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Heiliger Josef

Heute ist das Fest des heiligen Josef. Dazu sehen wir uns ausnahmsweise nicht die lieblichen Josefsbilder an, auf denen er mit Lilie oder Hobel in der Hand vor uns steht. Wir orientieren uns am Original. Die Bibel gibt uns einige informative Hinweise auf Josef als einen Mann der Hoffnung.

Auf ein Dekret des Kaisers hin musste Josef mit Maria Nazareth verlassen und nach Betlehem reisen. Die Verordnung traf Josef unerwartet. Von Betlehem konnte Josef nicht mehr in seinen Wohnort zurückkehren. Er rettete das Kind und seine Mutter aus Lebensgefahr durch eine Flucht ins Ausland. Das ganze zog sich über Wochen, vielleicht Monate hin. Wovon lebten die drei während dieser Zeit eigentlich? Da gab es keinen Bankomaten zum Geldabheben und keinen Supermarkt zum Einkaufen. Konnte Josef konnte seiner Arbeit nachgehen oder lebten sie von Zuwendungen durch andere? Mehr als einen Sack mit Windeln und ihre Leibwäsche, vielleicht noch einen Schlauch zum Füllen mit Wasser hatten sie wohl kaum dabei. Ob Josef in Ägypten eine Gelegenheitsarbeit fand, ohne Sprachkenntnisse? Die Verbindung in die Heimat war abgerissen, keine schnelle Post, kein Internet, keine Videotelefonie. Ihre Verwandten waren isoliert von ihnen, vielleicht konnten sie später einmal einen Boten beauftragen, der die Nachricht aus Ägypten nach Galiläa überbrachte: So weit geht es uns gut, das Kind wächst, wir sind wohlauf. Josef musste tagtäglich warten bis aus Jerusalem Entwarnung kam. Solange Herodes noch lebte, war keine Aussicht auf eine Rückkehr. Wie lange das wohl dauerte…
   
Zurück in die Gegenwart. Die Umstände der Korona-Krise sind derart, dass wir uns Josef, Maria und das Kind recht gut in ihrer Lage vorstellen können. Doch nirgends steht bei Josef eine Klage im Raum. Er sagte gar nichts. Nie ein Wort des Widerspruchs. Bei Josef gab es immer nur ein Ja zur Situation und ein Ja zur Lösung der Aufgabe, die Gott ihm auftrug. Die Frage ist: wie konnte das Josef immer auf die Reihe bringen? Er konnte es, weil er ein Mann der Hoffnung war. Wer im Auftrag Gottes handelt, sich von Gott führen lässt, darf immer hoffen. Nie wird Gott bei denen, die ihn lieben, etwas zulassen, was über seine Vorsehung hinausgeht. Auch schlechte Zeiten sind davon nicht ausgenommen.

Fast hätte ich vergessen, dass Josef und Maria in Betlehem eine unerwartete Goldspende erhalten hatten, kurz vor ihrer Flucht. Die Weisen aus dem Morgenland hatten dem Kind neben Weihrauch und Myrrhe auch Gold geschenkt. Ob Josef und Maria diese Gabe für sich behielten oder sie verschenkten, bleibt im Dunkeln. Sie konnten sich auf jeden Fall durch solche Zeichen der Fürsorge Gottes sicher sein. Er, der uns Lasten auflegt, wird sie uns auch tragen helfen. Oder mit Worten der Hl. Schrift gesagt: „Wir wissen …, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht“ (Röm 8,28).


© Pfarrer Christoph Haider