 

Wie gut tut es, uns schon am Morgen zu dem aufzuschwingen, der Herr über Zeit und Ewigkeit ist. Bei der Bereitung der Osterkerze heißt es immer: „Christus, gestern und heute, Anfang und Ende, Alpha und Omega. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit.“

 

Herr, schenk uns an diesem Tag Halt in dir, dem unwandelbaren Gott. Du hast mit uns Menschen die Zeit geteilt. Du bist eingestiegen in den Rhythmus von Kommen und Gehen. Gib uns heute Augenblicke, Halt zu machen bei dir. Lass uns immer wieder aussteigen aus dem Fluss der Zeit in deinen rettenden Hafen. Lass uns Zeit finden für dich, damit du unsere Stunden durchdringen kannst mit deiner Ewigkeit. 

 

 

Allen, denen die Zeit heute viel zu schnell vergehen wird, aber auch allen Einsamen und Leidenden, denen die Stunden viel zu lange dauern, erbitte ich Gottes Segen und Kraft.

 

Pfarrer Christoph Haider

 

 

Foto (c) Wikus Otto - Fotolia

Zum Nachdenken

Stellen wir uns vor: Die Geschichte von Narnia, wie sie sich in den Büchern von C. S. Lewis zuträgt, wäre wahr: Als Peter, Susan, Edmund und Lucy durch den alten Kleiderschrank ins Land von Narnia gelangen, herrscht dort seit hundert Jahren Winter. Ein böser Zauber liegt über dem Land,  verursacht durch Jadis, die weiße Hexe. Alles liegt in tiefen Schnee und Eis gehüllt. Es herrscht Kälte - dunkler Winter. Nie wird es warm, nie kommt der Frühling, niemals steigt die Sonne höher. 

 

Stellen wir uns weiter vor: Es wäre wirklich so, dass bei uns der Winter eines Tages stehen bleiben würde. Die Sonne würde sich nie mehr erwärmen. Die Schneedecke wäre undurchdringlich. Nie wieder würde es Frühjahr werden, keine Vegetation, kein Keimen und Wachsen in der Natur. Die Bäume fingen nie mehr an zu treiben.

 

Hundert Jahre Winter! Bei aller Schönheit des Winters, wäre diese Vorstellung ein Bild des Schreckens. Der Winter ist nur deshalb schön, weil er wieder vorüber geht. Ewiger Winter bedeutete das Ende jeden Lebens und Wachsens, ein Bild der Hoffnungslosigkeit.

 

In den Chroniken von Narnia kommt in dem Augenblick wieder Hoffnung auf, als sich einer alten Prophezeiung zufolge vier Menschenkinder bereit erklären, für den Sieg von Aslan, dem eigentliche Herrscher Narnias, ihr Leben einzusetzen. In diesem Augenblick fängt es in dem verhexten Reich an zu tauen. Der Winter ist bald vorüber.

 

Die Vorstellungen hinter dieser phantasiereichen Geschichte berühren sich mit wichtigen Aussagen unseres christlichen Glaubens. Die Welt liegt in einem trüben Zustand, vieles ist wie verhext. Es ist dunkel und kalt. Gott aber hat schon lange durch seine Propheten angekündigten, die verhexte Erde wieder ihrem eigentlichen Herrscher, nämlich Gott, zu unterstellen.  

 

Zu Weihnachten setzt Gott zur Rettung dieser Erde an. Was tut er? Er selber kommt in menschlicher Gestalt, um die Menschen aus der Herrschaft der Dunkelheit zu befreien. Mit der Ankunft Jesu fängt es langsam an zu tauen. Aber der Kampf zwischen Finsternis und Licht muss dann noch ausgestanden werden. Gott hat es sich nicht leicht gemacht. Der Weg zur Befreiung dieser Erde führt über den Tod des Befreiers. Erst als Gottes Sohn die Macht des Bösen und die Macht des Todes an seinem eigenen Leib sich austoben hat lassen, siegt das Licht, die Macht der Finsternis ist gebrochen. Die Liebe zeigt sich als die stärkere Macht.

