GLAUBENS-BLOG

Beitrag 18

Der Glaube ist mehr


Zwischendurch eine kleine Aufklärung: Die Leser werden hoffentlich bemerkt haben, dass keiner der Blog-Beiträge beansprucht, das Thema „Glaube“ voll auszuschöpfen. Es geht um eine Suchbewegung, die den Focus einmal auf diesen, ein anderes Mal auf jenen Aspekt des Glaubens richtet. Das festzustellen entlastet den Schreiber und vielleicht auch die Leser.  Auf jeden Fall ist es mit ein Grund für die Wahl des Themas heute: Der Glaube ist mehr!

 

Ich erinnere mich an mein Theologiestudium. Im Fach Dogmatik beschäftigten wir uns mit einer wichtigen Grundregel in Bezug auf alle Aussagen über Gott: "Von Schöp­fer und Geschöpf kann keine Ähn­lichkeit ausgesagt werden, ohne dass sie eine größere Unähn­lichkeit zwischen beiden ein­schlösse" (IV. Laterankonzil), Wenn wir z.B. sagen: Gott ist der Ewige, der Gerechte, der Heilige, der Barmherzige, die Liebe…, dann ist die Bedeutung dieser menschlichen Worte nur in einem analogen Sinn auf Gott anzuwenden. In Wirklichkeit ist Gott anders im Sinn von „mehr“. Alle unsere Begriffe und Vorstellungen reichen eben nicht aus, um uns im Glauben Gott zu nähern. Thomas von Aquin hatte einige Monate vor seinem Tod eine Gotteserfahrung, die ihm diese Unähnlichkeit seines großartigen theologischen Werkes gegenüber der Wirklichkeit Gottes bewusst machte: Alles, was ich geschrieben habe, scheint mir wie Stroh zu sein im Vergleich mit dem, was ich gesehen habe und was mir offenbart worden ist."

 

Wenn aber Gott das große „Mehr“ ist, dann ist auch der Glaube immer mehr als… Das ist das Schöne am Glauben, dass wir nie am Ende sind. Es lohnt sich immer, mehr in den Glauben zu investieren, um in der Folge mehr von Gott zu erkennen.

 

In dieser Woche möchte ich mir mehr anbetendes Staunen über Gott vornehmen.

 

More love, more power, more of you in my life. I will worship you with all of my heart.  I will worship you with all of my mind. I will worship you  with all of my strength. For you are my Lord. And I will seek your face with all of my heart.  And I will seek your face with all of my mind. And I will seek your face with all of my strength.       Worshipsong von Jude Del Hierro

 

Foto (c) Huebi - Fotolia

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Mario (Sonntag, 10 Februar 2013 16:49)


    Sehr geehrter Herr Mag. Haider,

    vorerst herzlichen Dank für Ihren durchaus interessanten Blog, wie ich meine.
    Zu Ihrer- vielzitierten Formulierung des 4. Laterankonzils- in einem gegen Joachim von Fiore gerichteten Text (Übersetzung v. Neuner u. Ross, siehe Blog oben)
    Wie immer eine korrekte Übersetzung heißen könnte - man wird diesen Satz wohl so auffassen dürfen, daß jede Rede von Gott zwar dem, worüber sie spricht, analog und in diesem Sinne ähnlich, vergleichbar, similis ist, zugleich aber anders geartet als die analoge Rede, insofern sie diese - ich sage zunächst einmal: irgendwie überbietet. Obwohl diese Formel von 1215 (!) oft zitiert wird, kann man den Eindruck gewinnen, dass der Analogie-Charakter jeder theologischen Gottesrede (einschließlich der Rede über das, was mit „inter creatorem et creaturam“ gemeint gewesen sein mag und was ja im Grunde \alles» bedeutet) und dass erst recht dessen Überbietung durch eine unähnliche Weise des Redens in Theologie und Kirche nicht sehr ernst genommen werden, jedenfalls Bewusstsein, Spiritualität und Sprechweise kaum prägen. Immerhin, so scheint mir, hat die feministische Theologie erheblich dazu beigetragen, die analoge Rede von Gott als Vater (mit allen Implikationen) als solche bewusster zu machen - ein besonderes Verdienst. Ein anderes Beispiel: Christen sprechen sehr selbstverständlich von Gottes Wort, ja von göttlichem Recht und nehmen das damit Gemeinte eher als handfeste, ontologisch-verdinglichte Realitäten denn als Analogien.
    Nun gibt es aber gegenüber diesen Analogien durchaus noch eine Steigerung. So spricht man von der sog. via eminentiae, derzufolge alle Aussagen, auch die analogen, von Gott im höchsten Maße gelten.
    Für die Steigerung oder Überbietung der Analogie, die jenes Konzil angesprochen hat, gibt es aber noch eine andere begriffliche Bezeichnung, die via negativa bzw. das, was man gemeinhin "Negative Theologie" nennt.
    Gemeint ist wohl: Gott ist für die Menschen unsichtbar, unfassbar, unergründlich, unerkennbar, von ihm gilt nach Piaton, dass er "jenseits des Seins" (Pol. VI, 508c-509c) ist. Man kann im Grunde nur in negativer bzw. negierender Terminologie von ihm sprechen, indem man sagt, was und wie er nicht ist. Dies ist offenbar eine Überbietung der analogen Rede und auch noch der via eminentiae. Die wiederum wirft unzählige nahe liegende philosophische Fragen auf, über die ich aus Platzgründen hier nicht weiter eingehen kann.
    Wie stehen sie dazu?

