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Strahlen der Hoffnung

Von einem gesicherten Platz aus anderen zuzurufen: „Habt Mut!“, ist leichter, als selber mitten in der Notsituation zu stehen. Deshalb wollen wir uns für ein paar Augenblicke in die Lage von hoffnungslos gewordenen Menschen versetzen. Der wohl größere Teil der Menschheit ist von Nöten betroffen, nicht erst jetzt: Krankheit, Schmerzen, Hunger, Heuschreckenplage, Ernteausfall, häusliche Gewalt, Unterdrückung, Terror, Arbeitslosigkeit, enttäuschte Liebe, zerbrochene Ehen, Drogen, Zwangsprostitution, Sklavenhandel … ich höre auf aufzuzählen.

 

Was sage ich einem, dem alle menschliche Hilfe fehlt? Wahrscheinlich nicht: Kopf hoch! Ich fühle mich vielmehr gedrängt, etwas zu tun und wenn es nur etwas Kleines für ihn ist.

 

Da ich nicht allen Bedürftigen dieser Welt helfen kann, fange ich bei einem an, den ich kenne, der in meiner Nähe ist. Ich gebe ihm ein Wort der Ermutigung. Ich sage: Ich denke gerade an dich. Heute habe ich schon für dich gebetet. Kann ich eine Kleinigkeit für dich tun?

 

Not macht erfinderisch, sagt ein Sprichwort. Ich möchte erfinderisch sein, um mein Talent mit dem anderen zu teilen. Aber was ist mein Talent? Ein Beispiel: Ein Schnapsbrenner hat letzte Woche das seine entdeckt. Er hatte eine größere Menge Ethylalkohol im Lager. Es kam ihm die Idee, daraus Desinfektionsmittel zu bereiten und an Leute zu verschenken, die nicht so leicht Zugang haben. Ein anderer kaufte die Zutaten. Inzwischen werden die Fläschchen schon verschenkt. 

 

Gott hat mir die Fähigkeit gegeben, aus der Hoffnung, die mich erfüllt, Hoffnungsstrahlen weiter zu schenken. Sie werden jetzt gerade gebraucht, auch wenn sie nur ganz klein sind.

 
© Pfarrer Christoph Haider