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Beitrag 01

Der Glaube kommt vom Hören


Bevor Kleinkinder zu reden beginnen, hören sie. Sie nehmen Laute aus dem Mund ihrer Eltern wahr und versuchen diese nachzu-ahmen. Aus dem Hören erwächst die Fähigkeit des Sprechens. Das Ohr ist dem Mund eine kleine Spanne voraus – abgesehen vom darauf los Schreien, das Babys vom ersten Augenblick an beherrschen. Im Laufe des Lebens will das Hören immer neu gelernt werden. Oft ist die Zunge schneller als das Ohr. Oft sind die Ohren zugeklappt oder auf Durchzug gestellt. Leicht wird man ‚schwerhörig‘, nicht erst mit zunehmendem Alter. Hören ist eine große Kunst, richtig ausgeprägt ist sie nur bei wenigen Menschen anzutreffen und da nicht immer.   

 

Der Glaube kommt vom Hören, heißt es in der Heiligen Schrift. Ohne Hören stirbt der Glaube oder kommt erst gar nicht auf. Wir Christen setzen voraus, dass es etwas zu hören gibt. Denn Gott hat sich geoffenbart. Deshalb braucht es Menschen, die ihm zuhören. Abraham war so einer, Mose, die Propheten, Maria, Magdalena, Johannes, Paulus…  

 

Warum glaube ich überhaupt? Zunächst einmal, weil Vertrauenspersonen mich mit Gottes Wort in Berührung gebracht haben: Meine ersten Gebete mit den Eltern oder Großeltern, die biblischen Erzählungen der Kindergärtnerin, die Erfahrungen im Religionsunterricht, die Predigten des Pfarrers… Andere hatten das Glück, über einen gläubigen Freund oder die einladende Stimme im Gewissen sich für den Glauben zu öffnen.   

 

Ein „hörendes Herz“ (1Kön 3,9),  um Gottes Wort mit Verständnis aufzunehmen, wurde uns Christen in der Taufe geschenkt. Zu jedem Neugetauften sagt der Taufspender in der Muttersprache Jesu „Effata“, das heißt: „Öffne dich!“ Es folgt die Bitte: „Der Herr öffne dir die Ohren, damit du sein Wort vernimmst.“ Die potentielle Befähigung zum rechten Hören ist also ein Taufgeschenk, das aktiviert werden kann.

 

Wo liegen die grundlegenden Probleme mit dem christlichen Glauben heute? Eine Hauptursache dürfte die mangelnde Hörfähigkeit sein. Noch nie in der Geschichte wurde das menschliche Ohr so mit Schall bombardiert. Noch nie waren die Informationsquellen so dicht beim Ohr. Wer ein Hörer werden will, braucht nicht noch mehr Information. Wahrscheinlich beginnt das rechte Hören mit dem „Abschalten“. Je weniger Überflüssiges an unser Ohr dringt, desto hörfähiger werden wir.

 

Mutter Teresa brachte in der ihr eigenen praktischen Art die Sache auf den Punkt: „Das Wichtigste ist die Stille… Wir werden uns nicht in die Gegenwart Gottes versetzen können, ohne uns zu einer inneren und äußeren Stille zu zwingen. Deshalb müssen wir uns an eine Stille des Geistes, der Augen und der Zunge gewöhnen. Wir müssen Gott finden, wir können ihn aber weder im Lärm noch in der Betriebsamkeit finden.“

 

Die Natur hat vorgesorgt, indem sie uns Menschen mit zwei Ohren und einem Mund ausgestattet hat. Wir hören Stereo, während wir nur Mono reden können. Die dahinter liegende Botschaft heißt: Nütze diese Fähigkeit!

 

Eine kleine Hörübung: Wie lange kann ich jemandem zuhören ohne ins Wort zu fallen, ohne abzuschweifen oder gleichzeitig an etwas anderes zu denken?

 

Herr, gib mir ein hörendes Herz, damit ich deine Stimme erkenne und von anderen Stimmen unterscheiden lerne.

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    arw (Montag, 15 Oktober 2012 09:28)

    Danke, Herr Pfarrer, dass Sie sich die Mühe mit diesem Blog machen.
    So können wir ihre Impulse immer wieder nachlesen/üben um unsere Fähigkeiten zu trainieren.
    Nebenbei bemerkt ist die erste "kleine Hörübung" eigentlich gar nicht so klein!
    arw aus Flaurling

  • #2

    Paula (Montag, 15 Oktober 2012 13:21)

    Danke für die wunderbare Einführung, die so viele Wahrheiten enthält. Besonders hat mir die Erinnerung an die Taufe gefallen und diese schönen Worte:Der öffne dir die Ohren, damit du sein Wort vernimmst. Ich werde besonders darum beten. Auch das Zuhören ist etwas, was wieder neu gelernt werden will. Ich bin mir sicher, das Bemühungen in diesen Dingen wird sicher von großer Freude, auch für uns selbst, belohnt!

  • #3

    Paula (Montag, 15 Oktober 2012 13:27)

    Leider hat sich oben ein Satzfehler eingeschlichen.Verzeihung.
    Was ich aber noch sagen möchte ist, dass mir die Homepage überhaupt sehr gut gefällt. Sie ist sehr ansprechend, freundlich und übersichtlich.Danke

  • #4

    Steffi (Dienstag, 16 Oktober 2012 20:25)

    Danke für diesen Blog, super Impulse zum Nachdenken... :-)
    Liebe Grüße aus St. Johann, Steffi

  • #5

    cad (Montag, 26 November 2012 14:07)

    Stille ist wichtig