GLAUBENS-BLOG

Beitrag 22

Der Glaube ist eine Reform


Wie lässt sich eine Gesellschaft reformieren? Erfahrungen zeigen, dass Reformen leichter einzumahnen als durchzuführen sind. Ab und zu gelingt mit einem Umbau in der Struktur eine gesellschaftliche Richtungsänderung. In den meisten Fällen jedoch scheitert das Reform-Unternehmen am Personal. Strukturelle Veränderungen versprechen nur insofern Erfolg als auch die Menschen reform-orientiert sind. Ein neues Betriebssystem allein ist noch keine Reform.

 

Wo auf jeden Fall großes Reformpotential liegt, ist der gelebte Glaube. Stellen wir uns z.B. vor, viele christliche Politiker würden sich an das Wort „Geben ist seliger als Nehmen“ halten. Das hätte weltweite Auswirkungen. Oder eine große Zahl katholischer Unternehmer würde sich an der kirchlichen Soziallehre orientieren. Das hätte Folgen. Aber wir brauchen gar nicht so großräumig denken. Es genügt vorerst, wenn sich in einer Familie oder einer Pfarrgemeinde mehrere Christen ernsthaft um Fortschritte im Glaubensleben bemühen.

 

Der Glaube ist deshalb reform-orientiert, weil er dort beginnt, wo unser eigentlicher Machtbereich ist: Im eigenen Herzen. Der Gläubige sucht nicht dadurch die Welt zu verbessern, dass er anderen vorgibt, was sie zu verbessern haben. Er entdeckt und weckt vielmehr die erneuerbaren Energien in seinem persönlichen Leben. Auf diese haben wir Einfluss im Glauben.   

 

Dem Apostel Paulus zufolge beginnt die christliche Reform mit der „Erneuerung des Denkens“ (Röm12, 2). Die konstante Ausrichtung unseres Herzens auf Gottes Wort bringt langsam aber sicher ein neues Denken hervor. Diesem werden Taten folgen. Es reformiert sich etwas.

 

Ich versuche, dem Heiligen Geist zu erlauben, in wenigstens eines meiner alten Denkmuster einzugreifen.  

 

Komm Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen. Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern.

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Josef (Donnerstag, 14 März 2013 19:53)

    Sehr geehrter Herr Pfarrer und Herr Mario,
    ich möchte in meinem Statement nicht näher auf die Krise der Kirche eingehen. Diese ist hinlänglich bekannt. Wir werden sehen wieweit Papst Franziskus darauf reagier wird.
    Zu Mario
    Als ehemaliger Professor für Physik hab ich Ihre Aussagen mit Interesse gelesen. Sie verweisen immer wieder auf den Zusammenhang zwischen Glaube und Quantenphysik. Für mich sehe ich keinen Zusammenhang zwischen Nichtlokalität und Ganzheit in Ihren Aussagen. Quantenphysik wirkt nur im Kleinsten als Potentialität, nicht jedoch in unmittelbarer Wirkung in unserer geglaubten, betrachteten und somit erlebten Realität. Ich würde mich auf eine Antwort freuen.
    Hochachtungsvoll
    Josef

  • #2

    Mario (Donnerstag, 14 März 2013 21:08)

    Nichtlokalität und Ganzheit
    Nichtlokalität bedeutet nach Schäfer, dass (Zitat)"etwas, das jetzt und sozusagen am anderen Ende des Universums geschieht, zeitlos sofort und überall, auch hier, einen unmittelbaren Einfluss haben kann ... Einflüsse sind in der Quantenwelt in einem Augenblick fernwirksam." Da die Dinge in der Potentialität also weder räumlich noch zeitlich getrennt sind, bilden sie eine Ganzheit: „Nichtlokalität bedeutet Ganzheit der Wirklichkeit an sich.“ Dies ist meines Erachtens eine Anspielung auf Kant, denn in der Potentialität existieren die Dinge formlos und ohne messbare Eigenschaften, also im Sinne Kants „an sich“, bereit, sich zeitlos zu aktualisieren, wenn sie in der Aktualität als getrennte Dinge beobachtet werden, oder wenn in größeren atomaren Systemen die Kohärenz der Wahrscheinlichkeitswellen zerfällt. Das Kant'sche Noumenon der „Dinge an sich“ ist im Sinne der Quantenphysik also kein metaphysisch Gedachtes, sondern ihm entspricht die physikalische Wirklichkeit der experimentell indirekt fassbaren anderen Realität der Potentialität. Wobei dies natürlich immer nur spekulativ einer „meiner“ Darstellung der möglichen Wirklichkeit ist. Insofern hoffe ich Ihnen mit diesen Aussagen geholfen zu haben, ohne in Ihre Glaubenssätze eingreifen zu wollen. Um einen aussagekräftigen Dialog zu führen, können Sie mich gerne via E-Mail kontaktieren (moo_moo@web.de)
    LG aus Flaurling
    Mario

  • #3

    Mario (Donnerstag, 14 März 2013 22:37)

    Der Glaube ist Reform

    Die Frage ist aber: Ist auch die Kirche Reform? Zumindest ist sie aber -und da sind sich viele Christen einig- Reform(bedürftig). Daher: Nicht Glaube als Dogma sondern Glaube als Überzeugung. Oder wie wird das gesehen?

    LG
    Mario