GLAUBENS-BLOG

Beitrag 36

Der Glaube kann nein sagen


Bei Taufgesprächen erkläre ich unter anderem immer das zweiteilige Taufversprechen. Teil zwei des Versprechens ist die Zustimmung zu den Glaubensinhalten. Sie wird ausgedrückt durch das dreimalige „ich glaube“. Im vorgelagerten Teil eins geht es um eine Abgrenzung gegenüber allem, was nicht von Gott stammt oder zu Gott hinführt. Ausgedrückt wird diese Distanzierung durch das dreimalige „ich wiedersage“. Schon öfter habe ich mir die Frage gestellt, warum das Nein sagen derart im Vordergrund steht. Warum kam bisher niemand auf die Idee, die Fragen positiv zu formulieren und das Widersagen durch ein Jawort zu ersetzen, im Sinn von: Seid ihr bereit, euch für Gott und für das Gute einzusetzen? Daraufhin Ja zu sagen wäre ganz im Trend des sogenannten positiven Denkens.

 

Hier ist das Ergebnis meines Nachdenkens, warum es beim Widersagen geblieben ist und bleiben wird: Der Glaube ist realistischer als die Theorie des positiven Denkens. Diese Lehre wurde in Wohlstandsgesellschaften entwickelt. Nur ein geringer Teil der Menschheit kann sich darauf stützen. Wem das Notwendige zum Leben fehlt, kann sich nicht einmal ein Buch oder ein Seminar zu diesem Thema leisten. Extremsituationen wie Krankheit, Krieg, Hunger oder Todesangst lassen an der Kraft des positiven Denkens zweifeln.

 

Dagegen ist der christliche Glaube sehr realitätsbezogen. Er rechnet mit Widerständen, Hindernissen und Gefahren von allen Seiten. Aber er gibt auch die Kraft zur Bewältigung. Der Glaube schenkt uns das nötige Rückgrat zum Nein sagen, wo es nötig ist; bekanntlich ist in vielen Situationen unseres Lebens ein Nein schwerer übers Herz zu bringen als ein Ja. Der Glaube versetzt uns in die innere Freiheit, auf alle Verführungen zu antworten: Ohne mich!

 

In unserer Taufe und Firmung wurde uns diesbezüglich ein Potential geschenkt, das durch einen lebendigen Glauben aktiviert werden kann. Die Gabe der Unterscheidung hilft uns erkennen, wann wir konkret ja sagen sollen und wann nein.

 

Zur Erinnerung – die Frage und die Antwort beim Taufversprechen: „Widersagst du dem Bösen, um in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben? Ich widersage.“

 

Herr, ich sage ja zu dir, auch wenn es mich ab und zu ein Nein kostet. 

 

Foto (c) Beboy-Fotolia

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Kommentare: 1
  • #1

    Steffi (Montag, 17 Juni 2013 16:14)

    Verbinde mal die letzten 2 Bolg-Einträge:
    Es ist nicht immer leicht sich bedingungslos lieben zu lassen, oder selbst bedingungslos zu lieben. Manchmal aber gibt es Momente in denen man fast nicht anders kann als das Herz zu öffnen und wie in Ihrem letzten Blog-Eintrag auch mal 'Nein' zu alten Gewohnheiten und 'Ja' zu neuem Leben, zu neuen Herausforderungen und zu neuen Erfahrungen zu sagen. Und wenn dieses 'Ja' auch noch aus vollem Herzen gesprochen wird, erfährt man in der Liebe eines anderen Menschen auch ein Stück der Liebe Gottes zu jedem von uns...