 

Regelmäßig zum Weihnachtsfest singen wir in einem Volks- und Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert:

„Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht,
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.“

 

 

Das Jesuskind ist das Blümlein, das trotz Winterkälte zu Blühen beginnt. Mit ihm geht der böse Zauber der Erde zu Ende. Dunkelheit und Kälte besitzen keine unumschränkte Macht. Mitten im ewigen Winter der Menschheit kommt der Erlöser. Mit ihm geht die Hoffnung auf: Es gibt eine Zukunft. Auch für einen jeden von uns. 

 

Pfarrer Christoph Haider

 

 

Oberhofen hilft Afrika

Unsere Pfarrgemeinderätin Kathrin und ihre Helferinnen waren beim Oberhofer Adventmarkt wieder eifrig bemüht, ihr soziales Projekt  in Afrika bekannt zu machen.

 

Im Bild seht ihr vier freundliche Gesichter an ihrem Standl mit Handarbeiten zugunsten von Lovemore.

Die Mitglieder des Jugendvigilteams sind derzeit sehr eifrig bemüht, euch ständig mit neuen guten Gedanken zu versorgen.

 

Bitte den Ordner "Jugendvigil" öffnen und sehen, was es dort zu lesen und zu schauen gibt. 

Predigt 33. Sonntag/C

Predigt von Pfr. Christoph Haider zum 33. Sonntag im Jahreskreis/Lesejahr C     

Gedanken zu Lk 21,5-19

 

Bevor ich zu predigen anfange, bitte ich um folgendes: Stellen wir uns vor, wir wären nicht in … sondern in Syrien, z.B. in der Stadt Aleppo. Vor der Kirche hören wir den Lärm von Maschinengewehren. Weite Teile der Stadt sind vom Bürgerkrieg zerstört. Oder wir versetzen uns auf die Philippinen, in die Küstenstadt Tacloban, wo vor mehr als einer Woche der Taifun gewütet hat. Wir versetzen uns in die Gedankengänge eines Überlebenden. Noch einen dritten Ort wählen wir uns aus, den Irak. Hier gibt es nur noch vereinzelt Christen. Die meisten von ihnen haben das Land verlassen, um ihr Überleben zu sichern. Sie gehören zu den über 100 Millionen Christen weltweit, die weit entfernt von unserer westlichen Freiheit leben müssen.

 

Diese gedanklichen Ortsveränderungen sind heute als Vorspann der Predigt gedacht, damit meine Rede von Gott nicht nur von unseren Voraussetzungen her kommt. Es kann ja nicht sein, dass Christen in Mitteleuropa ein anderes Evangelium verkünden als Christen anderswo. Das Wort Gottes ist weiter als die Gedanken der Menschen in einer bestimmten Region unter bestimmten Umständen.

 

 

Wenn wir heute die Rede Jesu im Evangelium hören, müssen wir offen zugeben: Genauso hätte es  gestern in den Abendnachrichten stehen können:  Kriege, Seuchen, Naturkatastrophen, Christenverfolgung. Ich gebe zu, seine Worte klingen zunächst nicht aufbauend, sondern bedrückend. Bei genauerem Hinsehen aber überzeugt  Jesus gerade dadurch, dass er die Dinge realistisch sieht. Jesus war kein Utopist. Er versprach uns keine heile Welt. Das ist der große Unterscheid zu vielen selbsternannten Weltverbesserern. Sie haben den Menschen Versprechen gegeben, die nie oder kaum eingelöst wurden. Jesus sieht den Lauf der Welt so wie er ist. Aber mitten in angekündigte Katastrophen stellt Jesus die Hoffnung. Seine Rede endet mit:  „Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“ (Lk 21, 18.19)

 

Zwei Einsichten möchte ich mit euch teilen. Es ist enorm wichtig, dass wir als Christen das ewige Leben als das große Ziel unseres Lebens nicht aus den Augen verlieren. Habt ihr nicht auch den Eindruck, dass die Erwartungen an die Kirche heute total diesseitsbezogen sind.? Hören wir uns z.B. an, was Medien in diesen Wochen über die Bestellung des neuen Erzbischofs in Salzburg schreiben. Bei seinen ersten Interviews wird er hundertprozentig über Sexualmoral, Zölibat und Kirchengelder gefragt werden.  Aber wird ihn auch ein Journalist fragen: „Als Bischof ist es doch Ihre erste Aufgabe,  Menschen zu Gott, zum ewigen Leben zu führen: Wie werden Sie diese Aufgabe  angehen? Können Sie den Menschen Hoffnung auf die Auferstehung vermitteln?“  Das Christentum in unseren Ländern läuft Gefahr, das Ewige zu vergessen bzw. zu verdrängen. Aber genau darauf will Jesus hinaus: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das ewige Leben gewinnen.“

