GLAUBENS-BLOG

Beitrag 53

Der GLaube ist achtsam

 

Eine kleine Unachtsamkeit im Reden – und ein anderer Mensch fühlt sich beleidigt. Eine kleine Unachtsamkeit im Zuhören – und der rote Faden geht verloren. Eine kleine Unachtsamkeit im Leben – und ein Unglück geschieht. Unachtsamkeit muss gar nicht beabsichtigt sein. Auslöser können Mangel an Konzentration oder Übermüdung sein. Es gibt aber auch die Unachtsamkeit, die ein Mangel an Glaube und Liebe ist.

 

Blättert man in spirituellen Büchern fernöstlicher Prägung, so begegnet einem das Wort Achtsamkeit als Schlüssel zur Weisheit. Christen werden das Gute an diesen Weisheitslehren anerkennen, aber doch einen Schritt über sie hinausgehen. Ein achtsamer Mensch im Sinne christlicher Spiritualität wird man nicht allein  durch bewusstes Atmen, bewusstes Gehen, bewusstes Essen. Ein bewusstes Wahrnehmen der Lebensvollzüge kann gut und nützlich sein. Es birgt aber auch eine Gefahr in sich, aus der uns der christliche Glaube gerade herausholen möchte: Achtsamkeit im Sinne von Selbst-wahrnehmung und Selbstfindung kann den Menschen auf sein Ich zurückwerfen, das Ich so stärken, dass das Du nicht mehr recht Platz hat. Die Achtsamkeit im christlichen Sinn ist aber gerade die Öffnung auf das Du hin, ein Austausch zwischen liebenden Herzen.

 

Christliche Achtsamkeit könnte so aussehen: Ich werde aufmerksam für Gott, weil ich glaube, dass er aufmerksam ist für mich. Aus der Achtsamkeit gegenüber Gott und den Anregungen seiner Liebe öffnet sich mein Herz: Ich werde achtsam für das Leben, achtsam für die Welt, achtsam für die Menschen. Je mehr ich im Glauben aus der Liebe Gottes lebe, desto achtsamer wird mein Denken, Sprechen, Handeln.

 

Die Selige Mirjam von Abellin erreichte in der Achtsamkeit des Glaubens eine beachtliche Höhe. Ihr Morgengebet wollen wir uns aneignen:

 

 

„Herr Jesus, im Schweigen dieses anbrechenden Morgens komme ich zu dir und bitte dich mit Demut und Vertrauen um deinen Frieden, deine Weisheit, deine Kraft. Gib, dass ich heute die Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind. Lass mich meinen Nächsten als den Menschen empfangen, den du durch mich lieben willst. Schenke mir die Bereitschaft, ihm mit Hingabe zu dienen und alles Gute, das du in ihn hineingelegt hast, zu entfalten. Meine Worte sollen Sanftmut ausstrahlen und mein ganzes Verhalten soll Frieden stiften. Nur jene Gedanken, die Segen verbreiten, sollen in meinem Geiste haften bleiben. Verschließe meine Ohren vor jedem übel wollenden Wort und jeder böswilligen Kritik. Möge meine Zunge nur dazu dienen, das Gute hervorzuheben. Vor allem bewirke, O Herr, dass ich so voller Frohmut und Wohlwollen bin, dass alle, die mir begegnen, sowohl deine Gegenwart als auch deine Liebe spüren. Bekleide mich mit dem Glanz deiner Güte und deiner Schönheit, damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

 

Foto (c) Trevor Goodwin_Fotolia

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Kommentare: 1
  • #1

    Gisela Völker (Sonntag, 13 Oktober 2013 13:42)

    Vielen herzlichen Dank für die besonders schöne "Zugabe". Achtsamkeit und Schmetterling, was für ein wunderbares Paar. Ein sehr zartes, verletzbares Geschöpf kombiniert mit den Gedanken des sorgsamen Umgehens miteinander in allen Bereichen unseres Lebens... Sehr nachdenkenswert-und doch nicht leicht, solche Verhaltensweise praktisch umzusetzen. Aber ein Ansporn, für den ich sehr dankbar bin, lieber Pfarrer Haider.