GLAUBENS-BLOG

Beitrag 19

Der Glaube ist familiär

 

Zwei unterschiedliche Haltungen sind in den Tagen nach dem Papstrücktritt zum Vorschein getreten. Es gibt die öffentliche Meinung und ihre Stimmführer. Sie beschäftigen sich vorwiegend beobachtend und analysierend mit Papst Benedikt und seinem Amt. Und es gibt jene Menschen, die die Bedeutung dieser Entscheidung vor allem im Herzen erwägen. Für sie ist der Papst eine geschätzte Bezugsperson. Zu Letzteren gehören nicht nur Katholiken, es gibt auch Stimmen aus der Ökumene, aus Politik und anderen Religionen. Mir fällt dazu das Vergleichspaar ein: Außenstehende oder Familienmitglieder.

 

Auf einer höheren aber durchaus vergleichbaren Ebene gilt dasselbe für unseren Glauben an Jesus Christus. Wir können über ihn Forschungen anstellen oder wir können ihn zur Bezugsperson unseres Lebens machen. Religionsdebatten sind etwas anderes als Glaube. Der Glaube als solcher kann nicht abstrakt abgehandelt werden. Glauben ist nicht: Über Gott reden. Glauben ist: Mit Gott reden. Es geht um ein familiäres Verhältnis zu Gott in Jesus Christus. Das kommt von daher, dass wir als getaufte Christen nicht mehr Außenstehende sondern Familienmitglieder im Haus Gottes (vgl. Eph 2,19) sind.

 

Natürlich gib es Theologie als wissenschaftliche Beschäftigung mit Gott. Aber selbst dort entdeckt der gläubige Theologe, dass Gott nicht Objekt, sondern Subjekt seines Forschens sein will.

 

Darf ich wieder einmal persönlich werden: Ich habe mir in meinem Leben vorgenommen, über Gott, Jesus, Kirche, Papst, Bischof und Mitchristen immer in familiärer Weise zu denken und zu reden, wie ein Angehöriger über seine Familie. Deshalb sind für mich auch katholisches Dogma und kirchliche Moral keine von außen aufgezwungene Regeln, sondern gemeinsame Familientradition. Ich liebe meine Familie – trotz ihrer Mängel.

 

Ein Satz von Papst Benedikt als Begleiter in aktuellen Fragen zu Glaube und Kirche: „Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.“

 

Vater unser im Himmel. Dein Reich komme!

 

Foto (c) Christoph Hurnaus - Papst Benedikt XVI. in Brixen, 2008

 

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    gisela völker (Montag, 18 Februar 2013 13:03)

    Habe mich sehr gefreut über den Begriff "grosse Familie". Auch wunderschön ist das Foto vom Dom in Brixen. Vielleicht führt uns im Herbst eine kleine Urlaubsreise nach Brixen. Ein erstrebenswertes Ziel - wir sind schon voller Vorfreude!