    Schöne Grüsse aus Flaurling
    Mario

  • #2

    Mario (Sonntag, 10 Februar 2013 17:06)

    An den Admin,
    eine kleine Anregung. Um hier eine sinnvolle Konversation, die über drei Sätze hinausgeht zu ermöglichen, wäre es vielleicht angebracht das Layout etwas zu ändern (kleinere Schrift, horizontale Verbreiterung usw.). Nur ein Vorschlag.

    Schönen Sonntag noch

    Mario

  • #3

    Gerda (Montag, 11 Februar 2013 17:27)

    An Mario

    Vorerst ein herzliches Danke für Ihre intellektuell anspruchsvollen Beiträge, die in mir sehr viel ausgelöst haben und nicht ohne Resonanz geblieben sind, obwohl ich mir nicht sicher bin ob ich Ihnen in allen Bereichen folgen kann. Was mich weiters sehr freut ist, dass Sie hier keinen rhetorischen „Religionskrieg“ zwischen Theisten und Atheisten vom Zaun brechen, sondern sehr sachlich und kompetent auf Fragestellungen eingehen. DANKE!
    Folgende Gedanken drängt sich mir auf: Der Glaube ist für mich in erster Line ein Weltbild. Woher weiß ich nun aber, welches Weltbild das "richtige" ist? Dies entnehme ich vornehmlich der Kultur, in der ich lebe und aufgewachsen bin, somit auch der Religion. Und hier gibt es eine einfache Regel: Je mehr Leute etwas für richtig halten, umso "richtiger" muss es sein. Das ist bereits selbst eine Regel, also eine, die mir Denkarbeit erspart (ich bezeichne diese Regeln als alltagstaugliche Beweisformen, denn ich kann ja nicht bei jeder Entscheidung erst eine wissenschaftliche Untersuchung durchführen). Mein Glaube verhilft mir zu einer Orientierung und Sicherheit in der Welt und nimmt mir die "Angst vor der Unsicherheit". Daher ist es für mich eher zweitrangig, ob das Weltbild selbst richtig ist. Es ist für mich in erster Linie ein guter Protektor. Ich freue mich auf Ihren nächsten Beitrag.

    Herzlichst

    Gerda

  • #4

    Mario (Mittwoch, 13 Februar 2013 13:18)

    Liebe Gerda,

    vorerst herzlichen Dank für Ihren Beitrag, der für mich in einigen Punkten durchaus nachvollziehbar ist, mit dem ich aber inhaltlich durchaus meine Probleme habe. Sie schreiben:“ Je mehr Leute etwas für richtig halten, umso „richtiger“ muss es sein.“ Diese Ansicht ist meiner Meinung nach ein sehr gefährliches Spiel. Auch vor ca. 70 Jahren hielt eine Mehrheit ein (politisches) System für „richtig“. Die Folgen waren Tod und Leid, für Millionen von Menschen. Ein weiters Beispiel: In der Votivkirche in Wien demonstrieren derzeit rund 40 Flüchtlinge für ihre Rechte. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist eine Mehrheit der Österreicher gegen diese Aktion. Und hier „bewahrheitet“ sich die Haltung der Kirche. In dieser Frage kann ich nur meine tiefe Hochachtung gegenüber der Kirche mit der Caritas zum Ausdruck bringen, die humanistische Grundwerte über kurzsichtige, politische Vorteilsnahme stellt, ungeachtet der Konfession oder der politischen Einstellung. Also kurzum: Glaube entbindet nicht von Denkarbeit.

    Lg
    mario