GLAUBENS - BLOG

Beitrag 07

Der Glaube lebt vom ich & vom wir


Mit zwei unvollständigen Glaubens-weisen kommen wir Seelsorger in Berührung. Auf der einen Seite begegnen wir Menschen, die ihre religiösen Pflichten äußerlich treu erfüllen. Aber sie lesen nie für sich persönlich in der Heiligen Schrift und sprechen mit Gott selten in eigenen Worten. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich kaum bei Gottesdiensten blicken lassen und wenig Kontakt zur christlichen Gemeinschaft haben. Aber sie sagen von sich, wie wichtig ihnen das persönliche Gespräch mit Gott ist.

 

Warum sind beide Glaubensweisen unvollständig? Weil Gott uns ganz persönlich anspricht: Durch Glaube und Taufe bin ich ein Kind Gottes geworden. Gleichzeitig hat der Herr mich über eine und in eine Gemeinschaft gerufen. Ich gehöre zur Familie Gottes. Deshalb hat uns Jesus nicht „mein Vater“ im Himmel, sondern „Vater unser“ zu beten gelehrt. Öffentliche Glaubenspraxis ohne persönliche Christusbeziehung ist ebenso einseitig wie persönliche Jesusverehrung ohne gemeinschaftliche Glaubens-ausübung.

 

Jesus selber nahm an jedem Sabbat am Synagogengottesdienst der jüdischen Gemeinde teil. Regelmäßig war er mit anderen im Tempel anzutreffen. Zugleich berichtet uns das Neue Testament von seinen Gesprächen mit dem Vater – er ganz allein.

 

Was manche treuen „Kirchgänger“ noch lernen müssen, ist die persönliche Verbindung zum Herrn. Was sie im Gottesdienst und in der Gemeinschaft erleben, soll in das tägliche Leben einfließen und dort Wurzel schlagen. Was die gläubigen „Individualisten“ noch lernen müssen, ist die gemeinschaftliche Dimension des Glaubens. Ihr persönliches Sprechen mit Gott soll in den gemeinsamen Dank und Lobpreis der Gemeinde übergehen.

 

Der Glaube lebt von beiden, vom ich und vom wir. Wer eines Tages für immer mit dem Dreifaltigen Gott glücklich sein will, wird jetzt schon das persönliche Gespräch mit ihm lieben. Im Himmel werden aber auch andere sein, vermutlich gibt es dort keine Einzelabteile.

 

Ein ehrlicher Selbsttest: Wir versuchen herauszufinden, ob wir uns in unserem Glaubensleben eher an der Gemeinschaft vorbeidrücken. Oder begnügen wir uns mit äußerer Glaubenspraxis ohne ein Nahverhältnis zum Herrn?

      

Herr, du hast mich bei meinem Namen gerufen. Ich danke dir! Du hast mir auch die Brüder und Schwestern geschenkt. Lass uns einander annehmen. 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    CAD (Montag, 26 November 2012 11:44)

    Wir als Kirche stehen vor der Aufgabe, Raum zu schaffen, für den persönlichen Glauben. Vielleicht brauchen wir Toleranz für andere Ausdrucksweisen: Es muss möglich sein, bei der Musik mitzuschwingen, ohne dumm angeguckt zu werden.
    Die Gläubigen sind in Verantwortung genommen, mit dem Herzen mitzubeten und mitzusingen. Ein Halleluja muss ein Jubelruf sein, ein Klagelied ein Klagelied usw.