GLAUBENS-BLOG

Beitrag 47

Der Glaube ist ein Weg

 

 

Die älteste Bezeichnung für die christliche Lehre und Gemeinschaft ist „Der Weg“. Bevor die Jünger Christen genannt wurden, waren sie unter „die Anhänger des neuen Weges“ (Apg 9,2) bekannt. Der Name drückt etwas von der ursprünglichen Vision und Dynamik des christlichen Glaubens aus. Ein Christ ist kein Statist, sondern ein bewegter Mensch. An Jesus glauben bedeutet, ihm nachfolgen – im Sinn von hinter ihm her gehen.

 

Der Glaube ist keine punktuell und ein für alle Mal erreichte Sache. Den Glauben lebt und vermehrt man nicht im Stehen, sondern im Gehen. Im letzten Blog-Beitrag war davon die Rede, dass der Glaube gratis ist. Diese Aussage bleibt ohne Einschränkung aufrecht, was den Erwerb des Glaubens anbelangt. Aber die Entwicklung und Reifung des Glaubens hängt wesentlich von unserem bewussten Mitgehen ab. Unsere Aufgabe dem Geschenk des Glaubens gegenüber besteht darin, eine Wechselbeziehung mit dem Herrn einzugehen. Manchmal führt uns der Herr und reicht uns die Hand, wir fühlen uns von ihm getragen. Es folgen Strecken, auf denen wir mühsam und scheinbar allein nach der nächsten Wegmarkierung Ausschau halten. Der Glaube reift, indem wir einfach weiter-gehen, ohne uns durch Stimmung oder Einfluss von äußeren Umständen aus der Glaubensbahn werfen zu lassen.    

 

In einem neueren Film über Johannes Bosco sieht man den alt gewordenen Heiligen in einem Rollstuhl sitzen, während Szenen aus seinem Leben vorüberziehen. Eine Szene zeigt ihn als Jugendlichen unter einer Schar von Kindern, wie er auf einem Drahtseil zwischen Bäumen balanciert. Während dieser Bilderfolge hört man den am Lebensabend stehenden Don Bosco leise sprechen: „Das war mein Geheimnis: Nur geradeaus sehen, nicht stehenbleiben, nicht nach der Seite sehen und nicht in den Abgrund unter meinen Füßen. Den Blick immer nur nach vorn gerichtet mit dem Vertrauen in die Kraft des Herrn.“

 

Gehen wir in diesen Tagen wieder ein Stück des Glaubensweges, unabhängig von der Wegbeschaffenheit und von der Frage, wie viele andere es auch tun.

 

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.

Aus Psalm 23

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Kommentare: 5
  • #1

    Prof. Dr. Hermann Hardwig (Samstag, 31 August 2013 15:09)

    Herr Pfarrer Haider,

    ist Ihnen bewusst wiesehr Sie Herr Mario didaktisch (lehren, lernen) herausfordert?
    Zitat von Ihnen:“ unabhängig von der Wegbeschaffenheit und von der Frage, wie viele andere es auch tun.“
    Ist Ihnen damit klar was Sie damit sagen? Es bedeutet eine Abkoppelung aus der „Alltagswelt“. Und somit eine Negierung der alltäglichen Erfahrungswerte jedes Einzelnen. Dies heißt nichts anderes als Splitting, zwischen Wirklichkeitswahrnehmung und Mystik. Damit kann kein Mensch (Christ) leben.
    Verzeihen Sie mir (auch als gläubiger Christ), aber Theologie in einer komplexen – differenzierbaren Welt sieht anders aus. Da lobe ich mir –mit Einschränkungen- Herrn Mario´s Kommentare.

    Herzliche Grüße aus Heidelberg

  • #2

    voelker gisela (Samstag, 31 August 2013 20:18)

    Entschuldigen Sie bitte, Prof. Hardwig, aber ich habe das Gefühl, Sie haben die Gedanken vonPfr. Haider garnicht verstanden. Den Glaubensweg gehen mit allen seinen Stolperfallen, erleben wir Christen das nicht jeden Tag und sind wir da nicht immer auch mit Zweifeln konfrontiert? Das ist das pralle Leben und die Realität. Und wir können nur beten darum, dass Jesus Christus uns begleitet. Das ist für mich keine "Abkopplung", wie Sie meinen,- sondern da wird unsere Beziehung zu Gott richtig ernst! Herzliche Grüsse aus Giessen.

  • #3

    Mario Oberhollenzer (Sonntag, 01 September 2013 09:49)

    Sehr geehrter Dr. Hardwig.

    In diesen Punkten möchte ich Fr. Völker recht geben. Für mich besteht der „Wert“ dieses Blog´s vornehmlich darin, dass er für viele Menschen eine wertvolle Orientierungshilfe darstellt, die ihnen Zuversicht und eine Art von Sicherheit im Leben gibt. Wieweit diese Zuversicht gerechtfertigt ist, angesichts der hypothetischen Antwortlegungen, ist eine andere Frage. Worin ich die wirkliche Problemstellung sehe, ist die Differenzierung zwischen wahrgenommener Realität und mystischer bzw. transzendenter „Wirklichkeit“ (Wirklichkeit hat im Gegensatz zu Realität mit Wirkung zu tun). Insofern schätze ich die Aussagen von Pfarrer Christof Haider durchaus, wenngleich ich mit vielen Inhalten nicht konform gehe und natürlich auch nicht gehen muss. In diesem Fall ist eben Toleranz gefragt.

    Liebe Grüße aus Flaurling
    Mario

  • #4

    Gisela Völker (Sonntag, 01 September 2013 18:40)

    Wie ich aus den verschiedenen Meinungen zum Glaubensblock entnehmen kann, sind wir ein richtig heisses Diskussionsteam geworden. Schade, dass wir uns nicht mal bei einer Tasse Kaffee in aller Ruhe austauschen können. Da gibt es einen besonders netten Platz, ich denke an das "Schafheutle" in Heidelberg. (Ich bin nämlich in Heidelberg geboren)
    Einen schönen Sonntagabend noch allen "Glaubensbloggern". Liebe Grüsse , Gisela aus Giessen.

  • #5

    Mario Oberhollenzer (Montag, 02 September 2013 18:06)

    Hallo Fr. Völker,

    das mit dem Kaffee wäre eine gute Idee :-) Für mich ist es allerdings etwas weit von Flaurling im Inntal nach Heidelberg zu fahren um einen Kaffee zu trinken. Wenngleich ich mich mit Ihnen durchaus gerne unterhalten würde. Übrigens auch mit Dr. Hardwig.
    Liebe Grüße aus Flaurling

    Mario