GLAUBENS-BLOG

Beitrag 43

Der Glaube stiftet Unruhe

 

Der Titel ist natürlich etwas herausfordernd. Aber er ist bibelfest und realitätsbezogen. Christliche Standpunkte sorgen für Unruhe. Das war immer schon so und ist heute nicht anders. Im Großen erleben wir das, wenn in der Gesellschaft Werte zur Debatte stehen. Im Kleinen erfahren wir es, wenn wir uns in einer offenen Runde zu Glaube und Kirche  bekennen. Da ist für Zündstoff gesorgt.

 

Im Grund genommen begann diese Unruhe mit Jesus selber. „Kehrt um“, waren die ersten Worte seiner Verkündigung. Wer Menschen zum Nachdenken und Umdenken bringt, wird bald zum Störenfried. Das ist wie das Aufwecken von Schlafenden. Lass mich in Ruhe, ist noch die harmloseste Form von Reaktion.

 

Es wäre allerdings völlig falsch, uns Christen als Unruhestifter zu bezeichnen. Gemäß der Bergpredigt Jesu wollen wir Friedensstifter sein, aber nicht um jeden Preis. Im Zweifelsfall ist uns die Wahrheit wichtiger als fauler Friede, Gerechtigkeit steht höher als das Zudecken von Problemen, Ehrlichkeit geht über bloße Harmonie.

 

Als gläubige Menschen wollen wir nicht klagen, wenn wir in diese Art von Unruhe geraten, wir suchen sie ja nicht durch bewusste Provokation. Wir wollen auch nicht vergessen, die Wahrheit mit Liebe zu mischen, und nie das eine ohne das andere zu verabreichen.  

 

Bevor wir aber über mögliche Unruhen im äußeren Bereich nachdenken, haben wir uns einer anderen Art von Unruhe verschrieben. Es ist die Unruhe in unserem Herzen, die wir als Christen durch nichts verdrängen oder unterdrücken wollen. Augustinus bringt sie auf den Punkt: „Du hast uns auf dich hin geschaffen und unruhig ist unser Herz bis es Ruhe findet in dir.“ Die Sehnsucht nach Gott sollen wir immer zulassen und fördern. Sie ist die Antriebskraft des Glaubens. Wer einen Berggipfel ersteigen will, ist solange in einer Art Unruhe, bis er das Ziel erreicht hat.

 

Wer den Glauben für eine reine Entspannungsmethode hält, ist noch nicht gläubig im christlichen Sinn. Christlicher Glaube ist ein Aufwachmittel oder ein Aktivierungsprogramm. Erst wenn wir Gott gefunden haben und von ihm erfüllt sind, stellen sich Ruhe und Friede voll ein. In der Praxis gehen die einzelnen Schritte natürlich Hand in Hand: Die Unruhe des Suchens und der Friede des Findens. Schon vor dem endgültigen Gipfel schenkt der Herr uns Anteil an seinem Frieden.

 

Eine Anregung: Täglich ein paar Minuten Ruhe suchen bei Gott als Teil unseres Urlaubs.

 

Herr, mache mein Herz unruhig

bis es Ruhe findet in dir.

 

Foto (c) Luca Pareschi - Fotolia

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Mario Oberhollenzer (Mittwoch, 07 August 2013 19:44)

    Ja, der Glaube stiftet Unruhe! Was fällt mir dazu ein?
    Andere verlorene Gesichter fallen uns ein. Die Gesichter von Ministranten und anderen Jugendlichen, die ihr Gesicht in der katholischen Kirche verloren haben, beim Priester auf dem Sofa, dem Bett oder wo auch immer, die das bis heute als Erwachsene, wo sie anfangen können darüber zu reden, um ihr Gesicht wieder zu finden, nicht vergessen können. Wer tief im Glauben steht, kann doch das verübte Unrecht eines Priesters an einem selber kaum verstehen. Muss das? Das muss.
    Die Kirche versprach erschüttert Aufklärung, wohl das eigene Gesicht wiederzufinden. Wollte sich lossprechen von den Sündern in den eigenen Reihen, und macht sich jetzt Sorgen um deren Gesicht, will sie in keiner Weise für ihre Taten uneingeschränkt dem Staatsanwalt überlassen, nein der eigenen Gerechtigkeit unterstellen. Damit erhebt sie sich zu einer undemokratischen Institution auf der Ebene eines Staates, denn allein der besitzt das Machtmonopol. Die Kirche fällt zurück ins Mittelalter, verliert nicht nur ihr Gesicht, sondern blickt uns hinter der heruntergelassen Maske höhnisch an: Wir sind die Moral! Darf das? Das darf nicht.

  • #2

    Mario Oberhollenzer (Mittwoch, 07 August 2013 20:12)

    Übrigens:

    Danke für die zahlreichen Mails. Es ist mir inzwischen leider nicht mehr möglich alle Mails im Detail zu beantworten, da die Themenbereiche zu umfangreich und komplex geworden sind. Sie reichen von reinen Glaubensfragen bis hin zur Quantenphysik. Es ist für mich einfach nicht mehr abarbeitbar. Daher schlage ich vor, dass wir uns persönlich treffen und einen Dialog über die komplexen Fragestellungen zwischen Wissenschaft und Theologie, in ungezwungener Atmosphäre, führen.
    Kontakt:

    m.oberhollenzer@gmx.net