GLAUBENS-BLOG

Beitrag 46

Der Glaube ist gratis

 

Eine Gruppe von Ministranten traf sich für eine Exkursion in den Kirchturm. Einige hatten ihr Handy dabei. Sie sprachen über Handy-Kosten und sogenannte Null-Tarife bei den Anbietern. Die Betreuer stellten fest: Gratis ist bei Handys nichts, wie auch sonst im Leben alles etwas kostet. Danach ging es um die Fledermäuse im Dachboden unserer Pfarrkirche. Eine Stunde später, am Ende der Exkursion, kam Nikola von sich aus nochmals auf das Thema Kosten zu sprechen: „Ich habe darüber nachgedacht. Mir ist doch etwas eingefallen, was gratis ist.“ Auf meine neugierige Frage „Was denn?“ kam die Antwort: „Der Glaube!“ Eine beachtliche Aussage einer Neunjährigen!

 

Der Glaube ist gratis – diese kindliche Definition ist eine höchst theologische Aussage. In zwei Richtungen wollen wir weiterdenken. Zum einen ist es wichtig, dass der Glaube wirklich frei von Geldgeschäften vermittelt und ausgeübt wird. Kirche und Geld sind ein ungleiches Paar, dessen gemeinsames Auftreten im Laufe der Geschichte viel Unheil beschert hat. Der Apostel Petrus bleibt Vorbild, als er anlässlich der Heilung eines Gelähmten sagte: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir“(Apg3,6). Kirchensteuer, Kirchenbeiträge, Messstipendien und Spendengelder sind ein Mittel, um für den Unterhalt der Mitarbeiter, den Sachaufwand und caritative Projekte zu sorgen. Die Glaubensverkündigung, die Spendung der Sakramente und die Glaubenspraxis müssen gratis sein. Gottes Gaben sind nicht käuflich und seine Gnade gibt es nur „umsonst“.

 

Damit sind wir bei der zweiten Erkenntnis angelangt: Der Glaube ist wirklich ein Gratis-Angebot Gottes. Man kann ihn sich nicht mit eigenen Mitteln erwerben. Der Glaube ist ein unverdientes Geschenk Gottes. Was  können wir dann für den Glauben tun? Viel! Wir dürfen und sollen um den Glauben bitten. Vor allem ist es wichtig, das Herz immer offen zu halten, damit Gott das Geschenk des Glaubens hineinlegen kann. Der Glaube erfährt auch Stärkung und Fortschritt durch das Tun des Glaubens, aber immer so, dass niemand sagen kann: Das ist mein Verdienst. Der Glaube ist eben gratis. Danke Nikola für deinen Hinweis!

 

Eine Anregung: Im Gebet vor Gott oft bitte und danke sagen!

 

Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe. 

hl. Franz v. Assisi

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Kommentare: 4
  • #1

    Mario Oberhollenzer (Dienstag, 27 August 2013 12:47)

    Sehr geehrter Herr Pfarrer Haider.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, dann meinen sie doch mit Ihren Aussagen: Gott kann man nicht beweisen, weil er so definiert ist, dass er nicht definiert werden kann.
    Das heißt aber auch, genau wegen seiner Transzendenz fehlt die Metaebene zu seiner Verifizierung, insofern steht er auch über dem Sein und dem Nichtsein. Selbst wenn es eine Überebene gäbe, von der aus er bestätigt werden könnte – was ein Widerspruch wäre, weil dadurch selbst Gott transzendiert würde -, bedürfte es einer Über-Überebene, um die Überebene zu bestätigen usw..
    Gott lässt sich aber auch nicht widerlegen. Dies widerspricht dem obigen Grundsatz, dass Allgemeinaussagen (nur) falsifizierbar sind, nicht, da die Transzendenz zwar ein Allgemeinbegriff ist, aber eben auch die Begriffsebene („beweisen“ - „widerlegen“) als Bezugspunkt einschließt.
    Eine begriffliche Vorstellung – „ Jenseits“ - wird ins Unvorstellbare (auch das ist eine Vorstellung) projiziert (ein Selbstwiderspruch)
    Das heißt also, so wie es Bonhoeffer beschreibt:“ Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“ ODER?
    P.S. Ich hoffe nicht, dass es Arroganz ist, dass Sie hier, in Ihrem Glaubens-Blog nicht auf aufgeworfene Fragen antworten ?!

