GLAUBENS-BLOG

Beitrag 33

Der Glaube macht anderen Mut!


Es gibt etwas an Jesus, worüber ich von Jahr zu Jahr mehr staune: Sein Umgang mit Mitarbeitern, besonders mit deren Fehlern und Schwächen.

 

Soweit ich das überblicke, war Jesus nie Ankläger seiner Mitarbeiter. Er stellte hohe Forderungen an seine Nachfolger, gab Steilvorlagen für kirchliche Ämter und war nicht zimperlich im Ermahnen. Aber offenbar machte sich Jesus nie zum Sammler und Jäger der Fehler seiner Jünger. Wir finden bei ihm kein Vorhalten von Schwächen und kein Nachtragen von Versagen. Im Gegenteil, wenn es etwas Vergangenes aufzuarbeiten gab, tat es Jesus vorwärtsgewandt und – ganz im Sinn der modernen systemischen Therapie – ressourcenorientiert. Das beste Beispiel ist Petrus, sein unmittelbarer Stellvertreter. Dessen bittere Entgleisung während des Prozesses seines Meisters wärmte Jesus im Nachhinein mit keinem Wort auf. Stattdessen entlockte er ihm eine dreimalige Freundschafts- und Treuerklärung. Diese bekräftigte Jesus mit einer Bestätigung des Petrus in seinem Amt.

 

Noch etwas stelle ich mit Bewunderung fest. Jesus, der wusste, welches das Versagen seiner Mitarbeiter auf dem Weg zu seinem Tod sein werde, überhäufte die Jünger nicht mit Ratschlägen und Vorwürfen im Vorhinein. Er sprach ihnen vielmehr Mut zu, feierte ein letztes Mahl mit ihnen und erwies ihnen freundschaftliche Dienste, so als wären die Jünger die Chefs und er der unterste Angestellte. Damit schenkte er ihnen großes Vorschussvertrauen. Im Anschluss an sein  Comeback in der Auferstehung gab gerade dieses im Voraus geschenkte Vertrauen den Jüngern Mut zur Reue und zum Neustart in ihrer Beziehung zu ihm.

 

Dieser Umgang Jesu mit seinen Jüngern macht uns Christen Mut zu einem neuen Umgang miteinander. Wir werden ermutigt zur Revision unseres Verhaltens gegenüber Mitarbeitern, Vorgesetzten und Untergebenen. Der Glaube reicht auch in die sozialen Verhältnisse hinein. Christus gibt Kraft, den stärksten Rivalen in unserem Leben zu besiegen, das dominierende „Ich“. Wie leicht verderben Eitelkeit und Kleinlichkeit unsere Beziehungen. Gelebter Glaube lässt Mitmenschen aufatmen, indem er uns ein schlechtes Gedächtnis für deren Schwächen verleiht.

 

Versuchen wir, motiviert durch den Glauben, alle Speicher und Aktenordner zu leeren, die wir über die Fehler unserer Mitmenschen angelegt haben.  

 

Herr, lass mich die Hand sein,

die du den Brüdern und Schwestern reichst.

Lass mich Dein Mund sein,

durch den du ihnen Mut zusprichst.

 

 

Foto (c) Frog 974 - Fotolia

 

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