GLAUBENS - BLOG

Beitrag 05

Der Glaube nimmt die Angst


Ein heikles Thema: Religion und Angst. Darüber gäbe es viel zu sagen. Die Angst, worüber dieser Glaubens-Blog spricht, ist von anderer Art. So paradox es klingt: es ist die Angst vor Gottes Liebe. Sprechen wir ruhig in der wir-Form. Es handelt sich um unsere Angst, zu kurz zu kommen, wenn wir uns mehr für Gott öffnen würden. Gott lädt uns oft zu einem „mehr“ an Glauben ein. „Ich stehe vor der Tür und klopfe an“ (Off 3,20), sagt der Herr im letzten Buch der Heiligen Schrift. Theoretisch wissen wir, dass es seine Liebe ist, die ihn zum Anklopfen bewegt, und doch haben wir Angst, die Tür zu öffnen. Vielleicht einen Spalt, oder bis zur Hälfte. Doch bevor wir ganz aufmachen, reden wir uns gern ein, man könne auch auf seine eigene Art gläubig sein.

 

Diese Form von Angst sitzt  im Unterbewusstsein. Darf ich versuchen, sie kurz und konkret anzusprechen: Wir haben Angst, dass uns die Zeit anderswo abgeht, wenn wir sie für mehr Glaubenspraxis hernehmen würden. Wir zögern, die Bibel regelmäßig aufzuschlagen, weil uns im Wort Gottes Forderungen entgegen treten könnten. Wir meiden das Beichtsakrament aus Angst, es könnte uns von mancher schlechten aber liebgewonnenen Gewohnheit trennen. Wir hören lieber nicht zu viel von den Sorgen unserer Mitmenschen, aus Angst, sie könnten uns zu sehr in die Pflicht nehmen.

 

Darf ich ganz ehrlich sein und vom wir noch einen Schritt weiter zum ich übergehen? Diese Angst kenne ich persönlich auch. Obwohl ich so überzeugt von Gottes Liebe bin und sie oft schon erfahren habe! Aber die Angst, etwas zu versäumen oder zu verlieren ist immer wieder da, wenn Gott anklopft. 

 

Diese Angst ist ein Zeichen mangelhaften Glaubens. Den Mangel gilt es zu überwinden. Echter Glaube ist angstfrei. Nicht, dass Gott uns von allen Ängsten des Lebens befreit. Jesus selber litt Todesangst. Doch die Angst, von der uns der Glaube erlösen will, ist die Sorge vor dem Verlust, vor dem Abgeben unserer eigenen Vorlieben.

 

In dieser Ängstlichkeit gegenüber Gottes Liebe sind wir Menschen wie Ameisen oder Schildkröten, deren Blick nur auf das gerichtet ist, was vor ihnen auf der Erde liegt. Dabei könnten wir durch den Glauben wie Adler sein, die sich in der Freiheit der Kinder Gottes hoch hinauf schwingen. Peter Dyckhoff sagt über den Weg dorthin: „Du gibst Geringeres ab und nimmst Größeres in Empfang.“

 

Eine Einladung: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten...“ 

  

Herr, du darfst mich besuchen kommen. Hilf mir beim Türaufmachen.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    gisela völker (Samstag, 10 November 2012 16:19)

    Sehr passend die schöne Ilustration vom guten Hirten. Der beschützt seine Schafe, sie brauchen sich nicht zu ängstigen. Danke für den Impuls.