 

Jesus schenkt uns aber noch eine andere Zuversicht. Schon in diesem Leben dürfen wir uns in ihm geborgen wissen, wenn wir ihm im Glauben folgen. Nicht die Gefahren von außen oder die Naturkatastrophen entscheiden, was mit unserem Leben geschieht. Ein Christ, der sich ganz auf Jesus verlässt, weiß im Glauben, dass uns kein Haar gekrümmt wird – ohne, dass Gott es zulässt. Also können wir auch in Extremsituationen unsers Lebens sagen: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil“ (Psalm 23). Ob ich lebe oder sterbe, ob ich krank bin oder gesund, nicht die äußeren Umstände entscheiden über mein Leben. Gott ist der entscheidende Faktor! Gestern ging ein berührendes Bild durch die Welt. Ein Mädchen aus den Philippinen steht auf den Trümmern ihres Haus. Aber vor ihr liegt ein T-Shirt mit der englischen Aufschrift: Trust Jesus! Vertraue Jesus!

Zur Erinnerung an die jährliche Kohler-Traktor-Wallfahrt Ende Juli
Zur Erinnerung an die jährliche Kohler-Traktor-Wallfahrt Ende Juli

Das war die Pfingstwallfahrt zur Maria Schneekapelle

Predigt zum Gründonnerstag

 

Der Gründonnerstag schenkt uns tiefe Einsicht in das Lebenswerk Jesu. Er schenkt uns auch Einsicht in die Fortsetzung seines Lebenswerkes durch die Kirche. Wie ist das gemeint? Am Abend des Gründonnerstags stiftete Jesus zwei grundlegende Sakramente, durch die er sein Leben für uns ausdrückte und durch die er die Kirche bis heute aufbaut: Die heilige Eucharistie und das Priestertum. Indem Jesus seinen Aposteln auftrug: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, setzte er sie als Priester des Neuen Bundes ein. Sie sollen sein Lebenswerk fortsetzen und dürfen das vor allem in der Feier der heiligen Messe tun. Für uns Katholiken sind die Bischöfe (gemeinsam mit dem Papst) die Nachfolger der Apostel. Auch die Priester nehmen durch ihre Weihe an dieser Sendung der Apostel teil. Wir liegen also nicht falsch, wenn wir die Worte und Gesten beim letzten Abendmahl als Bezugspunkt und Maßstab für unsere kirchlichen Amtsträger hernehmen. Ein katholischer Christ darf sich durchaus die Frage stellen: Was kann ich mir als Katholik von unseren Bischöfen und Priestern erwarten? Wenn wir das, was Paulus im 1. Korintherbrief schreibt und das, was Johannes im Evangelium der Fußwaschung sagt, zusammenschauen, kommt ein recht eindeutiges Bild des kirchlichen Amtes zum Vorschein. Die Amtsträger der Kirche sollen in den Sakramenten Jesus für die Kirche gegenwärtig halten. Sie handeln dabei, besonders in der Feier der Messe, in der Person Christi. Mit anderen Worten: Durch ihren Dienst bleibt Jesus immer unter uns und handelt an uns. Durch sie setzt er sein Lebenswerk und seine Lebenshingabe fort in unseren Herzen. Sein Leib und sein Blut, die er am Kreuz für uns hingegeben hat, bauen auch heute die Kirche auf.

 

Auf der anderen Seite muss diese besondere Sendung und Vollmacht der kirchlichen Amtsträger gekennzeichnet sein von einem dienenden Herzen. Wer nicht wie Jesus bereit ist, den anderen „die Füße zu waschen“, bleibt zwar gültig geweihter Bischof, Papst oder Priester, aber sein Leben entspricht nicht seiner Berufung. Die Bescheidenheit im persönlichen Lebensstil, die Bereitschaft anderen zu dienen, sind sozusagen die Gütesiegel eines Apostelnachfolgers. Papst Franziskus gibt in dieser Hinsicht ein ganz starkes Beispiel. In seiner Predigt zur Chrisammesse kam er heute auf die Schönheit der Liturgie zu sprechen, in der die „Gegenwart der Herrlichkeit unseres Gottes“ zum Ausdruck kommt. Aber das schöne Gewand ist nicht Selbstzweck. Ich setze den Gedanken von Papst Franziskus mit eigenen Worten fort: Unter dem Kleid des geweihten Amtsträgers der Kirche muss ein Herz schlagen, in dem die Haltung des Dienens lebt. 

