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Von guten Mächten treu und still umgeben...

 

 

 

"Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben"
 (Dietrich Bonhoeffer)

 

Was können wir tun, um in hoffnungslosen – oder hoffnungsarmen Situationen die Hoffnung nicht zu verlieren? Was können wir tun, um Menschen der Hoffnung zu werden?  Hoffnung im christlichen Sinn ist mehr als eine Überlebensstrategie. Sie ist auch nicht jene Haltung, die sich sagt: alles halb so schlimm, es wird schon wieder werden, oder: jedem Ende wohnt ein Anfang inne.

Hoffnung ist eine Gabe Gottes. Ein Geschenk also. Christus hat uns die Hoffnung geschenkt. Dieses Geschenk können wir annehmen, bewahren, es anderen weiter schenken, ja es lässt sich sogar vermehren.

Einen ersten Schritt können wir heute noch setzen. Alles beginnt mit einem Wunsch, mit einer Öffnung. Oder wie Trainer, Therapeuten und Lehrer zu sagen pflegen: Du musst es wollen. Veränderungen geschehen selten von außen oder von alleine. Also, fangen wir an: Ich lasse zu und gebe in meinem Inneren Raum, dass Hoffnung langsam in mir Wurzeln schlagen kann. Leise bete ich: Herr, schenke mir Hoffnung. Ich kann es auch mit dem Rosenkranz in der Hand tun. Dazu nehme ich die zweite Ave Maria Perle im Vorspann zwischen meine Finger und bitte, dass Jesus in uns die Hoffnung stärke. Ich kann es auch ein paar Mal hintereinander sagen, wie in einer Atemübung: Gegrüßet seist du Maria … gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus, der in uns die Hoffnung stärke.

Was ich im Gebet erbeten habe, versuche ich dann im Laufe des Tages und in den Aufgaben des Tages aufkommen zu lassen. Statt: Wie lange wird das noch dauern? … denke ich um auf: Ich nütze die Zeit des Wartens, das mir auferlegt ist. Statt: Wie aussichtslos! … schalte ich um auf: Mit Gottes Hilfe gibt es eine Lösung.

Dann gilt es, die Tür zur Hoffnung hartnäckig offenzuhalten. Denn unser rastlos tätiger Geist ist sehr erfinderisch. Er legt sich gerne so viele Türchen an, durch die die kleinen Hoffnungsstrahlen statt herein wieder hinausgehen können. Hoffnungsarbeit ist Geduldsarbeit.

Dass Geduld und Hoffnung miteinander verwandt sind und dass wir die Hoffnung erbitten müssen, wusste der Apostel Paulus, als er den Christen im Rom schrieb: „Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet“ (Röm 12,12).

Beharrlich bitte ich an jedem Morgen und an jedem Abend: Herr, lass das kleine Pflänzchen Hoffnung, dass du in mich gelegt hast, nicht gleich wieder vertrocknen. Begieße es mit dem Tau deiner Gnade.

© Pfarrer Christoph Haider