    Liebe Gruße aus Flaurling

    Mario

  • #2

    Hardwig (Mittwoch, 28 August 2013 16:39)

    Prof. Dr. Hermann Hardwig

    Erstmals schöne Grüsse aus Heidelberg. Ich verfolge nun schon seit einiger Zeit diesen Blog. Leider ist es bedauerlich, dass es Theologen nicht wertschätzen, dass sich Menschen aus Ihrer Umgebung über „Sinnfragen“ Gedanken machen. Und somit auch nicht darauf reagieren.
    Zu Herrn Mario:
    Sie verweisen in Ihren Stellungnahmen, soweit ich das nochvollziehen kann, immer wieder auf die Widersprüche zwischen Religion, Glaube und Wissenschaft. Ich bin ein gläubiger Christ und es ist mir -trotz Ihrer rhetorisch brillanten und logisch nachvollziehbaren Argumentation- nicht wirklich klar worauf Sie hinaus wollen. Lassen Sie mich eines sagen: Sie haben immer die Willensfreiheit sich auf Gott zu berufen und somit die Möglichkeit dem Leben Sinn zu geben.

    Herzliche Grüße nach Tirol Hermann

  • #3

    Mario Oberhollenzer (Mittwoch, 28 August 2013 17:36)

    Sehr geehrter Herr Hardwig,

    da ich gerade online bin, antworte ich Ihnen gerne. Oder besser gesagt. Lassen Sie mich mit einigen Gegenfragen "antworten".
    Wie ist Willensfreiheit möglich ohne die Notwendigkeit der Willensbildung oder die
    „Willkür“ des Zufalls?
    Wovon soll der Wille denn frei sein?(„Man kann zwar etwas tun wollen, aber nicht etwas
    wollen wollen“, vergleiche Schopenhauer)
    Da der Wille auf die Zukunft gerichtet ist, hätte er (und seine Freiheit) keinen Sinn, wenn diese nicht gestaltet werden könnte. Ist also nicht der Wille, sondern die Zukunft frei und damit auch ohne Sinn?
    Warum fragen wir, statt die Antworten gleich zu wissen? Kann es einen Grund/Sinn dafür
    geben, dass wir nach Grund/Sinn fragen?
    Worauf ich hinaus will? Das ist einfach erklärt. Wir alle leben unser Leben notwendigerweise auf den Grundlagen der Logik (sach- und bezugsorientiert). Theologie "verlangt" aber von uns eine Art von transzendenten Glauben ohne logischen Hintergrund (ein Widerspruch in der Alltagserfahrung, siehe Theodizeeproblem)
    Mein Bestreben wäre es beide Bereiche in einem sinnvollen Zusammenhang zu stellen und damit auch "glaubWÜRDIG" zu machen. Einmal sehr einfach ausgedrückt.

    Grüße nach Heidelberg

    Mario

  • #4

    Pfarrer Christoph Haider (Mittwoch, 28 August 2013 21:07)

    Zur Erinnerung:
    Die Beiträge zum Jahr des Glaubens sind als regelmäßige GLAUBENSvertiefung für Interessierte gedacht und so geschrieben, dass sie zu persönlichen Glaubensschritten anleiten können.

    Diese Ausrichtung wurde hier bereits des Öfteren kommuniziert.

    Zu Kommentaren des Blogs gibt der Autor bewusst keine Stellungnahmen ab.

    Für persönliche Fragen stehen meine Emailadresse und Telefonnummer zur Verfügung, insbesondere für Personen aus dem mir anvertrauten Seelsorgeraum.