 

Was können gläubige Christen beitragen, dass das Priestertum der Kirche im Sinne des Erfinders gelebt wird? Sie können vor allem großen Hunger nach der Feier der heiligen Messe zeigen. In der heiligen Eucharistie verwirklichen die Geweihten ihr Amt am stärksten, indem sie den Gläubigen Jesus schenken. Je mehr Menschen der Messe fern bleiben, desto deprimierender ist das für einen, der gerade deswegen geweiht wurde. Die andere Möglichkeit ist die Unterstützung einer Lebensweise, die der Lebensweise der Apostel nahe kommt. Wenn sich in einer Pfarre oder einer Diözese Christen bewusst zusammenschließen, um mit ihrem Bischof und ihren Priestern ein Leben zu entwerfen, das darauf aufbaut, einander zu dienen, hätte das große Wirkung. Viele Menschen kommen vermutlich deshalb nie zum Kern des Glaubens, weil sie in der Kirche eine Institution und in den Amtsträgern Beamte sehen. Wenn sie allerdings erleben, dass es glaubwürdige Christen gibt, die lieber dienen als herrschen, lieber helfen als sich verwöhnen lassen, gewinnt die Kirche an Glaubwürdigkeit. Der Gründonnerstag ist ein guter Tag für einen Neustart.   

 

Pfr. Christoph Haider          

 

Neue Publikation geht in Druck

Ab dem 15. März gibt es wieder eine kleine Publikation von Pfarrer Christoph Haider im Eigenverlag.

 

Adressaten sind diesmal unsere älteren Mitmenschen: 

 

Herzlich willkommen!

Ein Brief an ältere Leute

40 Seiten, durchgehend farbig illustriert

 

Bestellungen sind über das Pfarrbüro möglich.

 

Titelbild (c)Mbongo-Fotolia

 

Alte Pfarr-Homepage

Unsere alte Pfarrhomepage ist ab März 2013 nur mehr unter folgendem Link erreichbar: 

http://www.telfs.com/pfarre-oberhofen

 

unter dem Link "www.pfarre-oberhofen.info" ist kein Zugang mehr möglich. 

 

Die alte Homepage wird seit September 2012 nicht mehr betreut und aktualisiert.

 

 

 

 

Predigt zum bevorstehenden Rücktritt von Papst Benedikt

Ein biblisches Papstprofil

 

Homilie zu den Lesungen des 2. Fastensonntags/Lesejahr C 

 

In dieser Woche werden wir Zeugen eines historischen Ereignisses sein. Ein Papst gibt aus freien Stücken sein Amt ab, ohne Druck von außen – in einer bewussten und wohl überlegten Entscheidung. Da der Papst für uns nicht nur Repräsentant einer weltweiten Institution ist, sondern vor allem Bezugsperson des Glaubens, wollen wir Benedikt XVI. in Verbindung bringen mit dem Wort Gottes am Zweiten Fastensonntag. Die Heilige Schrift wird uns auch helfen, uns ein gutes persönliches Urteil über alle Ereignisse zu bilden, die sich in den kommenden Wochen in der katholischen Kirche abspielen. Der heilige Lukas berichtet vom Ereignis der Verklärung Jesu. Dem Petrus und zwei anderen Aposteln wird ein tiefer Einblick in das wahre Wesen Jesu geschenkt. In Jesus wohnt Gott. Das ist etwas so Neues, noch nie Dagewesenes, dass es der ganzen Menschheit verkündet werden muss.  Die zukünftige Aufgabe des Petrus und seiner Mitapostel besteht darin, Jesus als den Sohn Gottes zu bezeugen. Nichts anderes haben sie zu vermitteln als Jesus Christus und diesen einen Auftrag: „Auf ihn sollt ihr hören“ (Lk 9,35)!

