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Ewiges Licht

 

Gestern Nachmittag, ein Anruf von Luis: „Ist das ‚Ewige Licht‘ in der Kirche ausgegangen?“ Meine Antwort: „Nein, das kann nicht sein. Die Mesnerin hat heute eine neue Kerze eingesetzt. Aber ich schaue zur Sicherheit nach.“ 

 

 

Ein guter Anlass, um dem Gotteshaus einen Besuch abzustatten und dort zu beten. Ich kontrolliere. Ist das ‚Ewige Licht‘ an? Das durch die Fenster einfallende Licht von draußen irritiert mein Auge. Ich nähere mich dem Altar. Doch, die Kerze flackert ein wenig, auf Sparflamme. Über dem schön geformten Silberleuchter, der das rote Glas mit der Ewiglichtkerze umfängt, sind Spuren der aufsteigenden Wärme zu sehen. Nun bin ich mir sicher. Das ‚Ewige Licht‘ ist noch an. 

 

„Ich dachte, das Allerheiligste sei nicht mehr im Gotteshaus“, hatte Luis vermutet. „Nein“, war meine Antwort, „das Allerheiligste ist ganz sicher da.“ 

 

Zum allgemeinen Verständnis. Das sogenannte ‚Ewige Licht‘, eine Kerze in rotem Glasmantel, ist das Zeichen dafür, dass der Tabernakel besetzt ist. Dass die heilige Eucharistie, das Allerheiligste, in diesem Gotteshaus aufbewahrt wird und – unserem Glauben gemäß - Jesus in der heiligen Hostie bei uns wohnt. Nur am Karfreitag und Karsamstag ist das ‚Ewige Licht‘ aus, ein Zeichen der Trauer über den Tod des Herrn. 

 

Diese kleine Episode lässt uns fragen: Hat uns Gott verlassen? Ist Jesus tot? Lässt er uns in diesen Tagen allein? Nein, er ist noch da. Er wohnt unter uns im Zeichen seiner Hingabe: „Das ist mein Leib für euch“. Er ist da für uns. 

 

Jetzt sind Tage gekommen, an denen wir den Herrn wieder neu suchen werden: Herr, zeige, dass dein Licht noch an ist und du uns nie verlassen wirst? Zeige dich auch denen, die dich bisher nicht oder nur am Rande gesucht haben. 

 

Vielleicht musste es in der Welt erst dunkler werden, damit die Flamme seiner Liebe auch von draußen und von weither sichtbar wird.  

 

© Pfarrer Christoph Haider