GLAUBENS-BLOG

Beitrag 17

Der Glaube ist Kontrast


Was mir schon länger auffällt: Ob ich mit getauften Katholiken am selben Tisch sitze oder mit Konfessionslosen, macht zunehmend keinen Unterschied. Woran mag das liegen? Nach meiner Einschätzung liegt es daran, dass viele Christen verlernt haben, Salz der Erde zu sein, wie uns Jesus in der Bergpredigt aufgetragen hat. In der Art und Weise wie ein Christ denkt, redet und handelt, muss ein Kontrast sein zu dem, wie man in der Gesellschaft denkt, redet und handelt. In Fragen des Lebensschutzes, in Bezug auf Ehe und Familie, was den Wert der materiellen Dinge anbelangt, in der Art mit Gott und über Gott zu sprechen,… in vielen Bereichen unterscheidet sich unsere christliche Werteskale von der gesellschaftlichen.   

 

Wenn wir aufgrund unseres gebildeten christlichen Gewissens öfters anderer Meinung sind als andere, soll uns das nicht beunruhigen. Es kann ein Zeichen für die Echtheit unseres Glaubens sein. Wenn wir aufgrund des Glaubens manchmal kontrovers Stellung beziehen, ist das kein Friedensbruch, sondern lädt zum Nachdenken ein. Der Glaube provoziert nicht den Kontrast, aber er lässt ihn zu, wenn höheres Gut auf dem Spiel steht. Unser persönlicher Glaube gewinnt an Kraft, wenn wir Christus und der Wahrheit nichts vorziehen, auch nicht die angenehme Harmonie um des lieben Friedens willen.

 

Im „Tagebuch eines Landpfarrers“ schrieb Georges Bernanos „Gott hat nicht geschrieben, wir seien der Honig, sondern das Salz der Erde … Salz auf die nackte, lebendige Haut – das brennt! Aber es verhindert auch die Verwesung.  Es kann zunächst unangenehm wirken, wenn durch uns das Salz der Wahrheit in die Wunden der Gesellschaft fällt. Aber gutes Salz weckt auch Geschmack. Dazu noch einmal Georges Bernanos: „Das große Unglück dieser Welt ist nicht, dass es Gottlose gibt, sondern dass wir so mittelmäßige Christen sind!“ 

 

Ich nehme mir in den kommenden Tagen bewusst vor, meine Glaubensüberzeugung vor anderen nicht zu verstecken.

 

Herr, wir erlauben dir, dass du uns zu würzigen, kontrastreichen Christen umgestalten darfst.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    gisela völker (Sonntag, 03 Februar 2013 17:11)

    Eine andere Meinung haben, aber den Mitmenschen nicht verletzen. Der schreibt dir vielleicht eine Botschaft über Engel, die sehr esoterisch klingt. Unmissverständlich kannst du ihm sagen, dass du solches Denken ablehnst.

  • #2

    Mario (Montag, 04 Februar 2013 15:16)

    „Was ist Wahrheit?“ Joh. 18.38
    Sie schreiben: „In der Art und Weise wie ein Christ denkt, redet und handelt, muss ein Kontrast sein…“ Warum eigentlich? Aber gut, nehmen wir es einmal so zur Kenntnis. Womit wir aber bei den Begriffen „wahr-falsch“ „gut-schlecht“, also im Dualitätsdenken wären. Ist also der Glaube wahr oder unwahr, sprich richtig oder falsch?
    Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin weder ein Gläubiger noch ein Atheist, vielmehr wohl ein Agnostiker. Weiters liegt es mir fern, jemanden seinen Glauben oder seine Glaubensätze zu widerlegen. Aber gerade als Agnostiker beschäftige ich mich mit „Glaubensfragen“.
    Nun zu den Begriffen „Wahrheit und Sinn“. Vorerst einig abstrakte Gedanken dazu.
    Eine Wahrheit kann es nicht geben, wie schon der Philosoph Ernst Bloch erkannte. „Das was ist, kann nicht wahr sein.“ (Ernst Bloch, Philosophische Grundfragen. Die Wahrheit müsste etwas Seiendes sein. Eine Wahrheit, die nicht „sein“ würde, wäre keine Wahrheit. Wenn die Wahrheit aber etwas Seiendes ist, dann kann sie nur im Sein und nicht für das Sein selbst gelten. Daher ist das Sein nicht wahr. Weil das Sein nicht wahr ist, kann auch alles Seiende nicht wahr sein, auch die Wahrheit nicht. Außerdem müsste es eine letzte Wahrheit geben. Wodurch sollte sie aber dann verifiziert werden können? Es gäbe ja keine höhere Wahrheit mehr, durch die sie von der Unwahrheit unterschieden werden könnte. Sonst käme es zum unendlichen Progress. Schließlich: Was sollte an der Wahrheit wahr sein?
    Wenn wir aber über „Wahrheit im religiösen Verständnis“ sprechen, dann kommen wir nicht um die Frag nachdem Sinn der Wahrheit oder besser gesagt, nach dem Sinn des Lebens vorbei.
    Wer an einen höheren Sinn des Lebens glaubt, muss sich mit folgender Frage auseinandersetzen: Warum muss sich ein Sinn erst (in der Zeit) verwirklichen und ist nicht von vornherein erfüllt? Welchen Sinn hat die Sinnhaftigkeit, ja überhaupt das Sein, in dem es Sinn gibt? Kann das Sein Sinn haben, obwohl Sinn das Sein bereits voraussetzt? Wie kann Gott allmächtig sein, wenn er an einen Sinn gebunden ist? Von den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Quantenphysik einmal ganz abgesehen, in der der Zufall eine bestimmende Rolle einnimmt.
    Weshalb sollte Gott für seine Schöpfung einen Sinn benötigen? Unterliegt er selbst einem Sinn (was seiner Allmacht widerspräche)? Hat er einen Sinn erst geschaffen, also ohne Sinn, sinnlos eingeführt?
    Ist für uns Menschen nicht die „letztliche Unbegreiflichkeit“ unseres Lebens und des Seins beruhigender als die Trivialisierung der Schöpfung Gottes durch die Einengung auf einen letzten Sinn?

    Liebe Grüsse aus Flaurling
    Mario
    (moo_moo@web.de)

  • #3

    Christine (Donnerstag, 07 Februar 2013 13:17)

    An Mario: Das ist wirklich ein sehr komplexes Thema. Zunächst heißt Glaube Vertrauen. Er ist Wagnis.
    An Pfr. Haider: Viele Ideen des Christentums sind heute insgesellschaftliche Denken aufgenommen. Sicher aber gilt, diejenigen Ideen, die noch nicht aufgenommen sind, einzubringen. CD