 

Wenn wir diese Aufgabe als Profil für das Amt eines Papstes hernehmen, dann schneidet Benedikt XVI. nicht nur gut, sondern sehr gut ab; vielleicht nicht vor der öffentlichen Meinung, sicher aber vor dem Wort Gottes. Die Art und Weise wie Benedikt vom ersten Tag an Jesus Christus verkündet hat, erinnert mehr an Nazareth, Tabor und Galiläa als an diplomatische Schachzüge eines Kirchenfürsten. Sicher werden viele diesem Papst mangelnde politische Korrektheit und fehlende Medienwirksamkeit vorwerfen. Aber gerade das spricht dafür, dass er das innerste Wesen des Petrusamtes verwirklicht hat: „Auf ihn, Jesus, sollt ihr hören!“ Unser Heiliger Vater schenkte uns in seinen fast acht Amtsjahren ein umfassendes und klares Bild über den Kern des Christentums. Selten einmal in der Geschichte war ein Papst so in der Heiligen Schrift zuhause wie dieser. Papst Benedikt geht im Alten und im Neuen Testament aus und ein. Noch nie schrieb ein amtierender Papst ein dreiteiliges Jesusbuch von derart spiritueller Kraft. Um Jesus herauszustellen, war Benedikt immer bereit, sich selber zurückzunehmen. Diese Demut erinnert mich an das Wort Johannes des Täufers: „Er (Jesus) muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30). Wenn man die Rücktrittserklärung von Papst Benedikt ganz unpolitisch liest, hört man gerade das heraus: Er hält seine eigene Person deshalb nicht für unersetzlich, weil die Kirche nicht sein Bauwerk, sondern das Bauwerk Jesu ist.

 

Danke Papst Benedikt für deinen Glauben und deine Bescheidenheit, aber auch für deine Bereitschaft, die Führung der Kirche mehr in die Hände Jesu zu legen als selber bis zuletzt das Steuer  festzuhalten.  Du hast uns gezeigt, dass ein Mensch im Alter schwächer werden darf, dass man nicht alles selber machen muss, dass Verantwortung rechtzeitig übergeben werden kann. Du hast uns eine große innere Freiheit und Furchtlosigkeit vorgelebt. Es scheint, du hast nicht einmal Angst davor, dass die Suche nach einem geeigneten Nachfolger schwierig werden oder nicht in deinem Sinn verlaufen könnte. Dein mutiger Rücktritt und deine Absicht, deine weiteren Lebenstage mit intensivem Gebet zu verbringen, werden der Kirche von morgen großen Segen erwirken.

 

Wenn wir noch kurz an das kommende Konklave denken, taucht die Frage auf, was können wir dem kommenden Papst für Eigenschaften wünschen. Neben Gesundheit, Stärke, Weitsicht, Menschenfreundlichkeit, Sprachenkenntnis und Leitungskompetenz wünschen wir ihm drei Eigenschaften, die wir heute im Wort Gottes finden: Wir wünschen ihm den felsenfesten Glauben Abrahams (Gen 5,6), dass er der Welt Hoffnung vermitteln kann. Wir wünschen ihm, dass er wie Paulus die Menschen von heute ans große Ziel erinnert: „Unsere Heimat ist im Himmel“ (Phil 3,20). Schließlich wünschen wir ihm und uns, dass er wie Petrus und die anderen beiden Apostel tiefen Einblick in das Geheimnis Jesu (Lk 9,35) hat, damit die Kirche als ganze „feststeht in der Gemeinschaft mit dem Herrn“ (Phil 4,1).  

 

Pfarrer Christoph Haider

 

Papst Benedikt

Die Rücktrittsmeldung von Papst Benedikt aus Rom wurde auch in unserem Seelsorgeraum mit Betroffenheit aufgenommen. 

 

Wir danken Papst Benedikt XVI., dass er sein Amt fast acht Jahre lang mit hoher Hingabe, tiefer Weisheit und echter Demut zum Wohl der Kirche ausgeübt hat.

 

Persönlich bin ich zwar  traurig über seinen Schritt, freue mich aber für ihn, dass er die große Last des Amtes abgeben darf. Ein Wunsch an den Herrn: Dass Benedikt XVI. noch ein paar gesunde Jahre in unserer Mitte geschenkt bekommt und dass seine Gebete und sein Glaubenszeugnis die Kirche weiterhin erbauen – als Petrus im „Ruhestand“. 

