GLAUBENS-BLOG

Beitrag 31

Der Glaube berührt


Machen wir eine kleine biblische Erkundungsreise zum Wort „berühren“. Im Alten Testament wird der Begriff fast durchwegs negativ verwendet. Das Wort steht da im Sinn von: Niemand darf sich in unerlaubter Weise dem Heiligen nähern, oder wer Unreines angefasst hat, muss sich davon reinigen. Im Neuen Testament wird „berühren“ so gut wie ausschließlich positiv verwendet. Über 90 Prozent der neutestamentlichen Einsätze des Wortes „berühren“ betreffen heilende Begegnungen. Jesus berührt Menschen und lässt sich von ihnen berühren, bis dahin, dass der Wunsch umgeht, wenigstens den Saum seines Gewandes berühren zu dürfen.

 

Woher kommt der auffällige Wandel? Vereinfacht ausgedrückt ist das deshalb, weil im Alten Testament Gott noch im Himmel war, während er im Neuen Testament auf die Erde kam. Seit den Tagen Jesu lässt sich Gott auf menschliche Weise berühren und berührt selbst auf menschliche Art. Da die Menschwerdung Gottes ein unumkehrbarer Vorgang ist, setzt sich diese Form der Gottesbegegnung in unsere Tage fort.

 

Die Erfahrung, dass Gott Menschen berührt, machen wir Seelsorger oft, besonders in der Spendung der Sakramente. Wenn das Taufwasser über die Stirn der Tochter fließt, oder der Sohn zur Erstkommunion antritt,  habe ich schon  manche Träne in den Augen von Männern bemerkt, die ich nicht als besonders weichherzig oder religiös vorgebildet eingestuft hätte.

 

Manchmal genügt ein gläubiges Wort, die Spendung eines einfachen Segens, das Betrachten eines Bildes, das Anzünden einer Kerze, ein Strahl des Sonnenlichtes, ein Lied… und die Berührung kann sich einstellen. Gott bedient sich gelegentlich sehr schlichter Mittel, um die Seele eines Menschen anzusprechen. Glauben bedeutet, sich von Gott berühren lassen, die Berührung mit Gott suchen und die ausgestreckte Hand des Herrn nicht mehr loslassen.  

 

Dankbar versuche ich, die mir vom Herrn geschenkten Berührungen anzunehmen und mich möglichst lang am „Saum seines Gewandes“ festzuhalten.

 

Jesus, berühre mich!

 

Foto (c) Nik Frey-Fotolia

 

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Kommentare: 1
  • #1

    susanne (Montag, 13 Mai 2013 22:08)

    Danke für die wunderbare Reise in die Welt des Glaubens bei Jesus und seinen Vorfahren. Ich habe mir schon oft über das Thema "Berührung" Gedanken gemacht. Interessante Sichtweisen zwischen alt und neu!Danke für das niederscheiben, dieser einfachen und schönen Dinge am Schluss des Blogs. Es hat mich ungemein berührt. Und das Lied von Frey und die Thomas-Relistunde sind mir in den Sinn gekommen. Adieu