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Hoffnung

 

Der Hoffnung ein Gesicht geben. Manche Leute brauchen uns nur über den Weg zu laufen, dann zieht es uns nach unten. Bei einzelnen genügt es, wenn wir sie von Ferne sehen oder sie uns nur vorstellen. Dasselbe gilt für bedrückende Situationen unseres Lebens. Die Erinnerung daran versetzt uns in Angst und Sorge. So ist es auch mit den Nachrichten aus aller Welt. Im Stundentakt werden uns Tag für Tag Nachrichten übermittelt, ja fast eingetrichtert. Ein Gutteil davon sind bad news, negativ besetzte Informationen. Sie ziehen uns nach unten. Derzeit sind die Nachrichten im fünf Minuten Rhythmus getaktet.  

Um dem Spinnennetz von Hoffnungstötern zu entkommen, ist Hygiene notwendig. Schon ein Teilerfolg ist hilfreich. Ich selber habe mir während des Jahres vorgenommen, an den alten wöchentlichen Fastentagen Mittwoch und Freitag nur ganz sparsam Nachrichten zu sehen, zu lesen oder zu hören. An mittlerweile allen Tagen habe ich mir vorgenommen: Bevor ich nicht Lesehore, Laudes und Terz im Stundenbuch (Brevier) gebetet habe, schaue ich mir nicht die neusten Nachrichten im Netz an. Das gelingt nicht immer ganz. Es ist auch berufsabhängig; als Verantwortlicher einer Gemeinschaft benötige ich mehr Informationen als etwa ein Pensionist.

Diese Übung, mit dem Informationsfluss herunterzufahren, ist anfangs schwer, weil  der Mensch von Haus aus neugierig ist. Aber ich sehe, es tut der Hoffnung in uns gut. Die geordnete und sparsame Aufnahme von Nachrichten mehrheitlich negativer Art hilft sehr, der Hoffnung einen festen Boden unter unseren Füßen zu geben.

Parallel zu dieser Auswahl an Information können wir versuchen, Hoffnungsbilder und Hoffnungsgeschichten zu sammeln. Wo ist heute etwas Gutes geschehen? Wo haben Menschen schwierige Situationen gut gemeistert? Wo sind Lichtstrahlen am Horizont erschienen? Da derzeit sehr viele Leute per Verordnung zu Hause bleiben müssen, können sie sich gegenseitig Aufbauendes und Hoffungsvolles erzählen. 

Der Hoffnung ein Gesicht geben. Stellen wir uns schließlich das Gesicht Jesu vor, wie er uns gerade anschaut, um uns Hoffnung zu schenken. Oder das Gesicht seiner Mutter Maria und unserer Lieblingsheiligen. So wie uns manche Menschen durch ihren Anblick nach unten ziehen können, so richten uns diese Gesichter auf und ziehen uns nach oben. Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten! (Ps 4,7)

© Pfarrer Christoph Haider