 

Zugleich wollen wir in unseren Pfarren jetzt schon beginnen, im Gebet um jenen Nachfolger im Petrusamt zu bitten, den der Heilige Geist der Kirche schenken will. 

 

Pfarrer Christoph Haider

 

Foto: (c)WB - Papst Benedikt beim Urlaubsantritt in Brixen 2008

Pfarrgemeinderätin auf Einsatz im afrikanischen Kontinent

Aktueller Kurzbericht von Kathrin 

 

"Wir sind hier schon voll eingespannt und haben ein tolles neues Projekt mit 250 Waisenkindern. Leider kommt für viele schon jede Hilfe zu spät, ein 18 Jahre altes

Mädchen ist diese Woche verstorben, kurz nach der Geburt ihres Kindes, ihre 16 Jahre alte Schwester kommt jetzt täglich zu "Tafara"und holt Essen für sich und ihre anderen Geschwister, die sich jetzt auch zusammen um das Neugeborene kümmern.

 

Aber wir waren jetzt auch schon mit einigen im Krankenhaus und wir kümmern uns jetzt darum, dass so viele wie möglich auf HIV getestet und in das Programm aufgenommen werden. Leider verstehen wir oft mehr von irgendwelchen "Krankheiten" als die Ärzte hier, alles was sie meistens tun, ist Paracetamol verschreiben.

 

Leider ist hier alles nicht so einfach. Auch in unserem anderen Waisenhaus ist es nicht einfach...! Zur Zeit können wir dort nicht hin, weil es zu gefährlich ist! Viele dort müssen ihre Häuser räumen und das geht meist nicht friedlich. Aber einmal war ich dort und hab meine Buben gesehen, es geht ihnen allen gut!!!

Liebe Gruesse!"

 

Kathrin

 

Liebe Kathrin, solltest du dringend etwas aus der Heimat brauchen [z.B. gute Worte, Gebete, moralische Unterstützung, Fotos vom ersten Schnee aus der Heimat oder echte Oberhofer Weihnachtskekse ;) ] dann melde dich beim PGR! 

 

Ab 11. Oktober - Glaubensblog

Ab dem 11. Oktober - dem Beginn des Jahres des Glaubens - gibt es auf unserer Homepage einen wöchentlichen Glaubensblog, der jeweils am Samstag online steht. 

 

Es ist ein Impuls zur Glaubensvertiefung. Eine kleine Übung bzw. ein kurzes Gebet sind jeweils mitenthalten. 

 

 

Eine herzliche Einladung zum Mitmachen!

 

 

Für den Blog wurde ein eigener Ordner eingerichtet: Jahr des Glaubens!

 

 

 

Zum Nachdenken

Denken wir über ein Phänomen der Natur nach: Die Geduld.

 

Der Herbst ist in mehrfacher Hinsicht eine bemerkenswerte Zeit. In einer Hinsicht besonders: Der Herbst als Erntezeit! Er lässt uns in der Jahreszeiten-Rückschau erkennen: Alles, was gereift ist, hat Zeit gebraucht. Im Frühjahr waren noch keine Äpfel an den Bäumen. Zuerst setzten die Bäume Knospen an, dann Blüten und erst nach langer Reifezeit das Obst. Die Beobachtung der Natur lehrt uns die Geduld, das Wartenkönnen, das Ausschauhalten nach dem Ertrag. Für uns ungeduldige Menschen der Gegenwart ist das kein leichtes Ding.

 

„Wenn Sie heute bis 17 Uhr bestellen, wird das gewünschte Produkt verlässlich morgen geliefert“, diese Kunden-Information eines Online-Geschäftes ist symptomatisch für das  Tempo unserer Zeit: Heute anfordern, morgen bekommen! Lange Lieferzeiten mag niemand mehr. Das aber ist ein Eingriff in das natürliche Wachstum der Dinge und in die Veranlagung des Menschen. Der Garten der Natur kennt keine über Nacht gezüchteten Früchte. Auch wir Menschen sind nicht von heute auf morgen groß und ausgewachsen. Immer noch gilt, was Ägidius von Assisi, ein früher Gefährte des heiligen Franziskus, im 13. Jahrhundert durch Beobachtung erkannt hat: „Wenn ein Baum geboren wird, ist er nicht sofort groß. Wenn er groß ist, blüht er nicht sofort. Wenn er blüht, bringt er nicht sofort Früchte hervor. Wenn er Früchte hervorbringt, sind sie nicht sofort reif. Wenn sie reif sind, werden sie nicht sofort gegessen.“

 

„Geduld ist die Schwester der Hoffnung und die Mutter der Gelassenheit“, sagt ein Sprichwort aus Schweden. Da ist gut beobachtet. Vom christlichen Standpunkt aus können wir ergänzend hinzufügen: Geduld ist auch ein himmlischer Findling. Denn unser Gott ist ein geduldiger, ein langmütiger Gott. Und denen, die ihm nahe sind, schenkt Gott die Geduld als Gabe.

