GLAUBENS-BLOG

Beitrag 35

Der Glaube beginnt mit Gottes Liebe


Papst Franziskus hat in diesen Tagen einen bemerkenswerten Gedankenanstoß geliefert: „Es ist schwieriger, sich von Gott lieben zu lassen, als ihn zu lieben!“ Beim ersten Hinhören möchte man ihm widersprechen. Es gibt innere und äußere Hürden, die uns die Liebe zu Gott schwermachen. Aber die Liebe Gottes anzunehmen, ist doch einfach, denken wir spontan. Erst bei genauem Hinsehen merken wir, dass der Papst mit seiner Aussage ins Schwarze getroffen hat.

 

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Machbarkeit und Leistung im Vordergrund stehen. Diese Grundhaltung schwappt auch ins Glaubensleben über. Das Annehmen von wirklichen Geschenken ist nur bei Sozialhilfeempfängern üblich. Selbst in der Familie und unter Freunden baut so viel auf Leistung und Gegenleistung auf. Der Glaube aber ist die leere Schale, die wir Gott entgegenhalten, damit er sie füllen kann. Wer glaubt, ist in erster Linie empfangsbereit gegenüber Gott, erst dann folgen die eigenen Initiativen. Menschen unseres Jahrhunderts müssen wieder lernen, dass es in der Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht um die Begegnung von zwei Businesspartnern geht. Gott und wir sind ein ungleiches Paar! Aber Gott liebt es offenbar, uns zu lieben und wir dürfen seine Liebe dankbar erwidern.

 

Wie sieht das konkret aus, sich von Gott lieben zu lassen? Soweit ich es verstehe, geht es zunächst um eine Lebenseinstellung. Mich von Gott lieben lassen heißt: Ich bemühe mich täglich, Gottes Spuren wahrzunehmen. Aufmerksam verfolge ich sein verborgenes Wirken in meinem Leben. Mich von Gott lieben lassen bedeutet: Ich bete öfters „zweckfrei“, indem ich mir einfach Zeit für Gott nehme und ihm oft danke sage. Mich von Gott lieben lassen ist eine Entscheidung von mir, dass er wie ein Geliebter immer freien Zutritt zu mir hat und sich nie vorher groß anmelden muss.

 

Nachdenkliches von John Henry Newman:Er umgibt dich und trägt dich auf Seinen Armen; Er hört deine Stimme, das Pochen deines Herzens und selbst deinen Atem. Du liebst dich selbst nicht mehr, als Er dich liebt.“

 

Herr, mache mich zu einer Schale für dich,

aus der du etwas nimmst
und in die du etwas hineinlegen kannst.

(Aus Taizé)

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Gisela Völker (Sonntag, 09 Juni 2013)

    Warum ist für uns die elterliche Liebe selbstverständlich, während wir uns mit dem Liebesangebot Gottes oft schwertun? Ohne die Liebe Gottes gäbe es uns garnicht. Denn in Psalm 139 lesen wir: " Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoss meiner Mutter".- Nun ist es an uns, sozusagen aktiv diese Gnade jeden Tag neu zu leben.

  • #2

    Pr S. Feye (Samstag, 14 März 2015 16:18)

    Mehr dazu findet man in: Die Wiedergefundene Botschaft, von Louis Caltiaux (Herder)..