 

Herr, lass mich einsehen, dass alles seine Zeit benötigt. Lass mich im Rhythmus der Natur und im Einklang mit dir geduldig und gelassen werden. Lass mich annehmen, wenn die Dinge länger brauchen als mir recht ist. Lass mich Geduld haben mit mir selbst, mit anderen Menschen, mit allem Widrigen und Widerspenstigen.  

 

Lass mich nicht zwischendrin aufgeben, wenn die Ernte noch nicht reif ist. Schenke mir die Gabe des Wartenkönnens in Geduld. 

 

Pfarrer Christoph Haider in "Kurz vor Halb" _ Gedanken für den Tag (Radio Maria)

 

Erntedank 16. September

Die Landjugend Oberhofen schmückte das Gotteshaus mit Erntegaben und stellte nebem dem Altar wieder die schöne "Ernte-Monstranz" auf. 

 

Wir danken Gott für die Ernte des Jahres und freuen uns mit unseren Bäuerinnen und Bauern, die die Felder und Äcker bewirtschaften. 

 

Auf dem Fotos seht ihr, dass zu diesem Fest einige Ministrantinnen besonders hübsch gekleidet waren. Im Hintergrund die Monstranz.

24. Sonntag im Jahreskreis - Predigt

Die Worte der Heiligen Schrift bedürfen der Übersetzung in die jeweilige Zeit. Das gilt besonders für uns. In manchen Ländern der Welt stehen die Menschen der Sprache der Bibel derzeit vermutlich näher als Menschen in unserem Land. Nehmen wir ein Wort heraus: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ In der westlichen Welt tragen zwar sehr viele Menschen ein Kreuz um den Hals oder hängen es zuhause auf. Aber mit Worten wie „sich selbst verleugnen“ oder „das Kreuz auf sich nehmen“ können vermutlich sehr viele wenig anfangen.  Ein Christ in Syrien, im Irak, in Afghanistan, im Sudan oder in Nigeria spürt die Bedeutung des Wortes vom Kreuz tragen ganz anders am eigenen Leib als ein Christ in Europa.

 

Wahrscheinlich ist es die Formulierung „sich selbst verleugnen“, die uns am meisten aufregt. Wir sind gewohnt, Selbstverwirklichung anzustreben und nicht  Sebstverleugnung. Aber was meint Jesus eigentlich? Versuchen wir eine Übersetzung. Unsere Gesellschaft ist geprägt von Spitzenleistungen in sehr vielen Bereichen. In Sport und Technik gibt der Mensch oft seit Letztes. Es gibt bewundernswerte Fortschritte der Menschheit. Trotz dieser Entwicklung machen wir die Erfahrung, dass das Herz des Menschen hinter diesem Fortschritt zurückbleibt. Jemand kann mehrfacher Weltmeister sein, einer kann die technische Fähigkeit besitzen, die ganze Welt zu vernetzen – und trotzdem im zwischenmenschlichen Bereich Anfänger sein. Ja es hat den Eindruck, dass die Zunahme von Spitzenleistungen die mitmenschliche Entfremdung sogar gefördert hat.

 

Den letzten Grund sehen wir Christen im angeborenen Egoismus des Menschen. Um diesen Zustand zu überwinden hat Jesus das Wort der Selbstverleugnung geprägt: Loslassen vom Ich und offen werden für den anderen. Jesus hat das nicht nur gefordert, sondern gelebt. Bis zum Letzten! Jesus hat nicht nur sein Ich zurückgenommen, er hat es völlig aufgegeben. Ihm war das Wohl der Menschen wichtiger als sein eigenes Leben. Mit seinem Tod am Kreuz machte Jesus dem Virus des Egoismus ein Ende und der wahren Liebe den Anfang.

 

Wir glauben nun, dass Jesus mit seiner Tat ein weltweites Netzwerk der Erneuerung ins Leben gerufen hat. Wer sich in dieses soziale Netzwerk ein linkt, fängt mit Jesus an, das du und das wir vor dem ich zu sehen. Sich selbst verleugnen ist somit keine krampfhafte Leistung. Selbstverlegung ist das Zulassen von wahrer Liebe anstatt der Fixierung auf das Ego. Selbstverleugnung ist nichts Bedrückendes, Negatives, sondern etwas sehr Dynamisches und Schönes. Ein kleines Beispiel aus unserem Alltag: In der Schule oder am Arbeitsplatz bekomme ich mit, wie einer meiner Freunde ungerecht behandelt wird. Ich spüre, dass ich mich auf seine Seite stellen soll. Selbstverleugnung würde in dieser Situation heißen: Ich überwinde mich und setze mich für den Betroffenen ein. Anstatt ihn zu verleugnen, verleugne ich mein feiges „Ego“. Aus Liebe  lasse ich es mir etwas kosten.

 

Als gläubiger Mensch darf ich damit rechnen, dass Jesus mir in solchen Situationen beisteht,  Was er in Fülle besitzt, darf ich mir von ihm erbitten. Natürlich verlangt das christliche Leben von uns manchmal größere Überwindungen als nur einen kleinen Verzicht auf unser eigenes Ich. Aber auch dann, wenn die Aufgabe unserer eigenen Wünsche schwer ist, dürfen wir daran denken: Christus will den Verlust unserer Ichwünsche, ja sogar den Verlust unseres Lebens, auffangen mit dem Geschenk von Freiheit und ewigem Leben. Das ist das Geheimnis des Kreuzes. Herr, lass uns an die Kraft deines Kreuzes glauben. Gib uns die Erfahrung, dass dein Kreuz nicht erdrückt, sondern aufrichtet. Amen.               

 

10. September 2012

"Herr,
vergib, dass wir zu oft aus Nebensachen
Hauptsachen machen."
Corrie ten Boom

 

 

09. September 2012

Für viele Menschen, nicht nur für Lehrer und Schüler, auch in unseren Pfarreien, beginnt im September eine neues Arbeitsjahr. Dazu ein kleiner Impuls:

Ein neuer Tag

Ein neuer Tag hat angefangen. Das Wörtchen neu hat einen guten Klang, nicht immer, aber meistens. Mit „neu“ assoziieren wir frisch, unverbraucht, startbereit, aktuell – im Sinn von Hermann Hesses bekanntem Wort: „und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Ich erinnere mich an meine Schulzeit. Die erste Seite des neuen Heftes regte uns zum Schönschreiben an. Wenigstens ein paar Tage lang wollten wir uns mehr bemühen als beim alten vollgefüllten. Mit dem Auto gehen Erwachsene ähnlich um. Solange es ziemlich neu ist, fahren sie vorsichtiger, machen die Türen behutsamer auf und zu und lenken langsamer in die Garage. Wir legen am Morgen auch gern neue Kleider an, wir lieben es, frisch geduscht und frisiert zu sein. Das Neue hat einen eigenen Reiz, wenn es andererseits uns auch manchmal verunsichern kann.

Ein neuer Morgen ist da. Wie werde ich mit dem neuen Tag zurecht kommen? Was wird am Abend daraus geworden sein? Wie lange dieser neue Morgen anhalten wird, bis wieder die graue Schicht des alten Trotts sich darüber legt wie ein Film auf mein Leben, das hängt von mir selber ab, von anderen Menschen und allerlei Faktoren. Es hängt aber auch ab vom Segen Gottes. Wir können Dietrich Bonhoeffer nur zustimmen, wenn er sagt: „Das Gebet in der Frühe entscheidet über den Tag.“

Herr, segne diesen neuen Morgen. Gib mir neue Augen, damit ich die Welt aus deiner Perspektive betrachten lerne. Gib mir neue Ohren, damit ich Wichtiges hören und Unwichtiges überhören kann. Gib mir, Herr, ein neues Herz und einen neuen Geist. Lass mich an diesem neuen Morgen dem Leben eine neue Chance geben.

Aus: Kurz vor Halb, Morgengedanken von Pfarrer Christoph Haider in Radio Maria